Audi-Design-Wettbewerb Webzwonull in Ingolstadt

Autodesign trifft auf Web 2.0: Audi möchte sich von Web-Nutzern Fahrzeugkonzepte für das Jahr 2025 entwerfen lassen. Mit Hilfe einer speziellen Software können User ihren Wagen der Zukunft zusammenbauen. Wie der aussieht? Auf jeden Fall knubbelig.


Rund 170 Designer und Modelleure beschäftigt Audi - sie alle sind auf der Suche nach den idealen Autoformen für morgen. In den kommenden Wochen dürfte sich die Zahl der Kreativen mit dieser Mission deutlich erhöhen, denn die VW-Tochter startet einen Design-Wettbewerb für Jedermann.

Es gilt, einen Audi für das Jahr 2025 zu entwerfen. In bester Webzwonull-Manier möchte Audi seine Klientel, gewissermaßen sein User für dieses Projekt einspannen. Die Ingolstädter kooperieren dazu mit dem Computerspiel-Hersteller EA. Der hat eine Software entwickelt, mit der angeblich auch Laien ansprechende Autokarossen basteln können. Das Tool entstammt dem EA-Spiel Spore, in dem es knubbelige Monster zu entwerfen gilt. Entsprechend sehen auch die mit der Software erstellten Fahrzeuge aus, als stammen sie aus einem Comic.

"Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse der Spore-User", sagt Audi-Designchef Stefan Sielaff, der auch der Jury angehören wird, die sämtliche Entwürfe bewertet. Wie er selbst einen solchen Wagen gestalten würde? Sielaff: "So weit im Voraus ein Auto zu kreieren, ist sehr schwer. Keiner weiß, wie die Gesellschaft in gut 15 Jahren ticken wird. Ich vermute, das die Themen Rohstoffe, Emissionen und Umweltbewusstsein dann eine noch stärkere Rolle spielen als heute schon - und das hat natürlich Folgen für das Gewicht, den Antrieb und die Aerodynamik von Autos."

Pkw-Design ist ein komplexer Prozess, der sich normalerweise evolutionär und nicht revolutionär entwickelt. Das liegt auch daran, dass Autodesigner zwar versuchen, künftige Entwicklungen vorherzusehen und in ihre Arbeit aufzunehmen, jedoch in einem enger begrenzten Zeitrahmen. Etwa sechs Jahre vor dem geplanten Serienstart eines neuen Fahrzeugs entstehen normalerweise die ersten Skizzen; dann folgen konkretere Entwürfe, dann die ersten Modelle im kleineren Maßstab.

"Der Mensch braucht etwas zum Anfassen, wenn er über Form und Gestalt diskutieren soll", sagt Sielaff. Spätestens 23 Monate vor dem geplanten Serienstart des Autos wird festgelegt, welcher Entwurf tatsächlich umgesetzt wird. Und dann wird dieses Design im Detail ausgearbeitet und umgesetzt.

Aus dem Quattro Spyder wurde schließlich der R8

Manchmal aber kommt es vor, dass eine Designidee tatsächlich 15 Jahre lang reifen muss, ehe sie auf die Straße kommt. Die Audi-Studie Quattro Spyder wurde beispielsweise auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt 1991 vorgestellt. Der Aluminium-Heck-Mittelmotor-Sportwagen entzückte das Publikum, war aber damals technisch nicht realisierbar. Es dauerte bis zum Herbst 2006 bis die Studie als Audi R8 verwirklicht wurde.

"Im Quattro Spyder habe ich damals das Interieur designt", erinnert sich Sielaff. Neu war, dass es erstmals blanke Aluminiumteile im Innenraum gab. "So sollte die Leichtigkeit des Autos auch den Insassen auf den ersten Blick sichtbar gemacht werden", sagt Sielaff. Auch dies fand später Einzug in Serienmodellen, etwa im Audi TT oder eben auch im R8.

Beim aktuellen Design-Wettbewerb, zu dem alle Informationen inklusive des Software-Pakets zum Download auf der Web-Seite des Design-Wettbewerbs finden sind, geht es ausschließlich um die äußere Form des Autos der Zukunft - um technische Machbarkeit müssen sich die Möchtegern-Designer nicht scheren. Die virtuellen Studien dürfen also durchaus verwegen sein.

jüp



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