Rabatt-Schlacht Autoabsatz in Europa bricht drastisch ein

Die Konjunkturkrise erfasst Deutschlands Vorzeigebranche: Die Autohersteller verkaufen europaweit weniger Fahrzeuge, vor allem in Spanien und Italien brechen die Absätze dramatisch ein. Die Verbraucher profitieren - sie werden mit kräftigen Rabatten geködert.
CarTower in Wolfsburg: "An der Marke VW zeigt sich, wie schwierig der Markt ist"

CarTower in Wolfsburg: "An der Marke VW zeigt sich, wie schwierig der Markt ist"

Foto: ? Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

Düsseldorf/ Brüssel - Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen sinkt in der EU deutlich. Im September schrumpften die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,8 Prozent, teilte der europäische Branchenverband Acea mit.

Mit Ausnahme von Großbritannien (plus 8,2 Prozent) verzeichneten die übrigen großen Märkte wie Frankreich (minus 17,9 Prozent) oder Italien (minus 25,7 Prozent) teils herbe Einbrüche. Der spanische Markt brach gar um 36,8 Prozent ein. Auch in Deutschland ging es mit einem Minus von 10,9 Prozent nach unten.

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Die Folge: Auf dem Markt verschärft sich der Preiskampf. Eine Studie des Center Automotive Research  (Car), über die das "Handelsblatt " berichtet, verdeutlicht diese Entwicklung. Demnach fanden im September ein Drittel aller Neuwagen nur mit hohen Rabatten als Vorführ- oder junge Dienstwagen einen Käufer.

Der Anteil dieser sogenannten taktischen Zulassungen habe den höchsten Stand seit Sommer 2007 erreicht, sagte Car-Chef Ferdinand Dudenhöffer. Eine taktische Zulassung bedeutet, dass die Fahrzeuge vom Hersteller selbst für einen kurzen Zeitraum zugelassen werden. Dadurch gilt das Fahrzeug als Gebrauchtwagen - und wird mit Rabatten von 25 Prozent und mehr verkauft.

Nach der Car-Studie betrug der Anteil der Fahrzeuge, die mit diesem Schachzug extrem rabattiert wurden, bei der Marke Alfa Romeo 64 Prozent, bei Chevrolet 62 Prozent, bei Fiat 49 Prozent und Peugeot 47 Prozent. Selbst Marktführer Volkswagen setzte 36 Prozent der Autos erst nach taktischer Zulassung ab.

VW sieht das ein wenig anders. Der Konzern verweist darauf, dass rund zwei Drittel der von Dudenhöffer bezifferten taktischen Zulassungen auf Leasing-Angebote zurückzuführen sind, die von Konzernmitarbeitern genutzt werden. Dudenhöffer hält dagegen, dass auch ohne diese Mitarbeiterprogramme die Zahl der von VW-Händlern taktisch zugelassenen Autos im Vergleich zu den Gesamtzulassungen gestiegen sei. Zudem betrachtet er die Leasing-Angebote, von denen viele gerade mal sechs Monate laufen, als "einen anderen Weg, die Autos künstlich billiger zu machen und dadurch mehr zu verkaufen".

Dudenhöffer bereitet die Situation bei Volkswagen Sorgen. "Das ist ein beunruhigendes Signal. An der Marke VW zeigt sich, wie schwierig der Markt geworden ist", sagte er. Die Wolfsburger verzeichneten im September europaweit einen Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wobei die Premiummarke Audi auf ein kleines Plus von 1,4 Prozent kam. Während BMW den Monat mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent beendete, musste Daimler einen Rückgang um 6,9 Prozent hinnehmen. Opel erlitt einen abermaligen Absatzeinbruch um 15,6 Prozent.

Erfreulicher als in Europa präsentierten sich nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) die Märkte in den USA und Russland. In den USA setzten die deutschen Hersteller mit 104.000 Neuwagen 17,4 Prozent mehr Autos und Pick-ups ab als im Vorjahresmonat. Auch in Russland sei die Entwicklung weiterhin solide gewesen, hieß es vom VDA. Der Markt legte im September um gut zehn Prozent zu. In China gab es im September nur ein leichtes Wachstum von knapp zwei Prozent.

cst/rom/dapd/dpa
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