Aufpreis-Falle Die lange Liste der Abzocker

Autos werden immer teurer. Zwar rechnen die Hersteller gerne vor, dass sich etwa bei einer Neuauflage durch bessere Ausstattung das Verhältnis von Preis und Wert zugunsten der Kunden verschiebt. Doch die Falle lauert in der Aufpreis-Liste.


Beim Kauf eines Autos ist es mit dem Listenpreis in den seltensten Fällen getan. Selbst bei luxuriösen Limousinen oder feudalen Geländewagen gibt es viele populäre Ausstattungsmerkmale nur gegen Aufpreis. Wichtige Extras, vor allem für die Sicherheit, sind mittlerweile schon bei Kleinwagen meist serienmäßig an Bord, und auch die Klimaanlage hat sich ab der Kompaktklasse durchgesetzt. Doch wer die Optionslisten der Hersteller studiert, stolpert ständig über teure Fallen, mit denen die Wunschausstattung beinahe zum Wucher wird.

BMW M6: Becherhalter für 100 Euro

BMW M6: Becherhalter für 100 Euro

Selbstverständlich müssen die Hersteller und Importeure irgendwo einen Strich ziehen und können teure Extras wie etwa das Navigationssystem oder das Schiebedach nicht zum Standard erklären. Aber warum man in einem BMW M6 für 108.500 Euro noch einmal 100 Euro Aufpreis für die Becherhalter bezahlen muss, von denen es in Autos wie dem Fiat Panda oder dem Peugeot 107 gleich mehrere zum Nulltarif gibt, bleibt ein Mysterium des Marketings. Der Vorwurf der Raffgier liegt nahe. Zwar wird sich deshalb kein Interessent gegen den M6 entscheiden. Doch selbst Sehr-Viel-Besserverdiener lassen sich nicht gerne derart über den Tisch ziehen.

Luxusautos mit ellenlangen Extras-Listen

BMW ist mit diesem Preisgebaren nicht allein. Auch in den Katalogen von Audi oder Mercedes findet sich so manche Position, die Kopfschütteln auslöst. So verkauft Mercedes die neue M-Klasse, die in der günstigsten Version 46.320 Euro kostet, ab Werk ohne Laderaumabdeckung. Wer - wie in jedem biederen Mittelklasse-Kombi üblich - neugierige Blicke auf seine Koffer und Kisten vermeiden will, muss für das Rollo im Heck 133,40 Euro Aufpreis berappen. Selbst die Sicherheit - bei Mercedes als einer der höchsten Markenwerte definiert - lassen sich die Schwaben separat bezahlen. Klar, an Airbags und elektronischen Helfern fehlt es in der M-Klasse nicht. Aber wer in dieser Klasse aktive Kopfstützen zu den aufpreispflichtigen Extra macht und dafür 174 Euro in Rechnung stellt, sollte vielleicht ein paar Tage in der Marketingabteilung eines Volumenherstellers hospitieren. Die Lektion dort: Premium wird nicht nur über den Preis definiert.

Ebenfalls eine beliebte Preisfalle ist die Lackauswahl, die sparsamen Kunden nur eine sehr beschränkte Auswahl lässt. Wer seinen Wagen in einer attraktiven Farbe wünscht, muss häufig gleich auch Metallic- oder Mica-Effekte mitbezahlen und mehrt damit den Umsatz des Herstellers. Die wahrscheinlich dreisteste Farbauswahl bietet der kurz vor seiner Ablösung stehende Toyota RAV-4, den die Japaner nur in Weiß zum Basispreis verkaufen. Mit dieser Nicht-Farbe ist ein Geländewagen als Gebrauchter quasi unverkäuflich. Damit man sein Auto guten Gewissens vorzeigen und später auch wieder verkaufen kann, muss man für Silber, Schwarz, Grün oder Blau 450 Euro drauflegen.

Die Beutelschneiderei ist allerdings kein Privileg von Premium-Marken und Nischenmodellen. Selbst bei den so genannten Billigautos wird in die Trickkiste gegriffen, um die Rechnungssumme zu erhöhen. Ein aktuelles Beispiel ist der Citroen C1, für den die Franzosen mit einem Grundpreis von 8490 Euro werben. Doch wer das Auto kauft, muss entweder taub sein oder gut singen können. Denn ein Radio ist im Basismodell nicht verfügbar. Selbst als Option gibt es bei den Franzosen kein Angebot. Legt man Wert auf musikalische Unterhaltung, muss man 850 Euro mehr bezahlen und das Ausstattungsniveau "Style" bestellen - auf diesem dann darf man sich für weitere 420 Euro ein Radio einbauen lassen.

Raucher müssen 20 Euro Aufpreis zahlen

Doch wo Schatten ist, da gibt es auch Licht. Und das fällt zum Beispiel auf den VW Fox. Nun ist der als erster Volks-Wagen der Neuzeit angepriesene Brasilianer mit einem Grundpreis von 9075 Euro oder besser 10.550 Euro für die Version mit dem stärkeren Motor nicht wirklich ein Preisbrecher. Doch zumindest sorgen die Wolfsburger für ausgleichende Gerechtigkeit zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Üblicherweise kann man zwar jeden Wagen mit einem Nichtraucherpaket ohne Aschenbecher bestellen. Doch ist der Fox eines der ersten Autos, in dem sich die Enthaltsamkeit auszahlt. Denn dort kostet das Raucherpaket 20 Euro Aufpreis.

Natürlich sind diese Beispiele nur Einzelfälle, und wahrscheinlich werden die Kunden nicht bei jedem Extra derart abgezockt. Doch registrieren auch Experten einen Trend zu immer mehr Sonderausstattungen. "Hier dehnen erfinderische Marketing-Strategen und Entwickler die Optionspreislisten in unbekannte Längen", sagt etwa Nick Margetts, Geschäftsführer des Marktbeobachtungsinstituts Jato Dynamics in Limburg. "Auf der einen Seite ist das natürlich gut für den Kunden, weil er sein Auto so noch persönlicher gestalten kann", sagt der Experte. "Doch noch besser ist das für den Hersteller. Denn das nackte Auto lässt die Kassen nicht wirklich laut klingeln, in den Listen der Extras dagegen steckt richtig Gewinn."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.