Ausgebremst Notarztwagen-Fahrer ohne Führerschein unterwegs

Ein Notarztwagen-Fahrer hat jahrelang Unfallopfer und Schwerkranke im Landkreis Bad Kissingen transportiert, ohne je einen Führerschein besessen zu haben. Der Mann flog auf, als er bei einer Radarkontrolle geblitzt wurde.


Krankenwagen im Einsatz: Keine Zeit für die Führerscheinkontrolle
DPA

Krankenwagen im Einsatz: Keine Zeit für die Führerscheinkontrolle

Bad Kissingen - Die Geschwindigkeitskontrolle, die dem Mann aus dem Landkreis Bad Kissingen jetzt zum Verhängnis wurde, war bereits im Oktober 2002 erfolgt. Bei zulässigen 100 km/h war der Autofahrer in seinem Privat-Pkw mit 151 km/h erwischt worden.

Die Ermittlungen kamen erst jetzt zum Abschluss, weil der Blei-Fuß sich monatelang geweigert hatte, seinen angeblich vorhandenen Führerschein vorzulegen. Er gab nun zu, seit 1994 ohne Fahrerlaubnis am Steuer von Rettungsfahrzeugen und Notarztwagen gesessen zu haben. Im Rahmen dieser Einsätze hat er circa 60 Fahrten pro Jahr absolviert. Seit 1992 ist er der Polizei zufolge mit Privatautos zu seinen Arbeitsstellen gefahren. Alle Fahrten, bei denen der führerscheinlose Mann am Steuer saß, endeten glücklicherweise unfallfrei.

Mehrfach versuchten die Beamten vergeblich, den Führerschein des Fahrers zu Gesicht zu bekommen. Ständig wurde sie mit Ausreden vertröstet. In einer ersten Anhörung hatte der Mann angegeben, dass er im Besitz eines Führerscheins sei, der 1987 von einer Führerscheinstelle in Oberbayern ausgestellt wurde.

Nach weiteren Ermittlungen kam heraus, dass der Autofahrer tatsächlich keine Fahrerlaubnis besaß. Der Fall gewann an Brisanz, weil einige Beamte der Polizeiinspektion Hammelburg auf dem Radarfoto zweifelsfrei einen Mann erkannten, der ihnen schon seit längerer Zeit als Notarztfahrer bekannt war.

Tatsächlich war der Beschuldigte ehrenamtlich als Fahrer für das Rote Kreuz unterwegs. Bei der Geschäftsstelle in Bad Kissingen ist man fassungslos. "Auf dem alten Aufnahmenbogen ist nicht abgefragt worden, ob die Mitarbeiter einen gültigen Führerschein haben. Wir waren nicht argwöhnisch, schließlich ist er immer im eigenen Fahrzeug zum Dienst gekommen." Bereits seit fünf Jahren gebe es jedoch einen neuen Fragebogen, der auch den Besitz einer Fahrerlaubnis kontrolliere.

Der leichtsinnige Fahrer hat mittlerweile ein Geständnis abgelegt. Jetzt wird Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gegen ihn erstattet. Sein Vergehen kann ihm nun teuer zu stehen kommen. Karl-Heinz Schmitt, Pressesprecher der Polizei in Bad Kissingen erklärt: "Die Entscheidung trifft die Justiz. Für dieses Vergehen sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe, abhängig vom Einkommen, vor."



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