Alpen-Übergänge Das könnte passen

Pässe zu fahren ist ein besonderes Erlebnis. Da jede der atemberaubenden Straßen einen unterschiedlichen Charakter hat, empfiehlt sich vor der Fahrt in die Höhe eine Passkontrolle. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl der attraktivsten Passstraßen der Alpen.
Von Kati Borngräber

Der Abwechslungsreiche

Für Unentschlossene, die sich bis zur letzten Minute noch alle Möglichkeiten offen halten möchten, bietet der schweizerische Furkapass (Scheitelhöhe 2436 Meter) eine abwechslungsreiche Reiseroute. Aus Deutschland kommend kann man sich in Realp zwischen drei Möglichkeiten der Weiterfahrt entscheiden: im Auto den Pass überqueren, den Wagen auf die Furka-Oberalpbahn verladen lassen und damit die Reise bis nach Oberwald fortsetzen oder das Fahrzeug "parkieren", wie die Schweizer sagen, und ganz nostalgisch mit der Furka-Dampfbahn nach Gletsch und von dort aus im gelben Post-Omnibus nach Oberwald oder über den Grimselpass nach Meiringen fahren. Retour geht es ebenfalls mit Bus oder Bahn.

Außerdem bildet der Furkapass den Mittelpunkt der "Großen-Pässe-Acht", die von den Pässen Susten, Grimsel, Furka, Nufenen und Gotthard, gebildet wird und - ihrem Namen entsprechend - in Form einer Acht befahren werden kann.

Der Schwindelerregende

Kurven, Kurven, Kurven - das Stilfser Joch (Passo Stelvio) in Italien ist praktisch eine einzige Kurve. Bei mehr als 80 Kehren ist Langeweile am Lenkrad absolut ausgeschlossen. Die Passstraße ist 49 Kilometer lang und der Pass mit 2758 Metern der höchste der Ostalpen. Besonders beliebt ist die Slalomstrecke mit bis zu zwölf Prozent Steigung bei Motorradfahrern, die, wenn sie in Gruppen unterwegs sind, Pkw-Fahrern manchmal das Überholen schwer machen. Trotzdem bietet die Route Fahrgenuss vom Feinsten für alle, die nach einer Herausforderung für sich und ihr Auto suchen.

Der Gemütliche

"Locker bleiben" ist das Motto auf der Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich. Die 48 Kilometer lange Strecke wurde eigens für den Autoverkehr geplant und gebaut. Dementsprechend ermöglicht die Strecke einen entspannten Fahrstil. Die Kurven sind eher weitläufig, was es auch dem Fahrer erlaubt, den ein oder anderen Blick aus dem Fenster in die majestätische Bergwelt zu werfen. Für einen Ausflug bietet sich ein Abstecher zum Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an. Dort kann man in Gesellschaft von Murmeltieren den Blick auf den größten Gletscher der Ostalpen, die Pasterze, und den höchsten Berg Österreichs, den Großglockner, genießen.

Der Wanderbare

Der Natur auf der Spur sind Autofahrer auf der knapp zwölf Kilometer langen Timmelsjochstraße, die von Nord- nach Südtirol (oder umgekehrt) führt. Die Route garantiert Fahrspaß auf lang gezogenen Kehren an steilen Berghängen. Atemberaubende Ausblicke verlocken zum häufigen Pausieren, vor allem im Passeiertal. Am Streckenrand befinden sich zahlreiche Wanderwege, von denen aus die Natur der Ötztaler Berge erkundet werden kann. Das Timmelsjoch (Italienisch: Passo del Rombo) ist mit 2509 Metern die höchste befahrbare Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien.

Der Aussichtsreiche

Gipfelstürmer fahren am besten auf den Col de la Bonette in den französischen Seealpen. Von der Passhöhe aus führt eine zirka zwei Kilometer lange Ringstraße, die sich bis auf 2802 Meter schraubt (Europarekord), zu einem Parkplatz. Von hier aus zum 2862 Meter hohen Gipfel Cime de la Bonette sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß. Viele halten diese Strecke für den höchsten Alpenpass, was aber umstritten ist, da die sogenannte Bonetteschleife streng genommen nicht als Pass gilt, sondern eben nur als Ringstraße. Über eines kann man sich allerdings nicht streiten: Von dort oben bietet sich eine exquisite Aussicht auf die Südwest-Alpen.

Der Furchteinflößende

Herzrasen könnte bei der Fahrt über den 77 Kilometer langen Col de l'Iseran gelegentlich aufkommen. Die Strecke im französischen Val d'Isere erreicht an ihrem höchsten Punkt 2770 Meter und gilt daher für viele als der wahrhaft höchste Alpenpass (siehe Col de la Bonette). Auf der Tour passiert man einige abenteuerliche Felswände und spektakuläre Abgründe. Die Strecke, die an ihren steilsten Rampen bis zu elf Prozent Steigung aufweist, ist also nichts für zart besaitete Gemüter.

Der Feuchtfröhliche

Parkplatz mit Ausblick beschreibt wohl am besten, warum jährlich bis zu 400.000 Besucher mit Hilfe unterschiedlichster Verkehrsmittel die österreichische Silvretta-Hochalpenstraße bis hinauf zur Bielerhöhe auf 2032 Meter bezwingen. Dort kann man nicht nur sein Auto abstellen, sondern vor allem den phantastischen Blick auf den Silvretta-Stausee genießen. Und auch für einen abwechslungsreichen Aufenthalt ist gesorgt: In zwei Stunden lässt sich der See bequem umwandern. Wer nicht gehen mag, kann das Gewässer auch mit dem einzigen Motorbootverkehr Europas in über 2000 Meter Höhe befahren.

Der Altertümliche

Schon die alten Römer überquerten vermutlich den Splügenpass (Passo dello Spluga), der heute die schweizerisch-italienische Grenze darstellt. Seit der Eröffnung des San-Bernadino-Tunnels hat die 2113 Meter hohe und 38 Kilometer lange Passstraße zwischen Splügen und Chiavenna als Transitstrecke allerdings an Bedeutung verloren. Das schränkt den Fahrspaß aber keineswegs ein, im Gegenteil: Die geringerer Verkehrsdichte ermöglicht einen lockereren Fahrstil und viele Pausen. Und für Abenteurer hat der Pass auf der italienischen Seite einige ziemlich enge Kehren zu bieten.

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