Fotostrecke

Autogramm Audi A3 e-tron: Audis sparsamstes Modell

Foto: Audi

Autogramm Audi A3 e-tron Anschluss gesucht

Nach dem abruptem Ende des Elektrosportwagens R8 e-tron schien es, als habe Audi das Interesse an der Elektromobilität verloren. Doch jetzt wedelt die Ingolstädter Marke wieder mit dem Ladekabel und stellt den A3 Plug-in-Hybrid vor. Der fährt prima - und wirft genau deshalb Fragen auf.

Der erste Eindruck: Ein Audi wie jeder andere auch. Hätte der Testwagen nicht die großen Aufkleber an den Flanken, man würde ihn nicht als das wohl fortschrittlichste Auto im Angebot der Ingolstädter Marke identifizieren. Selbst die Ladebuchse des Plug-in-Hybridantriebs im Kühlergrill ist hinter dem verschiebbaren Audi-Logo gut versteckt. Setzt sich das Auto aber erst einmal in Bewegung, ist der Fall natürlich klar.

Das sagt der Hersteller: Nach vielen Irrungen und Wirrungen mit dem rein elektrischen Supersportwagen R8 e-tron oder dem A1 e-tron mit einem Wankelmotor als Range Extender hat sich Audi jetzt offenbar für die Plug-in-Hybridtechnik als Königsweg in die Elektromobilität entschieden. In der Stadt ohne Abgase, und auf der Autobahn ohne Angst vor einer beschränkten Reichweite - so umreißt Audi-Chef Rupert Stadler die Vorzüge des Konzepts.

Und Heinz Hollerweger, der die Gesamtfahrzeugentwicklung leitet, erteilt allen anderen Antriebssystemen vorerst eine Absage. Klassische Hybridmodelle mit einem elektrischen Aktionsradius von wenigen Kilometern wie die Audi-Typen A6, A8 oder den Q5 werde es auf absehbare Zeit nicht mehr geben - und reine Elektrofahrzeuge wohl nicht so schnell.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen, anlassen, losfahren - der Weg in die Zukunft kann so einfach sein. Gewöhnen muss man sich lediglich an die Ruhe nach dem Druck auf den Startknopf; und ein zweiter Blick auf das neue Cockpitinstrument anstelle des Drehzahlmessers schadet auch nicht. Insgesamt jedoch ist die erste Testfahrt mit dem Plug-in-Antrieb völlig unkompliziert. Automatikhebel in "D", Pedal treten - und ab geht die Post. Und zwar wie immer bei Autos mit Akku still und schnell.

Wie die beiden Motoren zusammenspielen, bestimmt wahlweise die Elektronik oder der Fahrer selbst. Mit einem Knopfdruck kann man den e-tron auch in den reinen Elektrobetrieb zwingen und dann tatsächlich über große Strecken stromern. Und während man bei anderen Hybridautos einen sehr leichten Gasfuß braucht, damit der Verbrenner nicht doch wieder aufwacht, darf man beim A3 auch jenseits des Ampelspurts (Von 0 auf 60 in 4,9 Sekunden) vergleichsweise beherzt zutreten. Elektrisch fahren mit Tempo 90, 100 oder 110 ist gar kein Problem. Surrend geht es über die Landstraße, bis die Elektronik dem E-Motor bei 130 Sachen den Saft abdreht. Schneller wäre machbar, aber für die Energiebilanz katastrophal. Doch genau um die geht es ja bei einem solchen Auto.

Neben dem rein elektrischen "EV"-Modus gibt es noch den auf maximale Effizienz getrimmten Mischbetrieb und natürlich die Funktion für maximalen Fahrspaß: Einfach das Pedal ganz durchtreten, dann spannt die Elektronik beide Motoren zusammen und der A3 Sportback macht seinem Namen mit einer Systemleistung von 204 PS und 350 Nm Drehmoment alle Ehre. In 7,6 Sekunden wuchten die beiden Triebwerke den 1,6-Tonner auf Tempo 100 und treiben ihn - wenn's sein muss - mit maximal 222 km/h über die Autobahn.

Das muss man wissen: In Fahrt bringen den e-tron der bekannte 1,4-Liter-Benziner mit 150 PS und eine im Getriebe integrierte E-Maschine mit 75 kW (101 PS). Sie wird gespeist aus einem wassergekühlten Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 8,8 kWh. Der Akku wiegt rund 125 Kilo, sitzt im Heck und lässt das Kofferraumvolumen auf 280 Liter schrumpfen. Ist die Batterie voll geladen - an der Haushaltssteckdose dauert das 3 Stunden und 45 Minuten, an einer Industriesteckdose etwa halb so lang - reicht der Strom für bis zu 50 Kilometer, rechnet Audi vor.

Da der Benzintank über 40 Liter Fassungsvermögen verfügt, kommt der A3 e-tron theoretisch 940 Kilometer weit und kann es mit jedem Diesel aufnehmen. Beim Verbrauch liegt er sogar vorn. Von der grotesken Normformel für Plug-in-Hybridautos begünstigt, bei der die erste Akkuladung voll angerechnet wird, kommt er auf magere 1,5 Liter Durchschnittsverbrauch. "Ein echtes Ein-Liter-Auto", frohlockt Audi.

Was noch fehlt, das ist der Preis. Der stand angeblich schon fest únd sollte bei rund 40.000 Euro liegen. Jetzt wird er noch mal neu kalkuliert. Der Grund ist der BMW i3, ein reines Elektroauto, das für 34.950 Euro verkauft wird. Audi-Chef Stadler nannte auf der IAA als Anhaltspunkt eine Summe von etwa 37.000 Euro, die der A3 e-tron kosten soll, wenn er im nächsten Jahr in den Handel kommt.

Das werden wir nicht vergessen: Die Poweranzeige, die im Cockpit des Plug-in-Hybridmodells den Platz des Drehzahlmessers eingenommen hat. Sie macht erkennbar, wie viel Leistung dem elektrischen Part des Antriebs abverlangt wird. Überrascht waren wir auch über den späten Liefertermin des Autos. Erst 2014, und sicher nicht im ersten Quartal, soll es so weit sein. Weitere Erprobungsläufe werden als Grund dafür angegeben. Doch nachdem der Wagen schon seit Anfang dieses Jahres auf diversen Messen gezeigt wurde und jetzt als Testwagen völlig reibungslos funktionierte, scheint es so, als stünde irgendjemand in Ingolstadt auf der Leitung.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.