Abwrackprämie Willkommenes Geschenk für Hersteller

Die von der Bundesregierung geplanten Abwrackprämie soll den Verkauf neuer Autos fördern. Dabei geht es den deutschen Herstellern gar nicht so schlecht. Zwar ist der Absatz 2008 in Deutschland gesunken, doch weltweit konnten sie sogar mehr Fahrzeuge verkaufen als zuvor.


Die Situation wirkt paradox: Die Autoindustrie gilt als arg angeschlagen und in ihrer Existenz bedroht, so dass scheinbar nur noch eine Abwrackprämie von 2500 Euro für Wagen, die älter als neun Jahre sind, die Branche wieder in Schwung bringen kann. Für 2009 sei mit einem zusätzlichen Absatz von 300.000 Neufahrzeugen zu rechnen, sagte Harald Kayser von der Beraterfirma PricewaterhouseCoopers am Dienstag. Nach deren Angaben sind in Deutschland gefahrene Kfz im Schnitt 8,5 Jahre alt.

Autos auf dem Weg zum Händler: Zu den deutschen Autohändlern kamen im vergangenen Jahr immer weniger Kunden
AP

Autos auf dem Weg zum Händler: Zu den deutschen Autohändlern kamen im vergangenen Jahr immer weniger Kunden

Trotzdem meldeten diverse Hersteller Verkaufsrekorde für das abgelaufene Jahr. Zwar wurden 2008 laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) rund 1,8 Prozent (insgesamt 3,9 Millionen Neuzulassungen) weniger Autos in Deutschland verkauft, global betrachtet gibt es jedoch keinen Grund zur Trauer.

VW etwa stellte nach eigenen Angaben einen "neuen historischen Verkaufsrekord" von weltweit 6,23 Millionen Auslieferungen auf. Mercedes erreichte mit knapp 1,26 Millionen annähernd das Vorjahresniveau und Audi setzte erstmals in der Firmengeschichte weltweit mehr als eine Million Wagen (exakt: 1.003.400) ab - ein Plus von 4,1 Prozent.

Der Löwenanteil der Neuwagen in Deutschland, nämlich 64,9 Prozent, stammte von deutschen Herstellern. Während VW mit 19,9 Prozent die Marktführerschaft behauptete, stürzten die Marken Opel (minus 9 Prozent) und Porsche (minus 8,2 Prozent) am stärksten ab. Smart wiederum erzielte unter den deutschen Marken mit einem Plus von 5,2 Prozent die höchste Steigerungsrate. Erfolgreichster Importeur war einmal mehr der französische Renault-Konzern, der mit den Marken Renault und Dacia auf einen Marktanteil von 4,8 Prozent kam.

Grausames Jahr steht bevor

Nach Einschätzung des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer wird 2009 grausam. Auch die Prognosen von PricewaterhouseCoopers sind düster. Denn auch mit der Abwrackprämie müssten sich die deutschen Autobauer auf ein schweres Jahr einstellen. Kayser rechnet mit einem Absatzrückgang von zehn Prozent weltweit - und für Deutschland mit knapp elf Prozent weniger verkauften Autos.

Dudenhöffer glaubt nicht an einen Vorteil für die deutschen Hersteller. "Die Abwrackprämie bringt für die Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie im Prinzip gar nichts. Vielmehr ist die Abwrackprämie ein Konjunkturprogramm für die Autowerke in Rumänien, Tschechien oder Italien, finanziert aus deutschen Steuergeldern. Bei den mit Kurzarbeit bedrohten Werken bei BMW, Mercedes, Audi oder Porsche wird die Abwrackprämie keine einzige Stunde Kurzarbeit einsparen", sagte er.

"Die Gewinner sind die Hersteller von preisgünstigen und kleinen Autos. Bei einem 10.000 Euro teuren Auto erhält der Käufer durch die Abwrackprämie einen Rabatt von 25 Prozent. Da kann man am ehesten einen Kaufeffekt vermuten. Aber fast 90 Prozent der Autos unter 10.000 Euro kommen von den Importeuren."

Die zehn größten Gewinner in Deutschland 2008

General Motors +67,2 Prozent
Lancia +39,8 Prozent
Fiat +19,4 Prozent
Lada +15,2 Prozent
Subaru + 12,8 Prozent
Nissan +10,0 Prozent
Hyundai +8,7 Prozent
Smart +5,7 Prozent
Jaguar +5,2 Prozent
Renault/Dacia +4,9 Prozent

Angaben jeweils Zulassungsplus gegenüber dem Vorjahr. Quelle: KBA

Die zehn größten Verlierer in Deutschland 2008

Ssangyong -46,8 Prozent
Alfa Romeo -34,3 Prozent
Toyota/Lexus -27,0 Prozent
Chrysler/Jeep/Dodge -22,2 Prozent
Mitsubishi -18,7 Prozent
Volvo -16,4 Prozent
Chevrolet -15,6 Prozent
Kia -15,0 Prozent
Mazda -14,3 Prozent
Land Rover -12,6 Prozent

Angaben jeweils Zulassungsminus gegenüber dem Vorjahr. Quelle: KBA

jüp/Reuters/dpa-afxp



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