Als Bond BMW fuhr Liebesgrüße aus München

James Bond geht ständig fremd. Auch in Sachen Autos. Der Agent fuhr in seinen Filmen schon Aston Martin, Lotus, Ford - und BMW. Das Abenteuer mit den Bayern liegt zwar schon etwas zurück, aber der raffiniert umgebaute 7er aus "Der Morgen stirbt nie" fasziniert noch heute.

Tom Grünweg

Trinkt Martini und fährt Aston Martin - diese Beschreibung reicht eigentlich, um den Geheimagenten James Bond zu identifizieren. Es gab jedoch Ausnahmen, und eine davon begann mit einer Holzkiste, die bei der Pressekonferenz zum Bond-Film "Goldeneye" auf der Bühne stand, zwischen einem Aston Martin und einem Ferrari. Plötzlich wurde ein BMW-Logo auf die Latten projiziert - und die Filmwelt hatte eine neue Sensation: Bond fährt BMW. "Die Nachricht schlug damals ein wie eine Bombe", erinnert sich Johannes Schultz. Er hatte als Leiter der audiovisuellen Kommunikation bei BMW den Deal eingefädelt. Schultz: "Ein Jahr lang spekulierte die gesamte Weltpresse über James Bond und seinen BMW. So eine PR ist unbezahlbar."

Für welches Auto die Holzkiste auf der Pressekonferenz stand, wurde erst 1995 bei der Premiere von "Goldeneye" bekannt: der BMW Z3. Es war ein genialer Werbe-Coup, denn schlagartig war der neue Roadster der bayerischen Autobauer weltweit bekannt. Vier Jahre später wiederholten die Bayern das Procedere, um den Luxusroadster Z8 im 007-Film "Die Welt ist nicht genug" zu präsentieren. Das Auto wurde am Ende des Films in zwei Hälften zersägt.

Die spektakulärsten BMW-Szenen jedoch waren einem vergleichsweise unspektakulären Auto vorbehalten, einer 7er-Limousine, die Geheimagent 007 (Pierce Brosnan) im Film "Der Morgen stirbt nie" vom Agenten-Ausrüster Q mit den Worten übergeben wird: "Ihr neuer BMW 750, mit all den üblichen Extras - Maschinengewehre, Raketenwerfer, GPS-Navigationssystem." Und dazu kam noch eine Fernsteuerung, mit der Bond den Wagen auch per Mobiltelefon lenken konnte.

Der Trick mit der "Fernsteuerung"

Was Waffenmeister "Q" da alles ankündigte, hatten zuvor BMW-Ingenieure im Wagen installiert. Fast tausend Stunden dauerte der Umbau damals, berichtet Christian Kügele aus der BMW-Klassikwerkstatt, der das ehemalige Filmauto hin und wieder aus dem Museum holt, um es zu bewegen.

Wenn es so weit ist, nimmt Kügele allerdings nicht auf dem Fahrersitz Platz, sondern klettert in den Fond. Dort gibt es seit dem Umbau einen zweiten Fahrersitz im Fußraum - mitsamt Lenkrad und verlängerten Pedalen. Die vielen Arbeitsstunden waren damals vor allem dazu nötig, um die in diesem Wagen noch komplett mechanische Steuerung in den Fond zu verlegen; es mussten diverse Gestänge gebaut und nach hinten geführt werden. Zugleich sollte sich aber auch das vordere Lenkrad, das der Filmzuschauer im scheinbar ferngesteuerten Auto sieht, synchron zu den Bewegungen des Fahrzeugs mitdrehen.

Der im Fond verborgene Fahrer blickt natürlich nicht durch die Windschutzscheibe, sondern auf einen Monitor, der das unscharfe, immer etwas wackelige Bild einer in der Frontpartie versteckten Kamera zeigt. Auf diesen verschwommen Eindruck muss sich Kügele verlassen, wenn er, versteckt unter einem schwarzen Tuch, das Auto fährt. Von außen wirkt es dann, als bewege sich die Limousine von Geisterhand. Im Film rast der Wagen mit diesem Trick - scheinbar von Bond per Mobiltelefon gesteuert - durch ein Parkhaus.

Kügele hat mit dem 7er inzwischen so viel Übung, dass er beim Beschleunigen die Reifen quietschen lässt, im leichten Drift durch Kurven schlenzt und rückwärts fast ebenso schnell fahren kann wie vorwärts. Eingezwängt im Fond des Autos, nur ein wackeliges Kamerabild vor Augen, ist das gar nicht so einfach. Das mussten bei den Dreharbeiten auch die Stuntmänner lernen. Wenn stimmt, was man sich in München erzählt, kam schon der erste Wagen bei einer Stuntprobe von der Fahrbahn ab, überschlug sich und wurde stark beschädigt.

