Audi A1 Clubsport Quattro Der Derwisch aus Ingolstadt

200 PS in einem Kleinwagen sind grenzwertig, aber 503 PS? Durchgeknallt. Das scheint bei Audi aber niemanden zu stören, denn beim GTI-Treffen am österreichischen Wörthersee zeigen die Ingolstädter einen A1 mit dieser Leistung - aber nur um zu zeigen, was sie können.


Das kleinste Auto der Modellpalette, der A1, macht Audi derzeit die größten Sorgen. So sehr die Bayern den Absatz auch schön zu reden versuchen - der vornehme Zwillingsbruder des VW Polo bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Händler geben üppige Rabatte, freie Werkstätten bieten das Auto als kostenlosen Leihwagen an, und die Zulassungszahlen dümpeln dahin. Im ersten Quartal dieses Jahres zum Beispiel waren es in Deutschland lediglich 7000 Verkäufe, während Hauptkonkurrent Mini vom ungleich älteren Fahrzeug fast 8000 Autos auf die Straße brachte.

In einer solchen Situation kann an bisschen Publicity nicht schaden. Und Audi hat sich zu diesem Zweck das GTI-Treffen am Wörthersee ausgesucht, wo sich am kommenden Wochenende zum 30. Mal die Vollgasfraktion der Volkswagen-Fangemeinde trifft. Auch Audi darf dort mitmischen, und so wurde eine ganz besondere Ausgabe des Sorgenkinds vorbereitet: der A1 Clubsport Quattro.

Nun ist die Fangemeinde vom Wörthersee schon an Übertreibungen gewöhnt, doch im Fall des Clubsport Quattro werden sich auch gusseisernen Vollgasfetischisten die Augen reiben. Denn unter der Haube des Kleinwagens steckt der Fünfzylinder-Turbomotor aus dem Audi RS3, der überdies für den Showeinsatz noch einmal getunt wurde. Statt ohnehin schon üppiger 340 PS leistet der 2,5 Liter große Direkteinspritzer, der den Auspuff - wie ein DTM-Rennwagen - aus der Flanke reckt, jetzt irrwitzige 503 PS. Damit lässt der Knirps sogar die V8-Version des Sportwagens R8 blass aussehen. Das gilt auch für die Fahrleistungen: Zwar ist die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h limitiert, doch dank maximal 660 Nm Drehmoment soll der Anabolika-A1, der Getriebe und Allradantrieb des Modells TT RS nutzt und sich mit einem Gewindefahrwerk samt Keramikbremsen auf den Asphalt klammert, binnen 3,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Der R8 braucht dafür fast eine Sekunde länger.

Schon auf den ersten Fotos wird deutlich, dass die Audi-Leute den Wagen in der ihnen eigenen Gründlichkeit vorbereitet haben. Feines Leder, blankes Metall, hübsche Details wie die Türschlaufen und reichlich Karbon schmücken das Auto; aus Letzterem bestehen beispielsweise das Dach, einige Konsolen und die Sitzschalen. Auch Audi möchte gern die Trumpfkarte Leichtbau spielen, doch ein Leergewicht von 1390 Kilogramm ist für ein Auto dieses Formats keine Großtat.

PS-Pornografie statt stilsicherer Purismus

Aber das Auto soll auch gar nicht schlank sein oder aussehen, sondern brachial und voll fett, wie es bei der Klientel am Wörthersee wohl heißen wird. In guter alter Manta-Manier wurde die Karosserie mit Spoilern bewehrt und wirkt nun, als könne sie vor Kraft kaum rollen. Und das stimmt ja auch. Der gewaltige Heckflügel mit dem doppelten Spoilerblatt soll für Abtrieb sorgen, um eine breitere Spur zu ermöglichen wurden die Radhäuser um sechs Zentimeter ausgestellt und um den Motor zu be- und entlüften wurde der Kühlergrill vergrößert und die Motorhaube perforiert. Insgesamt ergibt das ein Auto, das nichts mit dem sonst von den Audi-Designern hoch gehaltenen, stilistischem Purismus zu tun hat - es fehlen im Grunde nur noch ein paar Aufkleber und der Wagen wäre bereit für die Rennstrecke.

Doch auch die sportlichen Kleinwagenfahrer auf der Straße sollen nicht zu kurz kommen. Denn Audi plant über die derzeit stärkste Version mit 185 PS hinaus noch eine weitere sportliche Aufrüstung für den A1. Zurzeit tüfteln die Ingenieure an einem Modell S1 mit Quattro-Antrieb und mehr als 200 PS, wie aus Ingolstadt zu hören ist. Aber ob und wie der 503 PS starke Clubsport Quattro fährt, wird wohl nie jemand erfahren: denn das Auto bleibt ein Einzelstück, das es weder auf die Rennstrecke und erst recht nicht auf die Landstraße schaffen wird. Trotzdem können Interessierte den Kraftzwerg bald fahren - in einer Welt, in der man nicht über den Sinn oder den Verbrauch eines solchen Fahrgeräts nachdenken muss: nämlich im Online-Autorennspiel "Need for Speed" - dort tritt der virtuelle A1 Clubsport als Mietwagen auf.



insgesamt 52 Beiträge
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Franz_Eder 31.05.2011
1. Und das ist gut so.
Man muss dies als benefit für die Entwickler sehen. Das macht einfach Spass. Morgen müssen die wieder um jede Kleinigkeit mit den controllern streiten.
stupp 31.05.2011
2. Unsinn
Tja, während die Japaner und Franzosen heute schon Modelle mit Elektroantrieb anbieten, scheinen die deutschen Hersteller immer noch nicht begriffen zu haben, was die Stunde geschlagen hat. Selbst bei der Hybrid-Technik laufen die Deutschen hoffnungslos hinterher. Und jetzt so ein Unsinn... Fakt ist: Durch eine Variante mit 500PS-Motor wird dieser Lifestyle-Audi auch nicht besser verkauft werden.
README.TXT 31.05.2011
3. Rofl
Ich dachte die Zeit der Prollkisten sei vorbei? Naja auf dem Lande gibts sicher noch ein paar Kinder die das toll finden, haben sicher den D&W-Katalog im Abo.
anders_denker 31.05.2011
4. Sinnfrei aber schön
Der A1 fährt sich sowiso ein bisschen wie ein Cart. Zudem könnte man allen SUV Fahrern mit so einer kiste zeigen das man Unvernunft platzsparender und mit höherem Spassfaktor bekommen kann.
numa72 31.05.2011
5. Wo ist den jetzt das Problem?
Wo ist den jetzt das Problem? Das Auto ist ein Einzelstück, das heißt es nur ein einziges davon gebaut wird! Der A1 wird besimmt die nächsten 10-15 Jahre im Museum stehen, wenn damit mehr als 5.000 Km gefahren wird ist das echt viel. Also lasst den Entwicklern und der Marketing Abteilung ihren spass.
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