Abwrackprämie Kunden stürmen die Autohäuser

Hoffnungsschimmer in der Autoindustrie: Nicht nur die Hersteller von Kleinwagen glauben inzwischen an ein Ende des rasanten Abwärtstrends. Der Grund: Die Abwrackprämie für Altautos lockt die Kunden in die Autohäuser.


Frankfurt am Main - Eine derartige Wirkung hatten die Erfinder wohl nicht erwartet: Wie es aussieht, motiviert die Verschrottungsprämie selbst die Käufer von Luxusautos, eine Neuanschaffung in Erwägung zu ziehen - auch wenn der Betrag schon in der Mittelklasse nicht einmal mehr die Zusatzkosten für ein Navigationssystem deckt. Entscheidend ist wohl mehr diese Art Schlussverkaufsgefühl, die die begrenzte Verfügbarkeit der Prämie ausgelöst hat - denn für mehr als 600.000 abgewrackte Autos wird das zur Verfügung gestellte Geld nicht reichen.

Autohändler: Autohersteller hoffen auf den Privatkäufer
DPA

Autohändler: Autohersteller hoffen auf den Privatkäufer

Er sehe einen "unglaublichen psychologischen Effekt", sagte Mercedes-Händlersprecher Peter Ritter der Branchenzeitung "Automobilwoche". Gefragt seien sogar höherpreisige Modelle, "die mit der Prämie gar nichts zu tun haben".

Experten zufolge sind es aber in erster Linie Kleinwagen, die begehrt sind. Peugeot-Deutschland-Chef Olivier Dardart erwartet 12.000 Prämien-Verkäufe, wie er der "Automobilwoche" sagte. Die Bestellungen stiegen im Januar um über 80 Prozent, weil die Händler "vor allem ihre Bestände im Kleinwagenbereich schnell abverkaufen". Bei Fiat reduzierten sich die Lagerbestände drastisch. Mancher Händler fühle sich "sogar an die Zeiten der Wiedervereinigung erinnert", sagte ein Fiat-Sprecher der Zeitung. Opel und Volkswagen hatten bereits signalisiert, dass sie von der Prämie profitieren.

Daimler will Smart-Viersitzer wiederbeleben

Daimler profitiert von dem Boom in diesem Segment dagegen nur in geringem Maße. Nach der Sanierung der Kleinstwagentochter Smart bleibt nur noch der Zweisitzer Fortwo, der selbst im schwächsten Monat Januar noch einen Absatzzuwachs verbuchte, während die Pkw-Sparte des Konzerns insgesamt 31 Prozent weniger Autos verkaufte. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zufolge wollen die Stuttgarter jetzt eine Viersitzer-Variante des Miniwagens wiederbeleben. Mercedes-Ingenieure hätten bereits die Arbeit an dem Projekt aufgenommen. Doch selbst, wenn das Projekt alle Instanzen im Konzern überzeugt - es dürfte noch einige Zeit bis zur Marktreife vergehen.

Vorerst jedoch hoffen die Autoverkäufer auf die Belebung durch die Abwrackprämie. Der Deutschland-Chef des japanischen Autobauers Toyota, Alain Uyttenhoven, sagte der "Süddeutschen Zeitung", durch die staatlichen Maßnahmen könnten 2009 eventuell doch noch 2,85 Millionen Neuzulassungen in Deutschland erreicht werden.

Es bleibt beim 1,5-Milliarden-Budget

Uyttenhovens Aussage ist aber auch ein Eingeständnis, dass die Autobauer die Lage düsterer einschätzten, als in den offiziellen Prognosen der Verbände deutlich wird. So hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA), in dem die deutschen Hersteller organisiert sind, 2,9 Millionen Verkäufe als Ziel ausgegeben, dank der Prämie aber bereits Hoffnung geschöpft, dass sogar die Drei-Millionen-Markt übersprungen wird. Der Importeursverband VDIK hatte ebenfalls 2,9 Millionen als realistisch angesehen.

2008 waren die Neuwagenverkäufe insgesamt um zwei Prozent auf 3,09 Millionen zurückgegangen, in den letzten Monaten des vergangenen Jahres war das Minus aber deutlich höher ausgefallen. Im Januar 2009 betrug der Rückgang 14 Prozent. Zahlreiche Autobauer und Zulieferer haben mit Produktionsstopps und Kurzarbeit auf die Misere reagiert. Um der Branche zu helfen, zahlt die Bundesregierung 2500 Euro Abwrackprämie für mindestens neun Jahre alte Autos, wenn ein neues gekauft wird.

Toyota-Manager Uyttenhoven setzt darauf, dass die Kunden stärker zu Fahrzeugen seiner Firma als zu denen anderer Hersteller greifen. "Unsere Kunden sind überproportional im Privatmarkt zu finden. Da nur Privatkunden die Prämie in Anspruch nehmen können, profitieren wir vielleicht mehr als andere davon", sagte er. Weniger rosig sieht BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson die Lage. Er sagte der "Wirtschaftswoche", "in der Art, wie diese Prämie konstruiert ist, zielt sie vor allem auf das untere Ende des Marktes". Der typische BMW-Kunde fahre nicht unbedingt ein Auto, das weniger wert sei als 2500 Euro. Nur für solche Wagen aber lohne sich die Verschrottung.

Trotz des Ansturms auf die Prämie schließt Wirtschaftsminister Michael Glos eine Aufstockung des 1,5-Milliarden-Euro-Budgets dafür aus. "Das Geld ist eine fixe Summe. Wenn die 600.000 (Autos) erreicht sind, ist die Aktion beendet", unterstrich er. Nach nur zehn Tagen sind 17.500 Anträge auf die Prämie beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingegangen. Experten rechnen mit mindestens einer Millionen Kaufinteressenten.

mik/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.