Abzock-Vorwurf ADAC-Pannenhelfer kassieren Bonus für Autobatterien

Jetzt stehen auch die ADAC-Pannenhelfer unter Verdacht: Sie erhalten für jede verkaufte Autobatterie eine Provision. Der Autoclub setzt seine Mitarbeiter offenbar unter Verkaufsdruck.
Starthilfe: Gelbe Engel erhalten Provision beim Batterienverkauf

Starthilfe: Gelbe Engel erhalten Provision beim Batterienverkauf

Foto: Jens Wolf/ picture-alliance/ dpa

Der Skandal des ADAC dehnt sich nun auch auf die beliebten Pannenhelfer aus. Offenbar spornt Europas größter Autoclub seine Gelben Engel zum Verkauf von Autobatterien an. Nach Recherchen des NDR-Magazins "Panorama" und der"Süddeutschen Zeitung"  zahlt der ADAC seinen Mitarbeitern bei der Straßenwacht für den Wechsel von defekten oder leeren Batterien eine Prämie.

Dieser Bonus macht nach Angaben des Autoclubs einen mittleren einstelligen Prozentsatz des Gesamtgehaltes aus. Die mit dem ADAC-Logo gekennzeichneten Batterien bezieht der ADAC von der Firma Varta. Herkömmliche Autobatterien kosten je nach Leistung zwischen 50 und 150 Euro. Die vom ADAC verwendeten Batterien liegen zwischen 109 und 209 Euro. "Diese hochwertige Batterie ist im freien Markt nicht erhältlich", sagte eine ADAC-Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Damit vermengt der ADAC wirtschaftliche Interessen mit denen der Pannenhilfe. "Provisionssysteme schaffen immer einen Anreiz, um ein bestimmtes Produkt zu verkaufen. Wenn die Gelben Engel nach bestem Wissen und Gewissen handeln, dann stellt sich mir die Frage, wieso es ein Provisionssystem gibt", sagte der Marketing-Experte von der Universität Lüneburg, Professor Jürgen Lürssen dem NDR.

Pannenhelfer klagen über enormen Verkaufsdruck

Laut Pannenstatistik gab es im Jahr 2012 685.751 Fälle, in denen Autofahrer mit Batterie-Problemen liegenblieben sind. Jedem vierten Fahrer verkaufte der ADAC nach eigenen Angaben eine neue Batterie. In der Summe waren es im Jahr 2012 rund 165.000 Autobatterien. Über seinen Umsatz in diesem Geschäftszweig machte der Autoclub keine Angaben.

Der ADAC teilt auf Nachfrage mit, dass vor jedem Tausch die Batterie geprüft und dem Autofahrer ein Messprotokoll übergeben werde. Damit solle ausgeschlossen werden, dass Batterien zu Unrecht ausgetauscht würden. Bei Stichproben des NDR-Magazins "Panorama" wurden diese Messprotokolle offenbar jedoch nicht immer angefertigt.

Pannenhelfer, die nicht namentlich genannt werden wollen, berichten dem NDR über internen Druck, Batterien zu verkaufen. So sei die Anzahl der jeweils ausgetauschten Batterien auch Thema in den Mitarbeitergesprächen. Auf Nachfrage bestätigte der ADAC, dass der Batterie-Service Bestandteil der Mitarbeitergespräche sei - als "wesentliches Merkmal erfolgreicher Pannenhilfe vor Ort".

mhu
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