Auto-Quartett Rostlaube sticht

Die Kulturgeschichte der Schulhofspiele steht zwar noch aus, doch ein solches Unterfangen käme am Auto-Quartett nicht vorbei. Die Zeit, als man mit Sätzen wie "310 Spitze, sticht!" die Pause füllte, ist lang vorbei. Die Faszination der bunten Karten aber lebt weiter.


Klar hatte der Braunschweiger Designer Marcus Anlauff in seiner Schulzeit auch Auto-Quartett gespielt. Und als er - längst erwachsen und berufstätig - vor einem Stapel Auto-Fotografien saß, die er während zweier Kubareisen aufgenommen hatte, war es nicht mehr allzu weit bis zu der Idee: ein Auto-Quartett sollte daraus entstehen. "Die Realisierung war aber dann doch schwieriger als erwartet, denn ich wollte unbedingt das Flair von früher nachahmen", berichtet Anlauff. Auf der Suche nach einer Druckerei, die noch Spielkarten im klassischen Format und aus extradickem Karton herstellen kann, wurde erst in Wien fündig. Und so entstand das Quartettspiel "Cars of Cuba - American Classics" (Preis: 4,95 Euro) - das vergilbte Straßenkreuzer zeigt, die auf der Karibikinsel noch immer im Einsatz sind und einen rostigen Charme verströmen.

Auf den 32 Spielkarten sind zahlreiche US-Klassiker in manchmal noch recht ordentlichem, oft aber auch besorgniserregendem Zustand zu sehen. Ein fleckig lackierter Chevrolet Bel Air von 1957 etwa oder ein noch recht gut erhaltener Ford Edsel Citation von 1958; ein ranziger Plymouth Belvedere von 1958, ein Cadillac 62 Special von 1952 und ein leicht hinkender Oldmobile Dynamic 88 von 1959. Wer nicht nur gucken und staunen will, kann auch spielen. So wie früher, denn die wichtigsten Daten wie Hubraum, Zylinder, PS oder Höchstgeschwindigkeit sind natürlich angegeben.

Weil Marcus Anlauff, der im Hauptberuf als Designer arbeitet, Spaß an der Quartett-Sache hatte, legte er inzwischen ein zweites Spiel auf. "Edelrost - Vergessene Schätze" ist der Titel, und zu sehen gibt es "Automobile Klassiker in Haus, Hof und Garten", wie der Untertitel erklärt. Zum Teil stammen die Fotos wieder von Anlauff selbst, zum Teil sind es auch Bilder des Fotografen Herbert W. Hesselmann.

Und es soll weitergehen mit ungewöhnlichen, neuen Auto-Quartettspielen im alten Stil. In Vorbereitung ist ein Spiel mit Autos aus Kinoklassikern und Fernsehserien. Außerdem sammelt Anlauff Bilder von verrückt umgebauten Oldtimern und von frisierten Mofas aus der Zeit, als das Auto-Quartett noch zur ganz normalen Pausenunterhaltung gehörte.

jüp

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