Verkehrspolitik Scheuer plant Verdopplung der Kaufprämien für E-Autos

Alles auf E: Bislang kommt die E-Mobilität kaum in Schwung - auch, weil die falschen Autos von den Förderungen profitieren. Das soll eine neue, satte Prämie jetzt ändern.

Andreas Scheuer: 4000 Euro Prämie für E-Autos
Matthias Rietschel / REUTERS

Andreas Scheuer: 4000 Euro Prämie für E-Autos

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte den Absatz von Elektroautos mit deutlich höheren staatlichen Prämien ankurbeln. Im Klimakabinett wird er deshalb eine Regelung vorstellen, die den sogenannten Umweltbonus für rein strombetriebene Autos ab 2020 von derzeit 2000 auf 4000 Euro verdoppeln soll. Dies gelte für Kleinwagen mit Batterie oder Brennstoffzelle bis zu einem Kaufpreis von 30.000 Euro. Sie werden bislang noch am wenigsten nachgefragt. Scheuer wolle den "gewünschten Elektro-Käfer-Effekt" erreichen, heißt es aus seinem Ministerium.

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Heft 22/2019
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Bislang sieht die Bilanz von Scheuer (CSU) beim Klimaschutz im Verkehr verheerend aus. Der Ausstoß von Treibhausgasen aus dem Auspuff von Straßenfahrzeugen ist seit 1990 praktisch unverändert. Dabei muss dort laut Selbstverpflichtung der Bundesregierung bis zum Jahre 2030 mindestens 40 Prozent weniger CO2 entstehen. Am kommenden Mittwoch sollen Scheuer und weitere Minister im Klimakabinett der Bundesregierung erste Vorschläge machen, wie sie ihren Reduktionsverpflichtungen nachkommen wollen.

Bei teureren Wagen bis 60.000 Euro soll die Prämie künftig 2500 Euro betragen. Unklar ist, ob auch die Autoindustrie ihren Anteil am Umweltbonus erhöhen würde. Derzeit legt sie zu dem Förderbetrag des Staates die gleiche Summe drauf. Bei leichten Nutzfahrzeugen und Taxis soll die staatliche Unterstützung sogar noch höher ausfallen. Ein elektrisches Taxi könnte demnach mit 8000 Euro subventioniert werden. Scheuer hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf seiner Seite. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte zunächst zugestimmt, die alten Prämien bis 2020 zu verlängern und signalisiert, dass er danach eine ambitioniertere Regelung für sinnvoll erachte.

E-Offensive bei deutschen Herstellern

Auf den Umstieg möglichst vieler Autofahrer auf Elektroautos hoffen mittlerweile auch der neue Chef von Daimler, Ola Källenius, sowie VW-Chef Herbert Diess. Beide haben eine Offensive neuer E-Modelle angekündigt, für die sie nun Käufer brauchen. Die beiden Konzernlenker müssten deshalb auch Interesse haben, ihren Anteil an den E-Auto-Prämien aufzustocken. So könnten mehr Kunden für die Modelle mit Batterie oder Brennstoffzellen gewonnen werden, die bisher immer noch deutlich teurer sind als konventionelle Antriebe.

Bis Ende April hatten rund 75.000 Autokäufer die bisherige Prämie für reine Batteriefahrzeuge beantragt. Auch Plug-in-Hybride mit Elektro- und Verbrennungsmotoren bekommen einen Umweltbonus. Der fällt bislang jedoch geringer aus. Beantragt hatten ihn bis Ende vergangenen Monats knapp 40.000 Autokunden.

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insgesamt 171 Beiträge
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marcnu, 24.05.2019
1. Was passiert wohl mit den Preisen, wenn der Kunde eine Prämie bekommt?
Die Preise werden natürlich entsprechend hoch angesetzt, damit man davon die Prämie wieder abziehen kann. Am Ende glaubt der Kunde, er hätte ein Schnäppchen gemacht. Aber es wirkt auf jeden Fall!
NAL 24.05.2019
2. Lobbyismus in Reinkultur
Statt das Geld für sinnvolle Projekte abzugeben, werden hier wieder Lobbyisten gefördert. Das die Elektroautos mit Strom, erzeugt durch Verbrennung angetrieben werden will man einfach mal übersehen. Es wird sich bald zeigen, das die Elektromobilität unsere Stromversorgung destabilisiert und für eine Verbesserung der Umwelt ein Hemmnis darstellt. Was wird mit dem giftigen Lithium bei Unfällen? Die ganze Sache ist nicht durchdacht und nur auf Publicity ausgerichtet. Wann werden die Menschen eigentlich mal schlau… Sicher erst, wenn der Planet unbewohnbar geworden ist. Es ist eine Schande!
karov 24.05.2019
3. Kann man mit der Prämie auch tanken?
...
Byrus 24.05.2019
4. Verbraucherverhalten
"Bislang sieht die Bilanz von Scheuer (CSU) beim Klimaschutz im Verkehr verheerend aus. Der Ausstoß von Treibhausgasen aus dem Auspuff von Straßenfahrzeugen ist seit 1990 praktisch unverändert. Dabei muss dort laut Selbstverpflichtung der Bundesregierung bis zum Jahre 2030 mindestens 40 Prozent weniger CO2 entstehen. " Die Bundesregierung im Kampf gegen Verbraucherverhalten. Nun ja, damit sind schon ganz andere gescheitert. Die vermeintlichen Weltenretter werden es auch eines Tages merken.
Paul-Merlin 24.05.2019
5. Die nächste Maßnahme der Groko
um die Umverteilung von unten nach oben anzuschieben. Klar ist beim gegebenen Preisniveau sind E-Autos für den Normalverdiener auch bei einer Verdopppelung der Kaufprämie unerschwinglich. Die betuchte Arztgattin usw. wird sich über die Kaufpreisverbilligung ihres geplanten E-Autos natürlich freuen. Bleibt schon mehr übrig für Schmuck und ähnliche unverzichtbare Dinge.
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