Reaktion auf Skandale Bundesjustizministerium nimmt ADAC ins Visier

Europas größter Autoclub gerät zunehmend unter Druck. Das Justizministerium will mit dem Verein nun über Qualitätskontrollen sprechen. Während der ADAC beteuert, schonungslos aufzuklären, kommen fast täglich neue Skandale ans Licht.
ADAC-Logo in Halle/Saale: Vertrauensverlust in Europas größtem Autoclub

ADAC-Logo in Halle/Saale: Vertrauensverlust in Europas größtem Autoclub

Foto: Jens Wolf/ dpa

Berlin - Die ADAC-Affäre wird immer mehr zum Politikum. Nun hat sich auch das Bundesjustizministerium eingeschaltet und will mit Europas größtem Autoclub über Qualitätskontrollen "und die Unabhängigkeit von Vergleichen und Zertifikaten sprechen", sagte der für den Verbraucherschutz zuständige Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) der "Welt". Doch auch mit anderen Organisationen wie etwa dem TÜV sollten Gespräche geführt werden.

"Es ist dringend nötig, dass das Vertrauen der Verbraucher auch in Testergebnisse und Zertifikate nichtstaatlicher Organisationen und Firmen hoch bleibt", sagte der Staatsekretär.

Auslöser für das Einschreiten des Justizministeriums ist der Vertrauensverlust durch Manipulationen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel". Der bisherige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte eingeräumt, Abstimmungen über das Lieblingsauto der Deutschen in den vergangenen Jahren verfälscht zu haben.

Nachdem die Tricksereien beim ADAC publik wurden, zweifelten Branchenkenner auch andere Tests des Clubs an - wie beispielsweise die Pannenstatistik. Eine ADAC-Sprecherin wies gegenüber SPIEGEL ONLINE darauf hin, dass die Berechnungsmethodik vom Statistik-Institut der Ludwig Maximilian Universität in München überprüft und nach ISO zertifiziert wurde. Das Thema ADAC steht am Mittwoch auch auf der Tagesordnung des Verbraucherausschusses des Bundestags.

Präsident flog mit dem Helikopter nach Hause

Seitdem der ADAC Manipulationen eingeräumt hat, kommen fast täglich neue Skandale an die Öffentlichkeit. Nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vom Dienstag ist Club-Präsident Peter Meyer mit einem ADAC-Hubschrauber nicht nur zu dienstlichen Terminen, sondern auch von einem Geschäftstermin nach Hause geflogen.

Ein ADAC-Sprecher in München betonte, der Flug sei nicht extra für Meyer disponiert worden: Der Hubschrauber sei ohnehin auf dem Rückweg zu seinem Standort in Bonn gewesen. "Herr Meyer ist auf diesem Weg in Essen ausgestiegen. Es ist kein Umweg gewesen." Ob Meyer in Essen auch dienstlich zu tun hatte oder nach Hause wollte, blieb zunächst offen. Der Hubschrauber hatte Meyer zuvor laut ADAC von einem Diensttermin in Hamburg zu einem anderen dienstlichen Termin in Wolfsburg gebracht.

mhu/dpa/AFP
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