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"Gelber Engel": Der Preis der Macht

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"Gelber Engel" Manipulationsverdacht beim ADAC-Autopreis

Schwerer Vorwurf gegen den ADAC: Laut "Süddeutscher Zeitung" hat der Autoclub beim renommierten Branchenpreis "Gelber Engel" manipuliert. Die Zahl der abgegebenen Stimmen soll frisiert worden sein. Der ADAC bestreitet die Anschuldigungen.

München/Hamburg - Es gibt eine Zahl, die die Macht des ADAC eindrucksvoll belegt. Fast 19 Millionen Menschen sind Mitglied bei dem Automobilclub - kein Verein oder Verband in Deutschland kann da mithalten.

Die 19 Millionen werden jedes Jahr aufgerufen, ihr Lieblingsauto zu wählen. "Gelber Engel" heißt dieser Preis. Das Ergebnis der Umfrage ist in diesem Jahr unspektakulär, gewonnen hat der ewige Bestseller VW Golf. Weitaus interessanter sind die angeblichen Hintergründe der Abstimmung. Denn sollte sich bewahrheiten, was die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dann hat der mächtige ADAC ein massives Vertrauensproblem.

Die Zeitung beruft sich auf interne Unterlagen und Aussagen von Mitarbeitern des ADAC. Sie belegen angeblich, dass der Club in mehreren Fällen falsche Angaben zu den eingegangenen Stimmen zur Wahl des "Gelben Engel" gemacht hat. So habe der ADAC die offizielle Teilnehmerzahl im Jahr 2012 mit 290.000 Stimmen angegeben - tatsächlich seien es jedoch nur 76.000 gewesen. Und bei der aktuellen Auszeichnung haben laut einem ADAC-Papier für den Gewinner des "Gelben Engels" 34.299 Mitglieder votiert. Auch diese Zahl sei extrem aufgeblasen: Nur knapp 3409 Menschen, so die "SZ", hätten in Wahrheit für das Siegerauto gestimmt.

In einer offiziellen Stellungnahme weist der ADAC die Vorwürfe zurück. "Alle Preise, die der ADAC seit nunmehr 10 Jahren bei seiner großen Veranstaltung 'Gelber Engel' vergibt", teilt Christian Garrels, Leiter der Externen Kommunikation, mit, "beruhen auf sauberen, statistisch repräsentativen Auswertungen."

Laut Garrels macht der ADAC keine Angaben dazu, wie hoch die Beteiligung war. "Da gibt es keine Kontinuität", sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Automobilclub habe in den vergangenen Jahren manchmal Zahlen kommuniziert, manchmal aber auch nicht. "Dieses Jahr geben wir die Zahlen nicht bekannt."

"Er fühlt sich als Sonnengott und benimmt sich auch so"

In dem "SZ"-Bericht werden die seltsamen Vorgänge an einer bestimmten Person festgemacht: an Michael Ramstetter, dem Chefredakteur des ADAC-Mitgliedermagazins "Motorwelt" und Leiter der Kommunikationsabteilung des Automobilclubs. An sein Büro werden die eingegangenen Stimmen zum "Gelben Engel" weitergegeben - und dort vervielfachen sie sich laut "SZ" nach Angaben von ADAC-Mitarbeitern auf mysteriöse Weise.

Ramstetter leitet mit der "Motorwelt" eines der auflagenstärksten Magazine Europas - und er war es, der den Preis "Gelber Engel" ins Leben rief. Würde sich dabei nur eine verschwindend geringe Zahl der fast 19 Millionen ADAC-Mitglieder beteiligen, wäre die Veranstaltung kaum ernst zu nehmen. So aber hat VW-Chef Martin Winterkorn bereits angekündigt, die Auszeichnung für den Golf bei der Preisverleihung am 16. Januar in München persönlich entgegenzunehmen. Bislang habe keiner der Teilnehmer beim "Gelben Engel" abgesagt, so der ADAC.

So einflussreich Michael Ramstetter beim ADAC zu sein scheint, so umstritten ist er offenbar auch. Laut "SZ" beschweren sich 30 seiner Mitarbeiter in einem gemeinsamen Brief an den Betriebsrat und den Personaldirektor über den Führungsstil ihres Chefs. In dem Schreiben heißt es offenbar, es gebe "keine Vertrauensbasis" mehr, in Ramstetters Bereich herrsche eine "Problemsituation".

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bestätigte ein ehemaliger Automanager diese Charakterisierung Ramstetters: "Er fühlt sich als Sonnengott und benimmt sich auch so." Andere Meinungen als die eigene lasse er nicht gelten. Ramstetter wollte sich nicht zu den Anschuldigungen äußern.

Bei den ADAC-Beschäftigten herrscht jetzt große Verunsicherung. "Die Anschuldigungen wirken erdrückend", sagte ein Mitarbeiter des Automobilclubs, der anonym bleiben möchte, SPIEGEL ONLINE. "Die Vorwürfe müssen geklärt werden. Der Betroffene muss sich erklären." Erhärten sich die Beschuldigungen, müsse der ADAC die notwendigen Konsequenzen ziehen.

mhu/cst
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