Aufschwung für Kia und Hyundai Der Turbo aus Fernost

Wer ist die Nummer vier der Autowelt? Das könnte glatt die Eine-Million-Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?" sein. Denn nach Toyota, GM und VW folgt der Hyundai-Kia-Konzern. Vor zehn Jahren war Hyundai ein Nobody in der Branche und Kia pleite. Doch der schnelle Erfolg könnte auch gefährlich sein.


Als sie zusammengefunden hatten, da wurden die koreanischen Marken Hyundai und Kia von vielen belächelt. Wie sollte der neue Konzern mit den gesichtslosen Autos und der durchschnittlichen Technik den Platzhirschen aus Wolfsburg, Tokio oder Detroit gefährlich werden? Zehn Jahre danach sieht die Sache anders aus: Mittlerweile lächeln die Koreaner. Denn kein anderer Autohersteller hat zuletzt einen solchen Aufstieg hingelegt wie Kia und Hyundai. "Man nimmt uns ernst in der Welt", sagt Uwe Hannes, der das Deutschlandgeschäft von Kia leitet. "Im ersten vollen gemeinsamen Jahr lagen Hyundai und Kia auf Platz elf der Autohersteller-Weltrangliste, mit einem Jahresabsatz von gut 2,5 Millionen. Heute sind es mehr als fünf Millionen Autos und wir stehen auf Rang vier."

Mittlerweile sehen die Autos ansprechend aus, bieten ordentliche Technik und Verarbeitung und werden geschickt vermarktet. Vertriebsmanager anderer Marken räumen ein, man müsse jetzt wohl etwas stärker auf die Koreaner achten. Erst dieser Tage wurde gemeldet, dass Kia-Hyundai den japanischen Kontrahenten Toyota-Lexus als erfolgreichsten asiatischen Hersteller in Europa abgelöst hat. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres legte der Absatz von Kia-Hyundai um vier Prozent zu, der Marktanteil erreichte 4,5 Prozent; dagegen sacken die Toyota-Lexus-Verkäufe um 17 Prozent ab, der Marktanteil fiel auf 4,4 Prozent.

Auch in den USA melden die Koreaner überraschende Erfolge - zum Beispiel mit der neuen Limousine Hyundai Sonata: Von dem Modell, das unter dem Namen i40 im Sommer 2011 auch nach Deutschland kommen wird, wurden 2010 rund zwei Drittel Exemplare mehr verkauft als noch vom Vorgängerfahrzeug im vergangenen Jahr. Seit beinahe zwei Jahren wächst der US-Marktanteil von Hyundai-Kia Monat für Monat und liegt mittlerweile bei mehr als fünf Prozent. Zum Vergleich: VW dümpelt in den USA noch immer bei weniger als drei Prozent.

Den Weg, den vor Jahren die japanischen Hersteller eingeschlagen hatten, wählten auch die Koreaner - jedoch waren sie konsequenter und schneller. "Global denken, lokal handeln", beschreibt Hyundai-Europa-Sprecher Stephan Henrich das Erfolgrezept. Das gelte für die Technik, denn neben der Zentrale in Korea gebe es auch ein europäisches Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sowie ein amerikanisches in Kalifornien. Kia und Hyundai lassen längst auch in China, in den USA und in Europa produzierten. Und jede Marke habe Design-Studios in Seoul, im Großraum Los Angeles und in Deutschland.

Ein deutscher Designer verpasst Kia eine neue Identität

Um die Kia-Modelle ansehnlicher zu gestalten, verpflichtete der Hersteller den deutschen Designer Peter Schreyer. Er wurde unter anderem bekannt durch die Gestaltung Audi TT, und gibt nun Kia ein neues Erscheinungsbild. "Früher haben wir unsere Autos allein über den Preis verkauft und wurden als Billigmarke wahrgenommen ", sagt der europäische Marketing-Vorstand Benny Oeyen. "Dann wurde der Korea-Turbo gezündet, die Produkte und damit unser Image wandelten sich dramatisch."

Auch technisch legten die Koreaner zu. Längst sind Benzin-Direkteinspritzer und Commonrail-Diesel in Angebot, ebenso ein Hybrid-Antrieb in den Modellen Hyundai Sonata und Kia Optima.

Der Erfolg macht Mut zu neuen Modellen, die immer selbstbewusster antreten: Das Heckantriebs-Coupé Hyundai Genesis tritt in Europa gegen Audi TT oder Nissan 370 Z an, eine Genesis-Limousine im Format des BMW 5er folgt demnächst. Und wenn Kia ab August 2011 das neue Modell Optima in Deutschland verkauft, sind die Wettbewerber nicht mehr nur andere Import-Limousinen, sondern auch Klassiker des Genres wie Ford Mondeo oder VW Passat.

Doch das von den Japanern übernommene Konzept könnte für die Koreaner gefährlich sein. Schließlich hatte besonders Toyota 2010 große Probleme mit der Qualität und musste mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern.

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insgesamt 30 Beiträge
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Gani, 15.12.2010
1. Hyundai ein Nobody?
Nein, lieber Tom Grünwald, Hyundai war vor 10 Jahren kein Nobody, sondern in Asien bereits eine grosse Hausnummer. Es ist aber keine Überraschung, das Sie das nicht wissen. Die meisten im Westen glauben ja auch bis Heute noch, das Hyundai nur ein Autoschrauber ist.
blowup 15.12.2010
2. feine Sache
Eher durch Zufall bin ich ca. 20 Jahre lang deutsche Autos gefahren. Vor 4 Jahren war es dann ein neuer Passat, mit dem ich nur Ärger hatte und den ich schließlich wandeln musste. Warum also nicht Fernost, wenn deutsche Autos eher für hohe Preise denn für Qualität stehen? Seitdem fahre ich einen Hyundai Santa Fe - zu meiner vollsten Zufriedenheit.
axelkli 15.12.2010
3. Klasse Autos
Ich habe mir kürzlich mal den Minivan Kia Venga und jetzt gerade das Schwester-Modell Hyundai iX20 beim Händler angeschaut und war echt positiv beeindruckt. Flott gezeichnete, gut verarbeitete und zu fahrende und geräumige Autos, die auch noch in Europa hergestellt werden.
helmers 15.12.2010
4. Die Mercedesrostlauben haben keine Vorteile mehr
Wer zu überteuerten Preisen auch noch schlechte Qualität liefert wie Mercedes-Benz braucht sich nicht zu wundern.
Sherlock70 15.12.2010
5. Titel sind doof
Zitat von sysopWer ist die Nummer vier der Autowelt? Das könnte glatt die Eine-Million-Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?" sein. Denn nach Toyota, GM und VW folgt der Hyundai-Kia-Konzern. Vor zehn Jahren war Hyundai ein Nobody in der Branche und Kia pleite. Doch der schnelle Erfolg könnte auch gefährlich sein. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,734283,00.html
Oh weh! Da ist es ja das Körnchen Unglück, daß die braven Europäer dann doch davon abhalten könnte einen Hyundai zu kaufen....oder doch nicht? Diese "Gefahr" trifft auf ale Hersteller zu, wer sich dafür kein finanzielles Pölsterchen bereithält, ist selbst dran Schuld.
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