Alien-Monster-Focus Es war einmal ein braver Ford

Für TÜV-Mitarbeiter muss der Stand 701 auf der Essen Motor Show ein Alptraum sein. Denn dort steht ein "böses" Auto, wie seine beiden Erbauer bereitwillig einräumen. In nächtelanger Arbeit haben sie einen braven Ford in einen "Alien-Monster-Focus" verwandelt.

Giftgrün ist der Wagen lackiert, der Lack sieht schuppig aus wie bei einem Reptil. Unterm Wagen glimmen grünliche Leuchtdioden, drinnen werfen Neonstäbe ein kaltes Licht in die Monsterhöhle, die früher mal ein Innenraum war. Jetzt ist, bis auf die Leseleuchte, wie die nach eigenen Angaben autobesessenen Christian Erdelyi und Jochen Kehm-Britsch erklären, alles neu. Fahrer und Beifahrer verschwinden fast in extremen Vollschalensitzen mit dreidimensional eingearbeiteten Alien-Figuren. Die Türinnenverkleidungen sehen aus wie die Schulterpartie eines Monsters, und vom Handschuhfach quer übers Armaturenbrett bis vors Lenkrad ragt ein Arm mit einer vierfingrigen Monsterklaue, die übers Cockpit kratzt.

Ein Auto als Gruselkabinett. Oder als Einzelstück für Liebhaber bizarrer Skulpturen. Wo früher Rücksitze und Kofferraum waren, haben die Tuner eine Schatzkisten-große Musikanlage von Rockford Fosgate/Lightning Audio installiert. "Das Ding hat 14.000 Watt", sagt Chefmechaniker Kehm-Britsch. Die Beschallung, ergänzt Erdelyi, sorge für ein "unvergängliches Erlebnis", weil sie eben nicht nur laut, sondern auch gigantisch im Klang sei.

Fotostrecke

Alien-Monster-Focus: Es war einmal ein braver Ford

Foto: Jürgen Pander

Ähnlich monströs ist auch das Gerät unter der Motorhaube. Dort steckt ein Zwei-Liter-6-Ventil-Motor, wie ihn Ford ab Werk dem Modell Focus ST spendiert. Doch für Kehm-Britsch war diese Maschine nur die Grundzutat. Dann ging es los: Der Hubraum wurde auf 2,2 Liter aufgebohrt, Aluschmiedekolben wurden eingesetzt, dazu verstellbare Nockenwellenräder, eine veränderte Kurbelwelle, verstärkte Titanpleuel und schließlich noch eine Lachgasanlage installiert. "Zirka 400 PS", antwortet Kehm-Britsch, wenn er nach der Leistung des Motors gefragt wird. "Mit Lachgas sind es dann etwa 500 PS." Und noch fehlt der Kompressor der Firma Jackson Racing. Das bestellte Teil kam nicht rechtzeitg vor Messebeginn in Büttelborn an.

Dort sitzt die Firma Xtreme-Parts, deren Geschäftsführer Erdelyi mit Tuning-Teilen aller Art handelt. Und der gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Kehm-Britsch den Alien-Monster-Focus erdachte, um Aufmerksamkeit zu erregen und allen Auto-Normalfahrern mal zu zeigen, "was eigentlich alles möglich ist". Gewindefahrwerk zum Beispiel mit 17-Zoll-Monoblock-Felgen, Rennfächerkrümmer oder eine Sportauspuffanlage - eine Sonderanfertigung für dieses Auto übrigens.

Das Auto ist unverkäuflich, lautet die Auskunft, wenn man danach fragt. Andererseits: "So ab 100.000 Euro", sagt Erdelyi, "würden wir wohl schwach werden." Kollege Kehm-Britsch ergänzt: "Wenn einer den Wagen wirklich will, muss er mindestens das bezahlen, was wir an Geld reingesteckt haben."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.