Abwrackprämie Opel klotzt, Daimler spart

Die Bänder stehen nicht still, jedenfalls nicht bei Opel in Eisenach. Dank der Abwrackprämie setzt der Autobauer mehr Corsas ab als erwartet. Doch Nobelmarken wie Daimler leiden: Das Firmenwagen-Geschäft bricht ein, und die Leasingraten könnten steigen.


Das Prinzip Abwrackbonus scheint zu wirken. Jedenfalls kurbelt die Prämie fürs Verschrotten alter Autos den Absatz der Kleinwagenhersteller in Deutschland kräftig an. Und das, obwohl die staatliche Subvention noch längst nicht Gesetzeskraft hat.

Verschrotten, kassieren, neu kaufen: Die Abwrackprämie belebt das Geschäft von Opel
DPA

Verschrotten, kassieren, neu kaufen: Die Abwrackprämie belebt das Geschäft von Opel

Opel fährt seine Produktion wieder hoch und setzt in seinem Corsa-Werk in Eisenach die Kurzarbeit aus. Doch die Nobelmarken leiden - auch weil Leasingraten steigen könnten und die Nachfrage nach Firmenwagen sinken werde, wie ein Experte befürchtet.

Bei Opel in Eisenach werde auch die ersten drei Wochen im März durchgearbeitet, sagte der Europa-Vizechef von General Motors (GM), Alain Visser, dem "Handelsblatt".

Intern war der Betriebsrat nach Angaben des Blattes bisher davon ausgegangen worden, dass im März erneut Kurzarbeit in Eisenach nötig ist. Auch die "Bild"-Zeitung berichtet, dass in Eisenach die Bänder länger laufen sollen und beruft sich auf Unternehmenskreise. Durch die zusätzlichen Arbeitstage könnten 1500 Fahrzeuge des Typs Corsa extra gebaut werden. In Eisenach waren für Februar ursprünglich zwei Wochen Kurzarbeit angesetzt.

"Wir spüren eine extreme Nachfrage", sagte GM-Mann Visser dem "Handelsblatt. Schon im Januar seien die Auftragseingänge von Privatkunden bei Opel um die Hälfte gestiegen. "Die Nachfrage nach dem Agila hat sich sogar verdoppelt, die Bestellungen für unseren Kleinwagen Corsa haben um 70 Prozent zulegt, die für den Astra um 30 Prozent", zählte der Vizechef auf.

Einen tiefgreifenden Umschwung auf dem deutschen Markt dank der Abwrackprämie sieht Visser allerdings auch im Februar noch nicht. "Ich glaube, wir werden auch im Februar noch keine grundlegende Trendwende sehen, weil zwischen Bestellung und Auslieferung immer ein paar Wochen vergehen", sagte Visser. Persönlich erwarte er, dass der Effekt bei den Neuzulassungen in diesem Monat sehr gering sein werde, sowohl was den Gesamtmarkt als auch, was Opel angehe. Erst im März werde sich das "spürbar in den Neuzulassungen niederschlagen".

Steigende Leasingraten, Wertverlust bei Firmenwagen

Der steigende Absatz insbesondere von Kleinwagen hatte jüngst teils zu mehrmonatigen Wartezeiten für ein neues Auto geführt. Der spanische Autobauer Seat hatte bereits am Wochenbeginn angekündigt, seine Produktion im März erhöhen zu wollen. Grund sei die erhöhte Nachfrage aus Deutschland wegen der Abwrackprämie.

Während Kleinwagenhersteller vom Verschrottungs-Bonus profitieren, ist die Nachfrage nach Nobelmarken eingebrochen - so erwägt beispielsweise Daimler ein neues Sparprogramm. Das Unternehmen wolle mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen die Kosten senken, berichtete die "Stuttgarter Zeitung".

In der Pkw-Produktion werde das laufende Effizienzprogramm namens "Go for Ten" verschärft. Das solle ein jährliches Einsparvolumen von 1,6 Milliarden Euro bringen. Laut Bericht sieht es vor, Lohnerhöhungen zu verschieben und Sozialabgaben zu kürzen. Bis Ende 2009 soll es Kurzarbeit geben.

Ein düsteres Bild malt auch Ferdinand Dudenhöffer, der als Branchenexperte gilt und das "Center Automotive Research" an der Universität Duisburg-Essen leitet. Er befürchtet steigende Leasingraten durch die Abwrackprämie. Dadurch sinke die Nachfrage nach Firmenwagen. Das wiederum führe dazu, dass Firmenwagen subventioniert würden. Dadurch sinke die Marge. "Die Abwrackprämie kostet damit die Premiumhersteller Erträge", sagte er. Dudenhöffer erwartet, dass auch der Wiederverkaufswert gebrauchter Firmenwagen sinkt - was wiederum zu Lasten deutscher Autobauer gehe.

otr/Reuters/AFP/ddp



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