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ADAC-Kindersitztest: Teuer ist nicht gleich besser

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ADAC testet Kindersitze Restrisiko Mensch

Bei den Wahl eines Kindersitzes kann man eigentlich nicht mehr viel falsch machen. Das hat ein Test von ADAC, Stiftung Warentest und anderen Organisationen ergeben. Kein Modell ist dabei durchgefallen - trotzdem kann es für die Kleinen gefährlich werden.

München/Berlin - "Der beste Kindersitz nützt nichts, wenn sich die Eltern für den Einbau ins Auto nicht genügend Zeit nehmen oder ihre Kinder zu locker anschnallen", sagt Andreas Ratzek, Projektleiter beim ADAC. Solche typischen Bedienfehler könnten für die Kleinen bei einem Unfall lebensgefährlich sein - so lautet das Fazit des Kindersitztests 2013.

Von den insgesamt 27 getesteten Kindersitzen aus allen Gewichts- und Preisklassen (99 bis 448 Euro) konnte gut die Hälfte die Tester überzeugen: 2 bekamen die Note "Sehr gut", 12 ein "Gut" - wobei ein hoher Preis kein Garant für Qualität ist. Von den schlechter bewerteten Sitzen schnitten 9 mit "Befriedigend" ab. "Ausreichend" gab es für 4 Modelle: Bei einer Babyschale ist nach Erkenntnissen der Tester der Gurt zu lang, um ein Neugeborenes damit sichern zu können. Bei anderen Sitzen trüben die komplizierte Handhabung oder die nur "ausreichende" Unfallsicherheit das Gesamtergebnis.

Detaillierte Testergebnisse finden Sie hier. 

Eine Schwachstelle aller Kindersitze bleibt der Mensch: "Ein guter Sitz, der falsch eingebaut wird, bringt nicht viel", warnt auch Henry Görlitz, Projektleiter bei der Stiftung Warentest. Eltern sollten sich stets genügend Zeit für die sorgfältige Montage im Auto nehmen. "Da darf nichts wackeln." Schon bei der Anschaffung sei darauf zu achten, dass das Modell zu Kind und Auto passt. Görlitz und Ratzek raten, Kindersitze vor dem Kauf im eigenen Wagen testweise einzubauen und das Kind Probe sitzen zu lassen.

Viele Kinder sind nicht richtig angeschnallt

"Beim Anschnallen wollen es Eltern oft gut mit ihrem Nachwuchs meinen und lassen den Sicherheitsgurt locker - und machen damit einen schwerwiegenden Fehler", warnt Ratzek. "Der Gurt muss so stramm sein, dass gerade noch eine flache Hand dazwischen passt. Je nachdem, wie dick das Kind angezogen ist, kann die Einstellung von der letzten Fahrt schon nicht mehr passen und der Gurt muss nachjustiert werden." Sitzt der Gurt zu locker, gibt er dem Kind bei einem Unfall nicht genügend Halt: Es wird durch die Wucht des Aufpralls in den Gurt katapultiert und kann sich dabei zum Beispiel an Bauch oder Hals lebensgefährlich verletzen.

Eine neue Regelung soll dafür sorgen, dass die Kindersitze in Zukunft noch sicherer werden. Voraussichtlich zum 9. Juli treten Vorgaben in Kraft, wonach die Sitze unter anderem einem Seitenaufpralltest unterzogen werden müssen, wie der ADAC mitteilte. "Damit werden unsere Forderungen umgesetzt", sagte der ADAC-Verkehrsexperte Alexandro Melus. Bisher werden die Sitze lediglich auf einen Frontalcrash getestet.

Nach ADAC-Angaben verunglücken in Deutschland jährlich mehr als 10.000 Kinder als Pkw-Mitfahrer. Auch 20 Jahre nach der Einführung der Kindersicherungspflicht im Auto seien viele Kinder nicht richtig angeschnallt. Das hätten Stichproben vor Kindergärten und Schulen gezeigt.

rom/dpa
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