ADAC-Manipulation Experte kritisiert auch Pannenstatistik

Nach Bekanntwerden der Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" geraten auch andere Methoden des ADAC ins Visier. Branchenkenner kritisieren vor allem das Vorgehen bei der Erhebung der sogenannten Pannenstatistik: Diese bilde nicht die Realität ab.
Pannenstatistik: Das Zuverlässigkeitsranking gerät ebenfalls in die Kritik

Pannenstatistik: Das Zuverlässigkeitsranking gerät ebenfalls in die Kritik

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Die Kritik am ADAC, dem größten Automobilclub Europas, reißt nicht ab. Nach dem Geständnis, beim renommierten Autopreis "Gelber Engel" manipuliert zu haben, fordern Branchenkenner wie der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer eine völlig neue Organisationsstruktur. "Es gibt keine Kontrolle beim ADAC. Man schottet sich ab", sagte Dudenhöffer am Montag im "Bayerischen Rundfunk" und warf dem Verein "Arroganz und Selbstherrlichkeit" vor. Es gebe Verflechtungen, die mit der Unabhängigkeit von einer Testorganisation nichts zu tun hätten, sagte er.

Bereits in der Vergangenheit hatte Dudenhöffer, Professor an der Universität in Duisburg-Essen, dem Club Intransparenz vorgeworfen. Der Autoexperte kritisierte unter anderem die Pannenstatistik des Automobilclubs als nicht objektiv.

Die Statistik, die der ADAC seit 1978 jährlich erstellt, bilde hinsichtlich der Anzahl der Ausfälle nicht die Realität ab, lautete sein Vorwurf. Grund dafür seien sogenannte Mobilitätsgarantien, welche die Autobauer ihren Kunden anbieten. Bei diesen Angeboten wählen Kunden dieser Marke im Falle einer Panne nicht die Nummer des ADAC, sondern die des markeneigenen Pannenservices. Dieser beauftragt aber oft genug auch die Gelben Engel des ADAC, der mit den Herstellern kooperiert.

Eine kaum zu durchschauende Organisation

Der Knackpunkt: Pannen, die vom ADAC im Rahmen dieser Mobilitätsgarantien bearbeitet werden, fließen nicht mit in die Pannenstatistik ein. In gewisser Weise erhalten die Hersteller dadurch die Möglichkeit, das prestigeträchtige Zuverlässigkeitsranking völlig legal zu frisieren. Aktuell arbeitet der ADAC unter anderem mit Opel, Peugeot, Ford, Honda, Jaguar/Land Rover, Kia, Mercedes, Nissan und Volvo zusammen. Dienstleister ist die ADAC Service GmbH.

"Was der ADAC macht, ist ein Balanceakt", sagt ein Unternehmensberater. Auf der einen Seite helfe der Autoclub den Mitgliedern bei einer Autopanne, auf der anderen unterstützt er die Autohersteller mit der Mobilitätsgarantie dabei, Zuverlässigkeit vorzutäuschen.

Nach Ansicht von Dudenhöffer sollte der ADAC genau deswegen in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen aufgeteilt werden. Zwar sieht die derzeitige Struktur des Automobilclubs diese Trennung de facto schon jetzt vor, aber die Organisation ist kaum noch zu durchschauen. Kosmetische Änderungen genügten nicht mehr, so Dudenhöffer, wenn der Club seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren wolle.

Am Beispiel der Pannenstatistik wird diese Vermischung zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Interessen besonders deutlich. Die Hilfe der Gelben Engel vor Ort ist eine Leistung des Vereins, der Mobilitätsservice gehört zu den Wirtschaftsleistungen. Mit diversen Wirtschaftsaktivitäten wie Versicherungen setzte der Automobilclub 2012 mehr als eine Milliarde Euro um. "Eine größere Transparenz beim ADAC wäre wünschenswert", sagte der Experte für gute Unternehmensführung, Professor Manuel René Theisen.

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