Abschaffung von Normalbenzin Alles Super?
Hamburg - Die Mineralölkonzerne in Deutschland wollen an ihren Tankstellen weiterhin Normalbenzin mit 91 Oktan anbieten. Solange es eine ausreichende Nachfrage nach Normalbenzin gebe, werde das Produkt den Kunden angeboten, erklärten Sprecher von Shell und ExxonMobil am Montag.
Zuvor hatte die Halbierung des Preisvorteils bei Normal- gegenüber Superbenzin zu heftiger Kritik der Automobilclubs an den Ölkonzernen geführt. "Es deutet alles auf die mittelfristige Abschaffung von Normalbenzin hin. Super wird das neue, dann aber teurere Normal", sagte der Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, der "Bild"-Zeitung.
Ohne vorherige Ankündigung hatten die Ölkonzerne vor zwei Wochen den Preisvorteil von Normalbenzin gegenüber Super halbiert. Seitdem beträgt der Abstand nur noch einen Cent. Vor allem Fahrer älterer Autos sind betroffen, aber auch besonders sparsame Besitzer jüngerer Fahrzeuge.
Monokultur an der Zapfsäule?
Die Automobilclubs argwöhnen, durch die Preisangleichung solle Normalkraftstoff klammheimlich aus dem Markt gedrückt werden. Wenn die Nachfrage nach Normalsprit mangels Preisvorteils sinkt, hätten die Unternehmen einen Vorwand, den wenig lukrativen Kraftstoff aus dem Programm zu nehmen.
Für die Ölgesellschaften wäre der Wegfall von Normalbenzin ein lohnendes Geschäft: Die komplette Umstellung auf Super brächte zusätzliche Einnahmen, während gleichzeitig die Kosten für getrennte Tanks und Anlieferung entfielen. Branchenkenner vermuten seit Jahren, die Ölkonzerne wollten Normalbenzin lieber heute als morgen abschaffen.
Die Mineralölkonzerne hingegen führen als Grund für die Preisentwicklung die weltweit hohe Nachfrage nach Normalbenzin an. Zeitweise sei Normal auf den internationalen Märkten sogar teurer gewesen als das eigentlich hochwertigere Super mit 95 Oktan. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland rund 12,6 Millionen Tonnen Otto-Kraftstoffe verkauft, davon 3,5 Millionen Tonnen Normalbenzin. Das entspricht einem Anteil von 27,8 Prozent.
Erstmal bleibt alles beim alten
Eine Patronatserklärung für Normalbenzin wollten die Konzerne indes nicht abgeben. Eine Shell-Sprecherin sagte lediglich, es gebe keine aktuellen Pläne, sich aus dem Verkauf von Normalbenzin zurückzuziehen. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von ExxonMobil. "Es ist allerdings richtig, dass die Nachfrage von Jahr zu Jahr zurückgeht und immer weniger Neuwagen auch Normalbenzin vertragen können", erklärte die Shell-Sprecherin weiter.
Kartellamt soll prüfen
AvD-Präsident zu Ysenburg forderte unterdessen Eingreifen des Kartellamtes: "Dieses unverschämte Abkassierprogramm bedeutet eine neue, eiskalte Abzocke zulasten des Normalverbrauchers."
Ein ADAC-Sprecher sagte: "Das ist in der Tat eine krasse Preiserhöhung, die eigentlich nicht gerechtfertigt ist, nachdem es europaweit ja noch sehr viele Länder gibt, in denen Normalbenzin nach wie vor sehr stark nachgefragt wird. Ich kann mir beim besten Willen keinen Grund vorstellen, warum man jetzt auf einmal diese Differenz halbiert hat."
Ein Liter Normalbenzin kostete am Montag laut Aral 1,33 Euro, Super kostete 1,34 Euro. Für Diesel würden 1,15 Euro gefordert.
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hil/AP/dpa/ddp