Fahrzeuge im Abonnement Die neue Art, ein Auto zu besitzen

Autokauf? Zu teuer. Carsharing? Zu unbequem. Wer Autos fahren, sich aber nicht ums Fahrzeug kümmern will, wird jetzt bedient: Immer mehr Firmen bieten All-inclusive-Auto-Angebote auf Zeit an. Wie funktioniert das?

faaren

Autokauf ist eine komplizierte, zeitraubende Angelegenheit. Bis zu zehn Unterschriften sind nötig, drei davon unter jeweils separate Datenschutzerklärungen. Eine Versicherung muss abgeschlossen werden, die Zulassung organisiert und, na klar, das Auto überhaupt erst einmal ausgesucht, begutachtet, Probe gefahren werden.

"Mit unserer digitalen Buchung per Cluno App hast du dein Auto in weniger als 3 Minuten gebucht", verspricht hingegen der 2017 gegründete Münchner Auto-Abo-Anbieter Cluno. Auto-Abo? Das funktioniert so ähnlich wie andere Abos auch, etwa die Gemüsekiste vom Biobauernhof, der Mobiltelefonvertrag oder das Zeitschriftenabo. Wer es nutzt, bucht zu einem monatlichen Festbetrag ein Auto auf Zeit.

Das Konzept Auto-Abo ist die jüngste Spielart der Fahrzeugnutzung, angesiedelt zwischen Carsharing und Leasing. Doch anders als beim Carsharing besitzt man einen eigenen Pkw für den gewünschten Zeitraum, und anders als beim Leasing ist dieser Zeitraum deutlich kürzer. Die Mindestlaufzeit eines Auto-Abos beträgt je nach Anbieter zwischen einen und sechs Monate. Immer gleich ist jedoch die Grundidee: Für einen All-inclusive-Fixbetrag pro Monat gibt's ein Auto. Lediglich die Spritkosten zahlt der Nutzer zusätzlich.

Alles Weitere, also Versicherung, Steuern, GEZ-Gebühren, die Kosten für Wartung, Instandhaltung und Verschleißteile, TÜV und Abgasuntersuchung sowie der Wertverlust, sind mit dem Monatsbetrag abgegolten. Im Blick behalten sollte der Auto-Abonnent allerdings die zurückgelegten Kilometer. Bei Cluno beispielsweise sind pro Monat 1250 Kilometer inklusive, jeder weitere Kilometer kostet 20 Cent extra; nicht genutzte Kilometer wiederum verfallen nicht, sondern können im Folgemonat addiert werden.

Eine wichtige Größe: Die Anzahl der Freikilometer

Beim Auto-Abo-Anbieter Faaren wiederum können unterschiedliche Kilometerpakete pro Monat gebucht werden, von 1250 bis 3330 Kilometer. Bei Vive La Car reichen die Freikilometerpauschalen von 200 bis 2500 Kilometer und können, je nach Bedarf, monatsweise angepasst werden. Die Beispiele zeigen, dass sich ein Vergleich der unterschiedlichen Anbieter lohnt. Zumal jedes der Auto-Abo-Start-ups zwar schnellen, unkomplizierten und flexiblen Autobesitz verspricht, es aber doch Unterschiede gibt bei der Preisgestaltung, dem Fahrzeugangebot, der Wartezeit bis zur Verfügbarkeit des Wagens, den Kündigungsfristen und beim Geschäftsmodell.

Cluno beispielsweise verlangt bei der ersten Anmeldung eine einmalige Gebühr von 299 Euro, und die Autos, die im Abo angeboten werden, gehören dem Unternehmen. Auch Carminga vermittelt eigene Autos, während die Firma Faaren Abos für Pkw vermittelt, die von kooperierenden Autohäusern, Autovermietungen oder Herstellern dafür bereitgestellt werden. Das vor einem Jahr gegründete Start-up Vive La Car wiederum arbeitet ausschließlich mit Markenvertragshändlern zusammen. Derzeit sind es 108 Betriebe mit insgesamt 300 Standorten von mehr als 20 Automarken in Deutschland.

Vive La Car propagiert "eine neue Leichtigkeit" beim Autobesitz

Vermittelt werden von Vive La Car fast ausnahmslos Neuwagen. Das Konzept ist nicht nur für Kunden attraktiv, sondern auch für die Markenhändler. Der Grund: Von den etwa 3,4 Millionen Neuzulassungen in Deutschland sind rund ein Drittel sogenannte Tageszulassungen. Die Autos tauchen damit in den Verkaufs- und Zulassungsstatistiken auf und stützen den Marktanteil der jeweiligen Marke, stehen de facto aber nach wie vor beim Händler. "Und die Standkosten eines Neuwagens beim Händler belaufen sich auf mindestens 20 Euro pro Tag", sagt Stephan Lützenkirchen, Sprecher von Vive La Car. Ziehe man dazu die durchschnittliche Standzeit von Neuwagen beim Markenhändler von aktuell 94 Tagen in Betracht, verstehe man sofort, weshalb die Betriebe ein hohes Interesse daran hätten, die Autos beispielsweise durch ein Abomodell auf die Straße zu bringen, erklärt Lützenkirchen.

