Neues ADAC-Präsidium Der Männerklub

Der ADAC hat sich an der Rennstrecke Nürburgring getroffen, um ein neues Präsidium zu wählen. Mit den süffisanten Reaktionen in den sozialen Medien hat der Verein offenbar nicht gerechnet.

Das Präsidium des ADAC bei der Hauptversammlung
Hojabr Riahi/ ADAC

Das Präsidium des ADAC bei der Hauptversammlung


Als der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) vor Kurzem eine Werbekampagne der Deutschen Bahn kritisierte, war die Empörung in Deutschland groß. Zu sehen waren auf den Fotos der Kampagne überwiegend Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben. Palmer fragte: "Welche Gesellschaft soll das abbilden?" Und bekam Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei.

Dieselbe Frage stellen sich nun einige User süffisant auf Twitter. Anlass ist ein Bild des Präsidiums des ADAC. Zu sehen sind darauf acht weiße Männer in Anzügen. Keine Frau.

"Es muss wieder cool und hip sein, Mitglied im ADAC zu sein"

Der ADAC hatte sich an der Rennstrecke Nürburgring getroffen, um eine neue Führung zu bestimmen. Der in seinem Amt bestätigte Vizepräsident für Finanzen, Jens Kuhfuß, verwies auf steigende Mitgliederzahlen. Ein Viertel der deutschen Bevölkerung sei heute Mitglied. Der Klub müsse aber auch die junge Generation in den Blick nehmen: "Es muss wieder cool und hip sein, Mitglied im ADAC zu sein."

Mit diesem Bild dürfte der Klub nun das Gegenteil erreichen. Auf Twitter spotteten User und fragten: "Wo sind die Frauen?". Ulf Poschardt, Chefredakteur der "Welt" erinnerte an zwei weibliche Rallye-Legenden. Die Französin Michèle Mouton schaffte als erste Frau den Gesamtsieg bei einem Rallye-Weltmeisterschaftslauf. Die Deutsche Heidi Hetzer war eine der wenigen Frauen, die im Motorsport als Unternehmerin und Rallyefahrerin Erfolg hatten. Sie gewann mehr als 150 Preise.

Nur jede dritte Führungskraft ist eine Frau

Das Foto der ADAC-Chefriege bildet allerdings eine traurige deutsche Realität ab. Zwar sind mehr als 50 Prozent der deutschen Gesellschaft Frauen. Dennoch sind sie auffallend selten in den Führungsetagen deutscher Unternehmen zu finden: Nur knapp jede dritte Führungskraft in Deutschland ist weiblich.

Zuletzt hatte das Immobilienunternehmen Engel & Völkers mit einem Foto Empörung ausgelöst. "Der Vorstand spricht über weibliche Vorbilder" hieß es unter einem Foto, das fünf weiße Männer in Anzügen zeigte.

Auch in der Politik wird darüber diskutiert, wie man Frauen stärker in Führungspositionen bringen kann: Der Frauenanteil im Bundestag ist so niedrig wie zuletzt vor 20 Jahren. Eine Möglichkeit sind etwa Quoten oder ein Paritätsgesetz, wie es zum Beispiel die SPD durchsetzen will.

mfh

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