Automobilclub-Affäre Auch ADAC-Regionalchefs nutzten Rettungshubschrauber

Die ADAC-Flugaffäre weitet sich aus: Nicht nur der Präsident soll Rettungshubschrauber genutzt haben. Der Automobilclub bestätigte dem "Stern", dass auch Regionalchefs die Maschinen zur "Außendarstellung der Luftrettung" nutzen durften.
ADAC-Rettungshubschrauber: "Nicht von A nach B fliegen"

ADAC-Rettungshubschrauber: "Nicht von A nach B fliegen"

Foto: Matthias Bein/ dpa

Hamburg - Die Hubschrauber der ADAC-Luftrettung GmbH wurden nicht nur vom Präsidium des Automobilclubs für Reisen genutzt. Auch die 18 Vorsitzenden der Regionalclubs des ADAC durften die gelben Rettungshubschrauber nutzen, berichtet der "Stern".

Der ADAC gestand ein, das sei "im Zusammenhang mit der Außendarstellung der Luftrettung" möglich gewesen. "Allerdings nicht, um damit von A nach B zu fliegen", sagte ein Sprecher dem "Stern". In der vergangenen Woche hatte der ADAC bereits die Zahl von "weniger als 30" Flügen des Präsidiums in den vergangenen zehn Jahren genannt.

Der Automobilclub steht seit Wochen unter Druck. Vor allem die Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" kratzen am Image des ADAC. Der bisherige Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte eingeräumt, Abstimmungen über das Lieblingsauto der Deutschen in den vergangenen Jahren verfälscht zu haben.

Auch die Flüge von Präsident Peter Meyer mit Rettungshubschraubern sorgten für Aufsehen. Der "Stern" nennt nun weitere Flüge, die dem ADAC Ärger bescheren könnten. So sei am 6. Oktober 2007 eine Maschine vom Flughafen Braunschweig gestartet, um dem Fotografen eines lokalen Wochenblattes Fotos aus der Luft zu ermöglichen. Mit an Bord war auch die Frau des Wochenblatt-Verlegers. Der war ein Parteifreund des damaligen Vorsitzenden des ADAC-Regionalclubs Niedersachsen-Sachsen-Anhalt. Der ADAC bestätigte den Flug. Wer an Bord gewesen sei, "entzieht sich unserer Kenntnis", teilte der Automobilclub dem "Stern" mit. Es habe sich um eine Reservemaschine gehandelt. Die Kosten für den Flug habe die Luftrettung getragen, "da diese den Hubschrauber ohnehin dort vor Ort hatte." Damals fand in Braunschweig eine Luftrettungs-Tagung statt.

Umfrage zeigt gesunkenes Vertrauen

Die Enthüllungen über manipulierte Abstimmungen und Dienstflüge mit dem Rettungshubschrauber kratzen laut "Stern" am Bild des ADAC. Einer Umfrage des Magazins zufolge haben 46 Prozent der Deutschen eher geringes (29 Prozent) oder sehr geringes (17 Prozent) Vertrauen in den Automobilclub. Nur noch 44 Prozent äußern eher großes (33 Prozent) oder sehr großes (11 Prozent) Zutrauen in die über hundert Jahre alte Vertretung der Autofahrer.

Ein Teil der rund 19 Millionen ADAC-Mitglieder möchte sogar persönliche Konsequenzen ziehen: Laut der "Stern"-Umfrage überlegen sieben Prozent, mithin gut 1,3 Millionen Mitglieder, den Pannendienst zu verlassen. 60 Prozent aller Befragten (und 54 Prozent der befragten ADAC-Mitglieder) wünschen, dass der Verein sich künftig überwiegend auf den Pannendienst konzentrieren soll. Allerdings wollen rund zwei Drittel sowohl aller Bürger (65 Prozent) wie auch der Mitglieder (69 Prozent), dass der ADAC sich weiterhin immer mal wieder in die Politik einmischt.

Präsident Meyer will Mitglieder mehr einbinden

Aufgrund der anhaltenden Kritik will sich der Autoclub jetzt neu aufstellen. "Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können", teilte ADAC-Präsident Peter Meyer am Mittwoch in München mit. Die Struktur des Vereins und seiner wirtschaftlichen Aktivitäten werde daher überprüft. Die Mitglieder sollen mehr eingebunden werden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung soll die Neuausrichtung beschlossen werden.

Für die ADAC-Erhebung befragte das Forsa-Institut am 22. und 23. Januar 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

cte/cst/dpa
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