Kotflügel, Scheinwerfer, Motorhauben Preise für Autoersatzteile deutlich gestiegen

Die Reparaturen von Autos sind in den vergangenen Jahren merklich teurer geworden, da die entsprechenden Ersatzteile immer mehr kosten. Eine Gesetzesänderung soll dies jetzt stoppen.

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Autoersatzteile wie Motorhauben, Kotflügel oder Scheinwerfer sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden - und damit auch die Reparaturkosten nach Unfällen. Das geht aus einer Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Demnach kosten beispielsweise Rückleuchten inzwischen doppelt so viel, wie noch vor sechs Jahren.

Der GDV beobachtet die Preisentwicklung seit 2013. In dieser Zeit stiegen die Kosten für Ersatzteile deutlich schneller als die Inflationsrate: Pkw-Ersatzteile verteuerten sich im Schnitt um fast 30 Prozent, während der Verbraucherpreis-Index im selben Zeitraum um 8,8 Prozent stieg.

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Kotflügel, Scheinwerfer & Co.: Preise für Ersatzteile deutlich gestiegen

Demnach kostete ein Pkw-Schaden die Kfz-Haftpflichtversicherer im Jahr 2013 im Schnitt rund 2400 Euro. Im vergangenen Jahr habe die durchschnittliche Schadenssumme bei 2800 Euro gelegen. Das habe laut GDV bei den Versicherern zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen geführt.

Am stärksten stieg seither der Preis für Rückleuchten - um mehr als die Hälfte auf im Schnitt 212 Euro im laufenden Jahr - pro Rückleuchte. Der Preis für Kofferraumklappen legte zwischen 2013 und 2019 um immerhin 40 Prozent auf durchschnittlich 665 Euro zu. Betrachtet man nur das vergangene Jahr, stiegen die Ersatzteilpreise von August 2018 bis August 2019 im Schnitt um vier Prozent.

Preise für Auto-Ersatzteile 2018 und 2019

Ersatzteil Preis August 2018 Preis August 2019 Entwicklung
Crashbox vorn 64 € 69 € 6,8 %
Kotflügel vorn 223 € 238 € 6,6 %
Scheinwerfer 689 € 725 € 5,2 %
Stoßfängerquerträger hinten 162 € 171 € 5,1 %
Motorhaube 485 € 509 € 5,0 %
Seitenwand hinten 597 € 625 € 4,7 %
Tür hinten 592 € 619 € 4,6 %
Kühler 301 € 315 € 4,6 %
Stoßfängerquerträger vorn 176 € 184 € 4,5 %
Stoßfänger hinten 388 € 405 € 4,4 %
Windschutzscheibe 421 € 440 € 4,4 %
Tür vorn 567 € 591 € 4,2 %
Kofferraumklappe 639 € 665 € 4,1 %
Kühlergrill 132 € 136 € 3,6 %
Stoßfänger vorn 409 € 424 € 3,5 %
Rückleuchten 205 € 212 € 3,4 %
Kondensator 353 € 364 € 3,0 %
Parksensor hinten 95 € 97 € 2,8 %
ACC Radar Front 943 € 967 € 2,5 %
Radar Totwinkelwarner 641 € 640 € -0,1 %

Durchschnittliche Preise für Ersatzteile von 34 im Zeitverlauf vergleichbaren Fahrzeugtypen (inkl. MwSt.); Quelle: GDV

Die hohen Preise liegen aus Sicht der Versicherer auch am sogenannten Designschutz, der Herstellern von sichtbaren Autoersatzteilen ein zeitlich begrenztes Monopol auf die Erscheinungsform der Teile einräumt. Werkstätten dürfen dann nicht auf günstigere Alternativen von freien Herstellern zurückgreifen.

Gesetz soll Preisanstieg stoppen

Die Bundesregierung will das ändern - mit einem Gesetzentwurf, der den Designschutz aufheben will. Autoteile sollen dadurch günstiger werden. Das Gesetz soll allerdings nur für Designs gelten, die nach dem 1. Januar 2020 eingereicht werden. Den Händlern geht das nicht weit genug. Die Autoindustrie wiederum wehrt sich generell gegen die Aufhebung des Designschutzes. Sie sieht darin eine wichtige Voraussetzung für Investitionen und Innovation.

