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Alternative Mobilitätskonzepte: Ein Auto nur bei Bedarf

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Alternative Mobilitätskonzepte Ein Auto nur bei Bedarf

Rund 320 Euro kostet laut Berechnungen des ADAC ein Kleinwagen im Monat - Parkgebühren und Strafzettel nicht mitgerechnet. Viel Geld für eine Maschine, die die meiste Zeit ungenutzt herumsteht. Ist Carsharing eine praktikable und vor allem billigere Alternative?
Von Tanja Rieckmann

Offiziell ist die Autobranche in diesem Jahr in Feierlaune: Vor 125 Jahren wurde das Automobil erfunden und ist seitdem der Inbegriff des Fortschritts und der Mobilität. Aber gilt das immer noch? Wie zeitgemäß ist das Auto eigentlich noch? Die Statistik scheint klare Antworten zu geben. 57 Millionen Fahrzeuge sind in Deutschland momentan zugelassen, nach Angaben des Automobilclubs ADAC besitzen 83 Prozent aller deutschen Haushalte einen eigenen Pkw. Sieht man sich die Zahlen genauer an, gibt es jedoch deutliche Abstufungen. In den Stadtstaaten etwa spielt der Autobesitz offenbar eine deutlich geringere Rolle als im Bundesdurchschnitt. Lediglich 58,8 Prozent der Berliner Haushalte verfügen über einen eigenen Wagen, in Hamburg sind es 66 Prozent, in Bremen 72,4 Prozent.

Deutet sich hier eine Trendwende an? Michael Ziesak, Vorsitzender des alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD) verkündete unlängst: "Mobilität wird nicht mehr zwangsläufig mit dem Besitz eines eigenen Pkw gleichgesetzt." Trendforscher registrieren, dass gerade junge Menschen eher das Smartphone als Statussymbol wahrnehmen als ein Auto. Der Verzicht aufs Auto im urbanen Umfeld nimmt zu - und das hat nicht nur ökologische Gründe, sondern vor allem ökonomische.

"2010 wird als das für Autofahrer teuerste Jahr aller Zeiten in die Geschichte eingehen", meldete etwa der ADAC Ende des vergangenen Jahres. Als Hauptursache für die gestiegenen Kosten macht der Autoclub die Spritpreise verantwortlich, die in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 86 Prozent gestiegen seien. Ein in der Stadt lebender Single zahlte für ein eigenes Auto im vergangenen Jahr - den Wertverlust eingerechnet und bei einer Jahresfahrleistung von rund 15.000 Kilometern - im Schnitt 4380 Euro. Das waren rund 1000 Euro mehr als noch vor zehn Jahren.

Die Überlegung liegt also nahe, angesichts steigender Kosten in Kombination mit Parkplatznot und Dauerverstopfung der Hauptstraßen aufs eigene Auto zu verzichten. Zumal mittlerweile ein vielfältiges Angebot an Alternativlösungen bereit steht. Mobilität nach Bedarf heißt das Motto, das auch Teile der Autoindustrie bereits entdeckt haben. Allerdings sind die verschiedenen Mobilitätskonzepte nur für jeweils spezifische Nutzer billiger und daher sinnvoll. Ein Vergleich lohnt sich daher unbedingt.

Carsharing beispielsweise boomt gerade. Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing (bcs) gibt es in Deutschland 125 Anbieter in rund 260 deutschen Städten mit 5000 eingesetzten Fahrzeugen und rund 190.000 registrierten Nutzern. Lohnenswert ist diese Form der Automobilität laut bcs für alle, die nicht jeden Tag ein Auto brauchen und im Jahr weniger als 10.000 Kilometer fahren. Im Detail muss man sehr auf den jeweiligen Tarif achten. Wer häufig ein Auto benötigt, fährt mit einer höheren Grundgebühr und niedrigen Zeit- oder Kilometerpreisen billiger, wer nur selten ein Auto braucht, sollte das umgekehrte Modell wählen.

Erste Autohersteller versuchen sich als Mobilitätsanbieter

Auch Autohersteller bieten inzwischen Carsharing an. Die Projekte heißen Car2Go (Daimler und Europcar) in Ulm und Hamburg, DriveNow (BMW und Sixt) in München und demnächst auch in Berlin - sowie Mu (sprich Mü) by Peugeot in Berlin und künftig auch in München und Hamburg. Im Unterschied zu klassischen Carsharing-Modellen, wird in diesen Projekten nach Zeittarif gezahlt und die Autos können bei Car2Go und DriveNow überall im Geltungsbereich angemietet und auch abgestellt werden. Abgerechnet wird im Minutentakt (Kosten jeweils 29 Cent).

Diese Angebote rechnen sich am ehesten bei spontanen und vor allem kurzen Innenstadttouren - denn wenn das Auto außerhalb des Geschäftsgebiets geparkt wird, läuft die Uhr weiter und der Preis steigt. Mu by Peugeot bietet, vergleichbar mit traditionellen Mietwagenangeboten, an bislang vier Standorten in Berlin die Fahrzeuge zu Tages, Wochenend- oder Wochentarifen an. Bereit steht die gesamte Palette des französischen Herstellers, vom Kleinwagen 107 (45 Euro/Tag) über das Elektroauto iOn (65 Euro) und den Sportwagen RCZ ( 65 Euro/Tag) bis hin zu Fahrrädern oder Pedelecs.

Auch tamyca  ist neu und der Name birgt schon die Geschäftsidee. "Take my car" steht für Deutschlands erstes Carsharing-Angebot unter Privatpersonen. Die Gründer, die zum Teil noch Studenten sind, haben eine Nische entdeckt, um das eigene Auto besser auszunutzen. "Tamyca ist ideal für alle, die kein Auto haben, aber mobil sein möchten. Ebenso für Autobesitzer, die erkennen, dass die Fixkosten sehr hoch sind und die ihr unausgelastetes Auto zu Geld machen möchten", sagt Michael Minis, einer der sechs Geschäftsführer.

Warum nicht einfach das Privatauto mit anderen teilen?

Derzeit bieten auf der Homepage von tamyca rund 400 Besitzer ihr Auto zur Vermietung an. Die Tarife sind in Vier-Stunden-, Tages- und Wochenpreise gestaffelt, werden von den Haltern der Leihwagen festgelegt, sind aber meist noch verhandelbar. Dazu fallen eine Vollkasko-Versicherungsgebühr von 7,50 Euro und die Benzinkosten an.

Doch verstopfte Straßen und die permanente Parkplatznot in den Metropolen führen auch das beste Carsharing-Angebot an seine Grenzen - keine Wunder also, dass Fahrrad-Verleihsysteme immer beliebter werden. Für kurze Strecken ist der Drahtesel nach wie vor die billigste, umweltfreundlichste und oft auch schnellste Alternative. Angebote gibt es zuhauf, und das Beispiel Stadtrad in Hamburg zeigt, dass die Sache funktioniert. Die erste halbe Stunde ist übrigens kostenfrei, danach fallen maximal 4 Cent pro Minute an. Schon ein in der Innenstadt geparktes Auto verschlingt mehr Geld.