Audi-TT-Unfälle Oberstaatsanwalt will Ermittlungen zusammenführen

Die Strafjustiz sieht verschiedene Unfälle mit dem umstrittenen Audi TT offenbar nicht mehr als Einzelfälle an. Um die Ermittlungen zu konzentrieren, will die Staatsanwaltschaft Ingolstadt alle Untersuchungen in Bezug auf mögliche technische Mängel des Wagens an sich ziehen.


Der Audi TT gerät durch sein umstrittenes Fahrverhalten immer stärker in die Kritik

Der Audi TT gerät durch sein umstrittenes Fahrverhalten immer stärker in die Kritik

München - Oberstaatsanwalt Helmut Walter sagte am Dienstag, er werde die anderen Staatsanwaltschaften anschreiben, bei denen ähnliche Anzeigen vorlägen, und sie um die Abgabe der Fälle bitten. "Wir wären bereit, das zu übernehmen, weil Audi seinen Sitz in Ingolstadt hat", sagte Walter. Er bearbeitet derzeit den Fall eines TT-Fahrers, der einen von ihm verschuldeten Unfall vor eineinhalb Wochen auf die Unbeherrschbarkeit des Sportwagens zurückführt.

Die Ingolstädter Staatsanwaltschaft wolle sich dabei auch auf andere Gutachten stützen, so Walter. In Hannover untersucht ein Sachverständiger derzeit den Hergang eines tödlichen Unfalls mit einem Audi TT. Eine Justizsprecherin in Hannover sagte, das Gutachten werde Ende der kommenden Woche vorliegen. Ein Konstruktionsmangel am Fahrzeug könne dabei aber wohl kaum festgestellt werden.

Der Anwalt Hans-Joachim Wiebe aus Hannover, der eine Gruppe von Audi-TT-Fahrern vertritt, hatte Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei Audi wegen fahrlässiger Tötung eingereicht. Er vermutet ein technisches Problem an dem Auto, das durch ein an Audi zugeliefertes Bauteil verursacht worden sei und für die Serie von fünf tödlichen Unfällen seit dem letzten Herbst verantwortlich sein soll.

Audi weist solche Vorwürfe zurück. Es gebe "kein für den TT typisches Unfallmuster", hieß es. Das umstrittene Fahrverhalten des Sportwagens bei hohem Tempo soll durch eine Nachrüstung von Achsstabilisatoren und der Ausrüstung neuer Fahrzeuge mit dem Spurstabilisierungsprogramm ESP sowie Heckspoilern stabilisiert werden. In der letzten Woche hatte Audi dennoch Kompromissbereitschaft gegenüber unzufriedenen Kunden signalisiert: Im Einzelfall, so hieß es, könne ein Rückkauf durch den Audi-Partner in Betracht kommen.



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