Manipulierte Stimmzahlen Autoexperte hält jetzt alle ADAC-Tests für fragwürdig

Der ADAC musste einräumen, die Stimmenzahl bei seinem Publikumspreis "Gelber Engel" verfälscht zu haben. Jetzt hagelt es Kritik. VW und BMW fordern Aufklärung. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer verlangt, auch die Pannen- und Tunnelstatistik des Autoclubs zu untersuchen.
Zentrale des ADAC in München: "Blendwerk und aufgeblasene Selbstinszenierung"

Zentrale des ADAC in München: "Blendwerk und aufgeblasene Selbstinszenierung"

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Köln - Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - für den ADAC könnte das Sprichwort zu einem Trauma werden. Die Manipulationsvorwürfe bei der Verleihung des "Gelben Engel" werfen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des Clubs. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. In der Öffentlichkeit genießen diese Tests hohes Ansehen und Vertrauen. "Wenn sie beim Gelben Engel lügen, kann man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen", sagte Dudenhöffer. Im System des ADAC laufe grundsätzlich etwas falsch.

Der Autoexperte führt dies vor allem auf fehlende Kontrollmechanismen in dem Verband und eine fehlende Corporate Governance, also Regeln für eine gute Unternehmensführung, zurück. Für die Autohersteller sei jetzt der Werbewert des Auto-Rankings beim "Gelben Engel" negativ, sagte Dudenhöffer.

Der Auto Club Europa (ACE) spricht sich nun mit scharfen Worten generell gegen Auszeichnungen in der Automobilbranche aus. Wer wirklich wissen wolle, welche Wagen am beliebtesten seien, solle auf die fälschungssicheren Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamts schauen, teilte der Verein in Stuttgart mit. "Demgegenüber ist alles andere offenbar nur Blendwerk und aufgeblasene Selbstinszenierung", hieß es in der Stellungnahme. Es sei erklärungsbedürftig, warum Repräsentanten namhafter Autohersteller sich diese "peinliche Farce" weiter antun wollten.

Europas größter Autohersteller Volkswagen - der Gewinner des "Gelben Engel" 2014 - erwartet nach dem Eingeständnis des ADAC volle Aufklärung von dem Automobilclub. "Wir müssen denen natürlich auch eine Chance geben, die Sache aufzuklären", sagte ein Sprecher des Wolfsburger Konzerns. Erst dann werde entschieden, wie weiter vorzugehen ist. "Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass der Golf das Lieblingsauto der Deutschen ist." Die Frage sei jedoch, was dieser Preis bei den Begleitumständen überhaupt noch wert sei.

Bei BMW sieht man das ähnlich. Ein Sprecher des Münchner Konzerns sagte: "Wir erwarten vom ADAC eine vollständige Aufklärung der Vorgänge." Bei Daimler dagegen hält man sich bedeckt: Vorgänge, die den ADAC betreffen, wolle man nicht kommentieren.

Bei der diesjährigen Verleihung der Autopreise des ADAC hat es schwerwiegende Manipulationen gegeben. Michael Ramstetter, ADAC-Kommunikationschef und Chefredakteur der ADAC-Mitgliederzeitung "Motorwelt", räumte ein, gefälschte Stimmzahlen bei der Leserwahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" veröffentlicht zu haben - wie der Autoclub mitteilte, sei aber "nur" die absolute Zahl der abgegebenen Stimmen höher dargestellt und nicht die Rangfolge der Ergebnisse verändert worden. Ramstetter legte sämtliche Funktionen und Aufgaben im ADAC nieder.

Der ADAC teilte mit, Ramstetter habe seinen persönlichen Fehler zugegeben und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt. Er bedauere, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben. Die ADAC-Spitze ordnete eine interne Prüfung der Preisvergabe auch in den vergangenen Jahren an. 2015 soll der Leserpreis in einem notariell beaufsichtigten Verfahren vergeben werden.

Der ADAC betonte zudem, dass "weder die Geschäftsführung noch das Präsidium des ADAC zu irgendeinem Zeitpunkt über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl unterrichtet gewesen" seien.

nck/dpa