Auto-Communitys Vollgas-Facebooks im Leerlauf

Das Mitmach-Web hat die Autobranche erreicht: Auf mehreren neuen Community-Portalen können Pkw-Besitzer Fahrberichte schreiben, Modelle bewerten oder sich ihre persönliche Traumgarage zusammenstellen. Das User-Echo ist bislang überschaubar - die Motorenfans tummeln sich anderswo.


Wenn die PS-Fraktion nicht zur Community kommt, muss die Community eben zur PS-Fraktion kommen: Vergangenen September lud das Portal Carmondo 50 Vielschreiber aus verschiedenen Internet-Autoforen zu einem Fahrtraining auf die Bosch-Teststrecke nach Boxberg. Diverse Flitzer, darunter BMW Z4 oder Audi S4, stellte das Internet-Unternehmen gratis zur Verfügung. "Ich habe", sagt Carmondo-Chef Konstantin Sixt, "da ganz gute Beziehungen."

In der Tat. Sein Vater ist der Mietwagen-Maestro Erich Sixt, dessen gleichnamiges Unternehmen über einen recht passabel ausgestatteten Fuhrpark verfügt. Inzwischen hat Carmondo weitere Offline-Events veranstaltet, zuletzt einen A4-Test in Leipzig. Mit den aufwendigen Aktionen will die 100-prozentige Tochter des Autoverleihers mehr Nutzer auf ihre Seite ziehen.

Carmondo, Autoki, Carsablanca: Mehrere Start-ups versuchen derzeit, mit auf Autofans zugeschnittenen Web-2.0-Konzepten zu punkten. Die Rechnung ist einfach: Was bei MySpace, StudiVZ oder Dooyoo funktioniert, müsste auch beim Thema Auto hinhauen. Die Nutzer sollen sich eine Online-Profilseite mit ihren Lieblingskarossen anlegen, Fahrzeuge bewerten, sich ein Netzwerk von befreundeten Benzinfanatikern schaffen. Und weil kaum jemand so viel Werbung schaltet wie die Autohersteller, könnte das Ganze bei entsprechendem User-Interesse ein Riesengeschäft werden. Das genau ist allerdings der Haken. Bisher sind die Klickraten bei allen drei Newcomern bescheiden.

Neuwagen, Oldtimer, Kultkarossen

Dabei sind die Ansätze grundverschieden. Konstantin Sixt etwa konzentriert sich auf die Neuwagen. "Unser Fokus ist die Kaufentscheidung", sagt er. "Es geht in unseren Foren nicht vorrangig darum, wie man seinen Wagen noch tiefer legen kann." Vielen Konsumenten seien die Tests in klassischen Autozeitschriften zu technisch, glaubt der Jungunternehmer. "Wir wollen mit subjektiven User-Berichten eine Alternative bieten."

Das Berliner Portal Autoki setzt hingegen eher auf den Spaßfaktor. Nutzer können eine Profilseite für ihr Auto anlegen und ihre Autos bei Abstimmungen ("Welches Auto hat mehr Style?") gegeneinander antreten lassen. Die Hamburger Community mit dem etwas kalauerigen Namen Carsablanca (Slogan: "Liebe geht durch den Wagen") konzentriert sich hingegen auf Oldtimer. Neben Foren und Steckbriefen bietet das Portal einen Marktplatz, wo man seine betagte Schönheit verkaufen kann. "Wir bieten einen Treffpunkt für Liebhaber alter Fahrzeuge, die sich vor allem für den Lifestyleaspekt interessieren", sagt Gründer Peter Kabel.

Oldtimer, Neuwagen. Kultkarossen - die Nutzer interessiert es bislang wenig. Zwar sind vor allem Carmondo und Carsablanca durchweg ordentlich gemacht (siehe die Fotostrecke für eine Bewertung der einzelnen Seiten). Die Klickzahlen sind aber bislang bescheiden. Carsablanca hat rund 500.000 Page Impressions (PI), Autoki liegt bei zwei Millionen; Carmondo kommt nach sechs Monaten auf 2,8 Millionen PIs. Da hat sogar der "Schwarzwälder Bote" mehr.

Trend zur Zweit-Community?

Liegt es daran, dass Autofans lieber offline über die Autobahn brausen und sich auf richtigen Parkplätzen treffen? Nicht unbedingt. Autoforen gehören zu den ältesten Seiten im Netz, selbst Spezialangebote wie das Porsche Fanforum (PFF) kommen auf mehr als zwei Millionen PIs. "Wer seit vielen Jahren in seinem Forum verwurzelt ist, geht dort nicht einfach weg, weil woanders eines mit modernerem Layout aufmacht", glaubt Tom Kedor, Geschäftsführer von Motor Talk. Seine Seite ist das Dickschiff unter den Autoforen - mit 750.000 registrierten Nutzern, über 16 Millionen Beiträgen und fast anderthalbmal soviel Klicks wie die Online-Version von "Auto Motor und Sport".

Konstantin Sixt ist dennoch überzeugt, dass es eine User-Gruppe gibt, denen klassische Foren zu verschachtelt sind. Und überhaupt: "Viel Nutzer aus Fachforen legen sich bei uns eine weitere Online-Identität an", sagt er. "Auf der einen Plattform sind sie Experten für die B-Klasse, in einem anderen für die C-Klasse". Vielleicht ist es ja bei Autoforen wie bei richtigen Fahrzeugen: Wer eines hat, will noch ein zweites.



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