BMW durfte erst nach dem Rover-Kauf zum Bond-Ausstatter werden

Trotz des Aufwands und der Kosten reißen sich die Autohersteller um die Chance, einen Filmhelden wie Bond auszustatten. Auch BMW hatte lange um einen 007-Auftritt gebuhlt, aber stets Absagen kassiert. Das änderte sich erst, als BMW 1994 Rover aufgekauft hatte und damit zu einem britischen Arbeitgeber und Steuerzahler geworden war. "Da kam dann Bewegung in die Sache", sagt Pensionär Schultz heute.

Der einstige BMW-Manager beteuert, dass damals kein Geld geflossen sei. Wohl aber sei die Produktionsgesellschaft mit insgesamt 17 Fahrzeugen aus der 7er-Baureihe unterstützt worden. Außerdem gab es detaillierte Verträge zum Werbekonzept, von denen beide Seiten profitiert hätten, berichtet Schultz. "Nie davor oder danach wurde in den Autohäusern so oft über Bond gesprochen wie diesmal. Und nie war BMW so sehr im Kino präsent."

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
digitalesradiergummi 01.11.2012
1. Blindes Huhn
Zitat von sysopTom GrünwegJames Bond geht ständig fremd. Auch in Sachen Autos. Der Agent fuhr in seinen Filmen schon Aston Martin, Lotus, Ford - und BMW. Das Abenteuer mit den Bayern liegt zwar schon etwas zurück, aber der raffiniert umgebaute 7er aus "Der Morgen stirbt nie" fasziniert noch heute. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/als-james-bond-noch-bmw-fuhr-der-trick-mit-der-fernsteuerung-a-863975.html
Egal, ob BMW oder nicht, das war eben der schönste BMW 7er, bisher, und auch eins der schönsten Autos bisher. Im übrigen sind eine nicht unerhebliche Anzahl von Autodesignern bei BMW, Ausi, Porsche und sonstwo Engländer.
spon-pano 01.11.2012
2.
Zitat von digitalesradiergummiEgal, ob BMW oder nicht, das war eben der schönste BMW 7er, bisher, und auch eins der schönsten Autos bisher. Im übrigen sind eine nicht unerhebliche Anzahl von Autodesignern bei BMW, Ausi, Porsche und sonstwo Engländer.
Schön? Das ist schon ein sehr streitiges Thema aber "der schönste" nun wirklich nicht. Designmäßig ist doch an dem Auto überhaupt nichts hervorzuheben. Funktional, ja.
Hupert 01.11.2012
3. Für technische Laien...
Zitat von sysopTom GrünwegJames Bond geht ständig fremd. Auch in Sachen Autos. Der Agent fuhr in seinen Filmen schon Aston Martin, Lotus, Ford - und BMW. Das Abenteuer mit den Bayern liegt zwar schon etwas zurück, aber der raffiniert umgebaute 7er aus "Der Morgen stirbt nie" fasziniert noch heute. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/als-james-bond-noch-bmw-fuhr-der-trick-mit-der-fernsteuerung-a-863975.html
...oder Herdprämienbezieherinnen sicher "faszinierend". Für jemanden der halbwegs technikaffin ist oder gar einen Beruf in dieser Richtung ergriffen hat einfach nur "Pfrumms" oder "Blechbatscherei" wie man hier an der FH sagt. Nix ganzes und nix halbes, ein Homunkulus. Es ist eben möglichst billig für einige wenige zu drehende Szenen zusammengeschustert worden... Effekthascherei. Woran absolut nichts auszusetzen ist, aber "faszinierend" ist es mitnichten. Jede 50 Euro Digicam aus dem Elektrogroßhandel bietet zerlegt für Fachkundige mehr Gründe zu staunen.
Stelzi 01.11.2012
4. Jaja, die Fachidioten der FH...
Zitat von Hupert...oder Herdprämienbezieherinnen sicher "faszinierend". Für jemanden der halbwegs technikaffin ist oder gar einen Beruf in dieser Richtung ergriffen hat einfach nur "Pfrumms" oder "Blechbatscherei" wie man hier an der FH sagt. Nix ganzes und nix halbes, ein Homunkulus. Es ist eben möglichst billig für einige wenige zu drehende Szenen zusammengeschustert worden... Effekthascherei. Woran absolut nichts auszusetzen ist, aber "faszinierend" ist es mitnichten. Jede 50 Euro Digicam aus dem Elektrogroßhandel bietet zerlegt für Fachkundige mehr Gründe zu staunen.
... mit ihren zwei linken Händen staunen halt lieber über China-Ramsch statt über Prototypen und Unikate. Ich nehms euch schon lange nicht mehr übel, ihr wisst es halt nicht besser.
hanamuko 01.11.2012
5. Wer hats erfunden?!
Leider wurde vergessen zu erwähnen, daß der BMW in Stuttgart umgebaut bei der Firma BAUR wurde.
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