Umfrage des Radfahrerclubs Karlsruhe ist die fahrradfreundlichste Stadt

Laut Umfrage des Radfahrerclubs ADFC löst Karlsruhe jetzt Münster als Fahrradhauptstadt ab - und das aus guten Gründen. Bundesweit ist der Frust der Radler gewachsen, obwohl Millionen in Radwege fließen.

Sascha Steinach / imago images

Karlsruhe hat Münster als fahrradfreundlichste deutsche Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern abgelöst. Das ist ein Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests, den der Verkehrsclub alle zwei Jahre veröffentlicht. Demnach bekommt Karlsruhe die Gesamtnote 3,15 (Vorjahr: 3,09).

Besonders gut bewerteten Radfahrer in Karlsruhe Einbahnstraßen, die für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet sind (Note 1,9) sowie die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,0). Zudem sehen die befragten Karlsruher weniger Probleme mit Fahrraddiebstählen als zuvor (Note 4,2 nach 4,4).

Fotostrecke

15  Bilder
Ranking: So schneiden Deutschlands Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern im Fahrrad-Index ab

Münster hingegen setzt den Abwärtstrend fort und verschlechtert sich in der Gesamtnote von 3,07 auf 3,25. Die Umfrageteilnehmer bemängeln vor allem schlechte Radwegführungen an Baustellen und zu wenig Kontrollen von Falschparkern.

Für ganz Deutschland hat der ADFC festgestellt, dass Radfahrer weniger Freude am Fahren haben und sich im Straßenverkehr nicht sicher fühlen. So ist die Zufriedenheit beim Radfahren auf die Note 3,9 zurückgegangen. Vor zwei Jahren wurde das Fahrradklima von den Befragten noch mit der Note 3,8 bewertet, 2014 gab es die Note 3,7. "Der Spaß am Radfahren nimmt kontinuierlich ab", sagte ADFC-Bundesvorstand Rebecca Peters.

Bei einigen Fragen sahen Radfahrer aus den Großstädten bundesweit nahezu identische Probleme. Folgende Themen sorgten für viel Unmut:

  • Falschparker auf Radwegen (Durchschnittsnote von 5,17 bei einer Skala von 1 bis 6)
  • Zu schmale Radwege (Note 4,86)
  • Die Verkehrsführung an Baustellen (4,83)
  • Sowie die offensichtliche Benachteiligung von Radfahrern bei Ampelschaltungen (4,80).

Teil des Fahrradklima-Tests ist auch eine Rangliste der Städte mit der besten Gesamtwertung. Folgende Städte lagen in den jeweiligen Kategorien vorne:

  • Bremen (Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern) - Note: 3,55
  • Karlsruhe (200.000 bis 500.000 Einwohner) - Note: 3,15
  • Göttingen (100.000 bis 200.000) - Note: 3,35
  • Bocholt (50.000 bis 100.000) - Note: 2,39
  • Baunatal (20.000 bis 50.000) - Note: 2,67
  • Reken (weniger als 20.000) - Note: 1,97

Neben der besten Gesamtbewertung zeichnet der ADFC auch die beste Entwicklung unter den Städten in den jeweiligen Kategorien aus. Besonders verbessert haben sich die Bedingungen für Radfahrer demnach in diesen Städten:

  • Berlin
  • Wiesbaden
  • Offenbach am Main
  • Konstanz
  • Emmendingen
  • Oschatz

Insgesamt wurden für den Fahrradklima-Test etwa 170.000 Radfahrer in ganz Deutschland befragt. Auch wenn diese Zahl hoch erscheint - es handelt sich um keine repräsentative Umfrage, bei der Befragte etwa nach Altersstruktur, sozialer Schicht oder Radnutzungsverhalten ausgewählt wurden. Der ADFC rekrutierte die Teilnehmer direkt und über Hinweise in der Presse oder auf Portalen wie Facebook.

Verzerrungen in der Rangliste möglich

Verzerrungen sind kaum auszuschließen. Zum Beispiel könnten vor allem solche Radfahrer an der Umfrage teilgenommen haben, die besonders unzufrieden mit den Zuständen ihrer Stadt sind. Das Ranking erscheint aber zumindest unter den Großstädten ab 200.000 Einwohnern plausibel, da dort eine größere Anzahl an Radfahrern teilgenommen hat.

Allerdings schneidet etwa Berlin trotz der besten Entwicklung seit 2016 mit einem 12. Platz vergleichsweise schlecht ab. Hier könnte auch die im Vergleich zur Radfahrerzahl der Stadt geringe Zahl der Umfrageteilnehmer eine Rolle gespielt haben. Womöglich haben in Berlin vor allem kritische Radfahrer an der Umfrage teilgenommen und so für eine schlechte Platzierung der Stadt gesorgt.

hda/ene



insgesamt 129 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rilepho 09.04.2019
1. Kein Kunstwerk,
nachdem keine einzige größere Steigung vorhanden ist. Überhaupt nicht vergleichbar mit z. B. Stuttgart!
biaobiao 09.04.2019
2. Womöglich ist alles möglich
aber wozu wird hier frei von Argumenten und Fakten an einem plausiblen Umfrageergebnis herumgezweifelt?
foje1 09.04.2019
3. Eigene Mitschuld
Zumindestens in Hamburg ist der ADFC sehr intensiv in die Verkehrsplanung eingebunden gewesen. Nach meinem Eindruck ist hier immer der Focus auf schnelles vorankommen gelegt worden. Die Sicherheit und Rücksicht auf langsamere Verkehrsteilnehmer ist hintenan gestellt gewesen. Gerade Kinder und ältere Menschen auf die Autofahrstreifen zu schicken ist aber unverantwortlich, dass sich nun viele Radfahrer unsicher fühlen ist nachvollziehbar. Die Standardantwort des ADFC ist immer dieselbe: schränkt den Autoverkehr ein... Ich sehe im ADFC, der im wesentlichen sportliche junge (männliche) Radfahrer vertritt den Hauptschuldigen der Situation.
thkrempel 09.04.2019
4. Und warum?
Weil hier bei Vielen komplette Ignoranz der Verkehrsregeln besteht! Einbahnstraßen, nicht die, in denen das gegenläufige Befahren für Fahrradfahrer erlaubt ist, werden vielfach ignoriert! Und als Autofahrer hat man immer "Teilschuld". Man muss ja mit allem rechnen als "stärkerer" Verkehrsteilnehmer... Vor vielen Jahren sagte mir ein Polizist resigniert: "Es macht keinen Sinn, diese Vergehen zu verfolgen. Wie, glauben Sie, kommen denn die Richter zum Gericht gefahren?" Lasst uns weiter eine fahrradfreundliche Stadt sein! Hoffentlich passiert nichts -
www-professor 09.04.2019
5. Verzerrungen?
"Verzerrungen sind kaum auszuschließen. Zum Beispiel könnten vor allem solche Radfahrer an der Umfrage teilgenommen haben, die besonders unzufrieden mit dem den Zuständen ihrer Stadt sind" Ja, vielleicht. Vielleicht haben auch besonders viele Politiker (und Autolobbyisten) mitgemacht und das Ergebnis geschönt? Denn ein Ausreichend für die Möglichkeiten zum Radfahren hat eigentlich seltenst eine Stadt verdient!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.