Reform nach Skandalen ADAC will Kommerz zurückfahren

Der ADAC gibt sich schuldbewusst: Bei der Hauptversammlung des Automobilclubs gelobt Interimschef Markl Besserung. So soll eine Plattform für anonyme Tippgeber künftig Skandale verhindern. Kritiker sprechen von reinen Schönheitsreparaturen.
Angeschlagene Funktionärsriege: Das Präsidium des ADAC

Angeschlagene Funktionärsriege: Das Präsidium des ADAC

Foto: Oliver Dietze/ dpa

Saarbrücken - Der krisengeschüttelte ADAC verspricht, die Interessen seiner fast 19 Millionen Mitglieder künftig wieder stärker über seine Wirtschaftsinteressen zu stellen. Unternehmerische Betätigung werde zwar auch in Zukunft nötig sein, um die "Qualität der Mitgliederleistungen" aufrechtzuerhalten, sagte ADAC-Chef August Markl am Samstag bei der ADAC-Hauptversammlung in Saarbrücken. Die wirtschaftlichen Ziele würden aber auf ein "sinnvolles Maß" zurückgeführt.

"Mitgliederorientierung kommt beim ADAC klar vor wirtschaftlicher Orientierung", sagte Markl. Das war nicht immer so. Seit Jahresbeginn war der ADAC in gleich mehrere Skandale verwickelt, die das Image des Automobilclubs gehörig angekratzt haben. Unter anderem waren Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekannt geworden. Zudem sollen die Pannenhelfer des ADAC systematisch bestimmte Automarken bevorzugen.

Es sei schnell klar geworden, "dass sich im ADAC in den Jahren des stürmischen Wachstums Schwächen und Defizite eingeschlichen hatten", sagte Markl am Samstag.

Mit solchen Skandalen soll jetzt Schluss sein. Bei der Hauptversammlung beraten deshalb die Spitzen der 18 ADAC-Regionalclubs über die geplanten Reformen. Unter dem Motto "Reform für Vertrauen" sollen bis zum Spätherbst konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. Bisher gibt es nicht mehr als an vielen Stellen schwammige Pläne.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisierte die Vorhaben am Samstag denn auch als reine Schönheitskorrekturen. "Die Zukunft sieht nach einem 'Facegelifteten ADAC' aus und nicht nach einem Neuanfang", erklärte der Fachmann von der Uni-Duisburg-Essen. Er forderte "eine grundlegende Neuausrichtung, bei der alle Unternehmensaktivitäten - auch die Pannenhilfe - in ein richtiges Unternehmen überführt werden und der Verein als echter Verein sich neu erfindet".

Der ADAC verschob am Samstag den personellen Neuanfang. Markl solle den Reformprozess zunächst zu Ende führen und dazu Präsident bleiben. Frühstens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich Anfang Dezember stattfinden werde, spätestens aber im Mai 2015 auf der planmäßigen Tagung des Gremiums in Bochum solle der Führungsposten neu besetzt werden.

"Es ist eine Schande, nicht wieder aufzustehen"

Der frühere Vizepräsident Markl war kommissarisch eingesetzt worden, nachdem Präsident Peter Meyer im Zuge des Skandals Mitte Februar zurückgetreten war. Eigentlich hatte auch Markl schnell wieder abtreten und Platz für ein "neues Gesicht" machen wollen. Nun bleibt er wohl doch etwas länger als geplant.

Die konkreteste der angekündigten Reformen ist ein neues System, mit dem mögliche Verstöße schneller entdeckt werden sollen. Im Internet sollen Tippgeber anonym auf Unregelmäßigkeiten hinweisen können. Die Meldungen werden allerdings nicht vom Autofahrerclub selbst verarbeitet, sondern gehen an eine externe Anwaltskanzlei, um die Unabhängigkeit der Überwachung zu gewährleisten. Vergleichbare Systeme gibt es auch bei großen Unternehmen.

Zu Beginn der Tagung hatte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) den Club zur Erneuerung aufgerufen. Vertrauen sei das wichtigste Kapital des Autoclubs gewesen. "Das müssen Sie zurückgewinnen." Auch Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) hatte einen Tipp für den ADAC parat: "Ich habe als Kind gelernt: Es ist keine Schande, hinzufallen. Es ist eine Schande, nicht wieder aufzustehen."

stk/dpa/AFP
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