Audi TT Clubsport Quattro Nackt am Wörthersee

Audi nimmt "oben ohne" jetzt sehr wörtlich. Dem Coupé und Roadster stellen die Ingolstädter - zunächst als Einzelstück - einen gestrippten TT Speedster namens Clubsport Quattro zur Seite. Falls die Resonanz positiv ist, könnte der Extremist sogar in Kleinserie gehen.


Der Ort der Premiere könnte kaum besser gewählt sein. Nicht auf irgendeiner Automesse, sondern auf dem legendären GTI-Treffen am österreichischen Wörthersee enthüllt Audi an diesem Wochenende schon wieder eine Studie. Dort, wo sich seit mittlerweile 26 Jahren die Vollgasfreunde der Autos aus Wolfsburg und Ingolstadt zum fröhlichen Angasen treffen und in diesem Jahr mehr als 200.000 Gäste erwartet werden, lassen die Bayern alle Hüllen fallen und stellen einen TT auf die Bühne, der in die Tuningszene passt wie Hot Pants oder die klassische Voku-Hila-Frisur. All jene, die den TT eher für einen Schönling als für einen Sportwagen halten, wollen die Audi-Verantwortlichen bei dem PS-Event in Kärnten mit dem Typ "Clubsport Quattro" offenbar eines Besseren belehren.

"Purismus auf Premium-Niveau" lautet der Arbeitstitel, unter dem die Designer den Roadster zum Speedster gemacht und so den letzten Rest vom Bikini auch noch abgelegt haben. Denn ein Dach hat dieser Wagen nicht mehr, und von der Frontscheibe bleibt nur noch ein winziger, dunkel getönter Streifen. Waren TT-Fahrer bislang allenfalls oben ohne unterwegs, sitzen sie nun förmlich nackt im Wind.

Dabei sieht der offene Zweisitzer schon auf den ersten Blick ungeheuer böse aus: Der mächtige Single-Frame-Grill wird mit quer aufgelegten Aluminiumstreben zum ersten Mal in der Breite betont. Vier riesige, vergitterte Kühlöffnungen decken den Luftbedarf des Motors, und unter der Scheinwerfern schimmern nun die LED-Leuchten des Tagfahrlichts grimmig voraus. Der Clubsport Quattro wirkt austrainiert. Schließlich stecken auf den Achsen 20-Zöller, auf die Audi 265er Reifen aufgezogen hat. Die Spur des Sportlers ist deshalb acht Zentimeter breiter als beim normalen TT und die Radhäuser wölben sich wie die Oberarme eines Bodybuilders nach der letzten Anabolika-Spritze.

Nur das Nötigste - auch im Motorraum

Gleichzeitig haben die Designer die Silhouette des Wagens weiter vereinfacht: Die Außenspiegel sind deutlich kleiner, und Türgriffe gibt es gar nicht mehr. Nein, man muss trotzdem nicht wie bei einem Formel-1-Auto über die von einer umlaufenden Aluminiumblende gekrönte Brüstung in den Wagen klettern. Sondern ein Druck auf die Fernbedienung genügt, schon spielt der Speedster "Sesam öffne dich" und lässt die Türen aufspringen. Am Heck dagegen darf es wieder etwas mehr sein: Dort wurden zwar die Überrollbügel abgeflacht, doch dafür gibt es zwei windschnittige Höcker auf dem unnützen Verdeckkasten und weiter unten zwei ovale Auspuff-Endrohre, wie sie sonst nur die S-Modelle der Ingolstädter ihrem Hintermann entgegen recken.

Selbst unter der Haube war maximaler Minimalismus angesagt. Keine Sorge, auf Leistung haben die Entwickler nicht verzichtet. Im Gegenteil, der aus dem S3 bekannte Benzindirekteinspritzer-Turbo kommt in der bislang stärksten Version nicht mehr auf nur 260, sondern nun 300 PS und hat damit allemal das Zeug zum Porsche-Killer. Selbst wenn Audi die technischen Daten des Motors noch für sich behält. Doch drum herum wirkt es für den Motorraum eines modernen Autos seltsam leer und offenherzig. Keine Abdeckhaube hindert den tiefen Blick ins Dekolletee, und keine Nebenaggregate rücken dem Vierzylinder auf die Pelle. Klimaanlage? Aktivekohlefilter? Bei so viel Frischluftzufuhr kann man sich das offensichtlich alles schenken.

Blankes Aluminium und Gerüchte einer Kleinserie

Nicht ganz so asketisch gestaltet ist der Innenraum. Zwar riecht es auch hier eher nach Adrenalin als nach dem Anilin der Gerber. Doch auf Komfort müssen die Passagiere kaum verzichten - zumindest wenn sie bequem in die Rennschalen passen und sich nicht an den breiten Vierpunkt-Gurten stoßen. Dann genießen sie den Blick auf ein abgespecktes Renncockpit mit senkrecht stehenden Zeigern, streicheln das Sportlenkrad mit flacher Unterseite oder den Schaltknauf in der Schaltkulisse aus dem Sportwagen R8, und lassen den Blick schweifen über mehr blankes Aluminium als in jedem anderen Audi.

Nicht nur die Haltegriffe der Tür, die Lenkradspeichen und die Fußstützen schimmern matt, sondern sogar die Pedale wurden daraus gefräst. Dazu gibt es viel schwarzes und etwas oranges Leder und als nettes Gimmick einen MP3-Spieler von Audis Akustik-Partner Bang & Olufssen, der direkt in die mittlere Düse der Belüftung passt und wie ein schwarzer Diamant über dem Navigationssystem thront.

Noch ist der Clubsport Quattro ein Einzelstück. Doch denkt man bei Audi dem Vernehmen nach ernsthaft über den Bau einer Kleinserie nach. Das Auto dürfte dann deutlich mehr als 50.000 Euro kosten. Nicht umsonst geistert bereits seit Monaten die Idee von einem TTS durch den Blätterwald. Außerdem lässt sich der Bau eines solchen Fahrzeugs - das zeigen die vielen hundert selbstgestrickten Sport-Exponate in der Bergidylle - kaum mehr verhindern. Denn wenn Audi es nicht macht, machen es die Freaks unter den Markenfreunden eben selbst.



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