Für die Untersuchung hat der GDV 34 verschiedene Fahrzeugtypen recherchiert. Die Auswahl der Fahrzeuge umfasst dabei mehrere Hersteller und Kleinwagen ebenso wie Oberklassemodelle. Es wurden Preise von Ersatzteilen erhoben, die nach Unfällen häufig ausgetauscht werden müssen - vom vorderen Stoßfänger bis zum Parksensor. Welche Teile am teuersten geworden sind und was sie derzeit kosten, sehen Sie in der Fotostrecke.

cfr/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
bluemetal 25.09.2019
1. ursache
Gerade bei Rücklichtern und Scheinwerfern stellt sich aber die Frage, ob deren Teuerung nicht auch mit einem Trend er letzten paar Jahre zu tun hat: Hochpreisige animierte LED-Rücklichtern sowie Laser- und Xenon-Scheinwerfern bei denen insbsondere der Gesetzgeber zusätzlich auch noch eine automatische Höhenverstellung und Waschdüsen vorgeschrieben hat. So kosten moderne Scheinwerfer auch wegen des Gesetzgebers gerne mal ein paar tausend Euro pro Stück.
z3sechszylinder 25.09.2019
2. Artikel viel zu kurz und unpräzise
Autofahren wird teuerer, so wie der erste schon geschrieben hat, die Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum bösen SUV haben sich massiv verändert, man kann Unfälle von 2005 bis heute nicht vergleichen, das Zusammenspiel vieler Komponenten, ob elektronisch, mechanisch wird die Preise noch mehr steigen lassen, ab 2021 muss laut gesetzlicher Änderung bei einer Abgasuntersuchung die Partikelzählung durchgeführt werden, das heißt die Werkstätten müssen stark investieren und dann auf die Preise umlegen
archiebald 25.09.2019
3. Software zur Ermittlung von Maximalpreisen
Ich erinnere mich an diverse Artikel und einen, wirklich sehr kleinen Aufschrei, nachdem publik wurde, dass Wirtschaftsberatungsunternehmen an Autohersteller herangetreten sind, um diesen ihre neu geschaffenen Berechnungsformeln zur Ermittlung maximaler Ersatzteilpreise anhand von statistischen Daten zu präsentieren... Dass Autohersteller im Ersatzteilmarkt sehr viel Geld verdienen, ist doch nichts verwunderliches. Auch die Tatsache nicht, dass Ersatzteile von Neuerscheinung zu Neuerscheinung aufwendiger und damit teurer werden. Grundsätzlich sollte jedoch jedem klar, dass neue und teure Autos IMMER mit erheblichen Kosten verbunden sind.
jasper366 25.09.2019
4.
Zitat von bluemetalGerade bei Rücklichtern und Scheinwerfern stellt sich aber die Frage, ob deren Teuerung nicht auch mit einem Trend er letzten paar Jahre zu tun hat: Hochpreisige animierte LED-Rücklichtern sowie Laser- und Xenon-Scheinwerfern bei denen insbsondere der Gesetzgeber zusätzlich auch noch eine automatische Höhenverstellung und Waschdüsen vorgeschrieben hat. So kosten moderne Scheinwerfer auch wegen des Gesetzgebers gerne mal ein paar tausend Euro pro Stück.
Nunja, die Höhenverstellung ist ja sowieso schon lange vorgeschrieben, ob die manuell je nach Beladung betätigt wird (was natürlich kaum jemand macht) oder ob die Scheinwerfer permanent automatisch justiert werden, macht von der Technik her wenig Unterschied. Scheinwerfereinigungsanlagen sind in D nur ab einer bestimmten Lumenzahl (mehr als 200 Lumen) vorgeschrieben, mein Fahrzeug mit LED Scheinwerfern hat keine, Baugleiche Fahrzeuge, ursprünglich für z.B. Dänemark vorgesehen, haben hingegen eine verbaut.
burlei 26.09.2019
5. Die Preise für Auto-Ersatzteile ...
... sind wohl tatsächlich niedriger als man denkt. Vor einigen Jahren wurde ein Hersteller für u.a. Autoscheinwerfer in NRW von Mitarbeitern über Monate bestohlen. In einem Zeitungsbericht über die Gerichtsverhandlung wurde - ob aus Zufall oder nicht - der Preis des Diebesgutes genannt. Ein paar hochwertige Scheinwerfer für den VW Passat, Listenpreis um die 800 oder 900 Euro, wurden vom Hersteller für 169 Euro an VW verkauft.
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