Dieselautos Dobrindt wirft Fiat Abgasbetrug vor

Der Autokonzern Fiat-Chrysler-Automobiles schönt laut der Bundesregierung bei mindestens drei Modellen die Abgaswerte. Verkehrsminister Dobrindt geht auf Konfrontationskurs mit italienischen Behörden.

Fiat 500x
Fiat

Fiat 500x


Im Abgasstreit mit Fiat-Chrysler-Automobiles (FCA) erhebt das Bundesverkehrsministerium von Alexander Dobrindt neue Vorwürfe. Laut Testergebnissen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) soll der italienisch-amerikanische Autobauer unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet haben.

Einen ersten Verdacht hatte das KBA bereits im Mai bei einem Fiat 500X geäußert. Daraufhin habe das KBA im Auftrag des Ministeriums vier weitere Fahrzeuge von Fiat-Chrysler untersucht. Dazu zählten erneut zwei Fiat 500X, ein Fiat Doblo und der Geländewagen Jeep Renegade. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass bei allen überprüften Fahrzeugen ein qualitativ ähnliches Verhalten beim Anstieg von Stickoxidemissionen vorliege.

Bei den Prüfungen war festgestellt worden, dass die Abgasreinigung bei den Fahrzeugen jeweils nach 22 Minuten vollständig abschalte. Gerade rechtzeitig, um die Untersuchung beim offiziellen Testzyklus zu bestehen - denn der dauert 20 Minuten.

"Diese Ansicht kann Deutschland nicht teilen"

Die für die Zulassung der Fiat-Modelle zuständigen Behörden in Italien verteidigten die Genehmigung der Fahrzeuge damit, dass die Abschalteinrichtung aus Gründen des Motorschutzes verwendet werde. "Diese Ansicht (…...) kann Deutschland nicht teilen", heißt es in einem nun bekanntgewordenen Schreiben des Bundesverkehrsministeriums an die EU-Kommission, über das das Magazin "Wirtschaftswoche" zuerst berichtet hat. Der Brief datiere von Ende August und sei auch an das italienische Verkehrsministerium verschickt worden.

Der "Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung" sei damit erbracht, heißt es in dem Schreiben weiter. Nach Volkswagen wäre damit ein zweiter Autohersteller der Verwendung einer Manipulationssoftware überführt, die dafür sorgt, dass die Abgasgrenzwerte im Testzyklus eingehalten werden und einen vielfach höheren Schadstoffausstoß im normalen Verkehr auf der Straße verschleiern.

Das Kraftfahrtbundesamt hatte im Zuge der Abgasaffäre um VW im vergangenen Jahr Dieselautos mehrerer Hersteller auf ihren Schadstoffausstoß hin untersucht. Dabei waren unter anderem bei Fahrzeugen von Mercedes und Opel erhöhte Stickoxid-Werte festgestellt worden. Die Hersteller argumentierten mit sogenannten Thermofenstern: Die Abgasreinigung ist dabei so eingestellt, dass sie erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeitet - häufig erst oberhalb von zehn Grad. Eine fragwürdige Begründung, nach den EU-Richtlinien aber unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Die Autoindustrie vertritt die Auffassung, die Abschaltung bei tieferen Temperaturen diene dem Schutz der Motoren.

Hersteller brüskierte Verkehrsministerium

Opel, Mercedes und Porsche riefen als Konsequenz dieser Untersuchungen insgesamt 630.000 Autos für Nachbesserungsarbeiten an der Abgasbehandlung zurück. Opel hatte zudem Veränderungen an der Abgasreinigung seines Modells Zafira zugesagt, das Ende des Jahres auf den Markt kommt - jedoch erst, nachdem ein IT-Spezialist bei gemeinsamen Recherchen des SPIEGEL, des ARD-Magazins "Monitor" und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eine unzulässige Abschaltvorrichtung in einer Motorsoftware nachwies.

Im aktuellen Fall war weder vom deutschen noch vom italienischen Verkehrsministerium zunächst eine Stellungnahme zu erhalten. Fiat lehnte einen Kommentar ab.

Der Konzern hatte das Verkehrsministerium im Mai brüskiert, indem er einen Termin bei Dobrindt platzen ließ. Bei dem Treffen sollte der Hersteller Stellung zu den Vorwürfen beziehen. In einem Anwaltsschreiben an das deutsche Ministerium hatte Fiat jedoch mitgeteilt, allein italienische Behörden seien für die Frage zuständig, ob Fiat-Fahrzeuge die europarechtlichen Abgasvorschriften einhalten.

cst/Reuters



insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
tempus fugit 01.09.2016
1. Dieser ....
...skurile VK-Minister sollte erstmal vor seiner eigenen Tür kehren - seit einem Jahr ist der Betrug bekannt - aber eine klare oder besser gar keine - Linie ist zu erkennen. Na ja, in 1 Jahr ist der auch auf dem Vekehrsmist gelandet...
andrestich 01.09.2016
2. Dobrindt
Ist es meiner Meinung nach nicht einmal mehr wert, über ihn zu lästern
roborabbit 01.09.2016
3. weg mit Benzin motoren
Alter mist ,sollte verboten werden, und das wir alle mehr Schadstoffe eingeatmet haben steht auch noch im Raum , von diesen skandalen
Leser161 01.09.2016
4. Sehr gut
Gleiches Recht für alle. Wenn der Verdacht besteht das auch andere Konzerne betrogen haben müssen auch die belangt werden. Einen Sündenbock gefunden zu haben und jetzt auf allein auf dem rumzureiten ist ein bisschen arm. (Nicht das VW das nicht nicht Stück-für-Stück verdient hätte, aber gleiches recht für alle) Herr Dobrindt macht meines Erachtens einen guten Job.
omop 01.09.2016
5. Wen juckt die Abgasaffäre?
Ein Popanz, der von den Amis aufgebaut wurde, um VW Milliarden an Strafzahlungen abzuringen. Wir haben wichtigere Probleme..
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