Auto-Abos

Name Web Mindest­alter Mindest­laufzeit Preis
Carminga carminga.com 21 6 Monate 245 €
Peugeot 108
Cluno cluno.com 23 6 Monate 259 €
Toyota Aygo
Faaren faaren.com 18 1 Monat   334 €
Renault Twingo
Like2Drive like2drive.de 21 6 Monate 199 €
Mitsubishi Spacestar
Vive La Car vivelacar.com 21
(mind. 3 Jahre Führer­schein)
3 Monate 214 €
Skoda Citigo

Auf jeden Fall erhalten die Hersteller wertvolle Kundendaten. Und im besten Falle wird aus einem Auto-Abonnenten ein Autokäufer. Denn das Abomodell bietet auch eine unverbindliche Möglichkeit, sich auszuprobieren. Zum Beispiel, ob neue Technologien wie Elektroautos zum eigenen Nutzungsprofil passen. Bei Vive La Car etwa kann man einen Citroën Berlingo Electric ab 258 Euro pro Monat abonnieren, einen Renault Zoe ab 386 Euro. Für Kunden wiederum ist ein E-Auto-Abo eine risikolose Gelegenheit, um auszuprobieren, ob ein Wagen mit Akkuantrieb in ihren Alltag passt.

Auto-Abos, so zeichnet sich ab, könnten für Menschen, die kurzfristig und für einen überschaubaren Zeitraum ein eigenes Auto benötigen, eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten vom Autokauf bis hin zum Carsharing sein. Das zeigt sich auch daran, dass auch der Autovermieter Sixt inzwischen ein Abomodell im Angebot hat und zahlreiche Autohersteller ebenfalls mit diesem neuen Vertriebskanal experimentieren. Bei Volvo heißt die Abovariante "Care by Volvo", Mercedes nennt sein Pilotprojekt "Mercedes me Flexperience" und offeriert für 750 Euro pro Monat für ein Jahr lang jeden Monat ein anderes Modell im Abo. Audi, BMW und Porsche testen derzeit Abomodelle in den USA und Seat bietet mit Conqar ein Abo für TGI-Modelle (Erdgasfahrzeuge) an, bei dem sogar die Tankkosten inkludiert sind.

Was bei all diesen Angeboten auffällt: Es geht um Kosten, Bequemlichkeit, schnell verfügbare Individualmobilität. Um das Auto als Objekt von Leidenschaft und Besitzerstolz geht es nicht mehr. Ein Abo lässt sich eben auch mit einer Unterschrift kündigen.



insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
2cv 04.12.2019
1. noch mehr Blech...
Und wieder ein System, das in noch höherer Geschwindigkeit neues Blech auf die Straße katapultiert. Noch kürzere Fahrzeugdurchlaufzeiten, noch mehr Gebrauchtwagen. Nachhaltigkeit sieht anders aus... und der Verkehrsraum Strasse ist begrenzt.
mikaiser 04.12.2019
2. Parkraumbewirtschaftung
Ich habe nach dem Diebstahl meines Autos zunächst aus der Familie einen gerade nicht genutzten Wagen zur Dauerleihe erhalten. Alleine die Anmeldung in der Parkzone dauerte drei Wochen und bedeutete sehr viel Stress, denn es ist nicht mein Auto und hat ein auswärtige Kennzeichen. Ich glaube nicht, dass die Anbieter dafür eine Lösung finden.
t55 04.12.2019
3. Abo in 3 Minuten
Auch bei Cluno sind mehrere Unterschriften notwenidig sowie Einreichung von zahlreichen Unterlagen, Prüfung von zahlreichen Unterlagen, und dann wieder weitere Unterschriften. In drei Minuten funktioniert hier allenfalls eine Interessensbekundung. Schade, dass der Slogan von Cluno ungeprüft übernommen wurde. Die Realität sieht leider anders aus. Und - wer benötigt für eine Kündigung eine Unterschrift?
netterscheff 04.12.2019
4. Neier Tag, neue Namen ...
für eine alte Sache, die Langzeitmiete. Aufgehübscht um eine Datensammelapp zu einer Grundgebühr. Um ein Auto zu mieten, schmeiße ich also meinen, für den Anbieter kostenlos und kontinuierlich abzockbaren, Daten auch noch eine "Grundgebühr" hinterher. Ey Leute, ich will doch nur ein Auto.... Mit was man heute Geld machen kann. Wenn's ne App gibt, fällt den Leuten sofort das Hirn aus dem Kopf.
durchsichtig 04.12.2019
5. Is klar
"Ums Auto als Objekt von Leidenschaft und Besitzerstolz geht es nicht mehr." Solch Hochgefühle stellen sich bei Autochen wie Twingo oder Citigo auch nur sehr begrenzt ein. Bei einem gediegenen Fahrzeug der Oberklasse stellt sich das anders dar. Ja, da bin ich zugegebenermaßen auch betroffen, obwohl ich die Kiste nicht selbst gebaut habe. Das sanfte dahingleiten, der Schub, die Verarbeitung... hach!
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