Auto-Vorschau 2009 "Es wird sehr grausam"

Selten waren die Prognosen für den Automarkt in Deutschland derart düster wie zu diesem Jahreswechsel. Trotzdem wird die Industrie 2009 mehr als hundert neue Modelle vorstellen. Vier Experten erklären, welche Karossen Hit-Potenzial haben.

Von Jürgen Pander


Wenn Autos innerhalb weniger Monate entwickelt würden – im kommenden Jahr gäbe es wohl nur über wenig neue Modelle zu berichten. Denn die Industrie rumpelt gerade über eine holprige Wegstrecke, einige Hersteller schlingern sogar gefährlich nah am Abgrund. Doch weil es vier bis fünf Jahre dauert, bis ein Auto serienreif ist, kommen im jetzt schon zum Krisenjahr ausgerufenen 2009 ebenso viele neue Pkw auf den Markt wie sonst auch; es werden mehr als hundert Typen sein, deren Entwicklung in einer Zeit begann, als es weder eine Klimadebatte, eine Benzinpreisrallye und geschweige eine globale Finanzkrise gab.

Entsprechend konventionell sieht die Neuware auch aus, die im kommenden Jahr auf den Markt rollen wird. Von der "zweiten Erfindung des Automobils", die Daimler-Chef Dieter Zetsche unlängst im Zusammenhang mit Hybrid- und Elektromobilen des Konzerns ausgerufen hat, kann im Zusammenhang mit den frischen Modellen jedenfalls nicht die Rede sein. Trotzdem gibt es in der Flut der Novitäten einige Autos, die aus der Masse herausragen. Weil sie wenigstens ein bisschen zukunftweisend sind, sie aktuelle Trends bedienen oder weil sie ein wenig durchdachter sind als ihre jeweiligen Vorgängermodelle.

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen zum Beispiel hält acht der kommenden Auto-Neuheiten für besonders erwähnenswert. Die Mercedes E-Klasse wegen der neuen Designsprache und der ökonomischen Bedeutung des Modells für die Marke; den Porsche Panamera, weil die Zuffenhausener mit dem Auto "die frühere Nischenrolle und die Konzentration auf das Sportwagensegment endgültig aufgeben".

Trend zur Miniaturisierung

Audi A5 Cabrio, Ford Ka und Alfa Romeo 149 hält Dudenhöffer für Schlüsselmodelle der jeweiligen Marken, ebenso den BMW X1, der als erster kompakter Edel-SUV positioniert werden soll. Schließlich hebt der Autoexperte die beiden Toyota-Debütanten iQ und Prius hervor. Ersteren, weil der Kleinstwagen dem neuen Trend zur Miniaturisierung folgt, und das neue Hybrid-Auto, weil mit ihm "ein Kostensprung bei der Voll-Hybrid-Technik realisiert" werde. Insgesamt jedoch ist Dudenhöffer pessimistisch. "Es wird sehr grausam", ist der Tenor seiner Prognose für den deutschen Automarkt.

Einen internationaleren Blick wirft Nick Margetts, Deutschland-Geschäftsführer des Marktbeobachters Jato Dynamics auf die Autoszene. In Europa hält Margetts den Opel Insignia und den Toyota iQ für die wichtigsten Modelle. "Der Insignia ist aus unserer Sicht gut ausgestattet und preislich sauber positioniert. Dieser Wagen muss im Markt einschlagen, hat aber auch zweifellos die Substanz dazu." Als Erfolg versprechend stuft der Analyst auch den Autozwerg von Toyota ein. "Der iQ passt zu den wichtigsten Käufer- und Wirtschaftstrends und kann sich auf eine Zulassungswelle freuen. Auf solche Autos warten viele."

Margetts hält zudem das indische Basisauto Tata Nano für eines der großen Themen 2009. "Auch wenn das Auto an sich keine Neuigkeit mehr ist, wird die Marktentwicklung des Wagens in Indien viel aussagen, denn hier steckt Potenzial, um ein ganzes Land im großen Stil automobil zu machen."

Gelungener Insignia

Wieder ganz auf den deutschen Markt konzentrieren sich die Prognosen von Martin Hölz, Partner und Autoexperte des Beratungsunternehmens Deloitte. Zu seinem Top-Quartett für 2009 gehören Opel Insignia Kombi, Porsche Panamera, Mercedes E-Klasse und der neue VW Polo. Für Panamera, E-Klasse und Polo sieht Hölz trotz der insgesamt schwierigen Situation gute Aussichten auf Erfolg. "Diese Modelle werden wohl nahtlos an die Erfolgsgeschichte ihrer Vorgänger anknüpfen." Beim Opel Insignia sei die Lage weniger eindeutig. Hölz: "Mit Blick auf die prekäre Situation bei Opel hoffen wir, dass dieses nach unserer Ansicht technisch und optisch gelungene Fahrzeug nicht durch die Krise bei der Konzernmutter General Motors negativ beeinflusst wird."

Weniger wirtschaftlich als vielmehr stilistisch geprägt ist die Vorhersage von Othmar Wickenheiser, Design-Professor an der Hochschule München. "Entgegen aller Kritik am Automobil und den Forderungen nach revolutionären neuen Fahrzeugkonzepten zeichnen sich die Neuvorstellungen im Autojahr 2009 weder durch Designhysterie noch formale hektische Betriebsamkeit aus – und das ist gut so", sagt Wickenheiser. "Solange keine radikalen Antriebsinnovationen aus den Ingenieursabteilungen kommen, wären exaltierte Designexperimente einfach deplaziert."

Die Familie wird sportlich

Gestalterische Innovationen sind also nicht zu erwarten. Der neue Ford Ka ahmt nach Wickenheisers Einschätzung das Erfolgskonzept des Fiat 500 nach, "ohne jedoch eine Ikone als Vorgängermodell aufweisen zu können"; der Toyota iQ sehe "unentschlossen und als Neuvorstellung bereits alt" aus. Wickenheisers Lob ernten das Design des Kleinwagens Kia Soul sowie der Porsche Panamera. "Bis auf den hölzern wirkenden Schwellerbereich ist der neue Porsche keine experimentelle Neuerscheinung, sondern der gelungene Transfer der stilistischen Merkmale des Mythos 911 auf einen atemberaubenden, familientauglichen Sportwagen."

Das Autojahr 2009 verspricht also solide Hausmannskost. Spannender dürfte die wirtschaftliche Entwicklung etwa für den GM-Konzern sein. Er und auch alle anderen Autobauer sind gefordert, schnell sinnvolle Konzepte auf die Straße zu bringen - auch in Bezug auf die CO2-Grenzwerte - und die müssen nicht nur sparsam, sondern auch alltagstauglich und zuverlässig sein.



insgesamt 18 Beiträge
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Pinarello, 22.12.2008
1. Tja, es läuft einfach weiter und kann nicht gestoppt werden.
Tja, die Maschinerie des Konsumierens sowie das haltlose Verschwenden von Ressourcen geht einfach munter weiter und ist offenbar mit friedlichen Mitteln nicht aufzuhalten. Für die Zukunft der Menschheit sowie des Trabanten keine schönen Aussichten. Man sollte sich so langsam auf die Suche nach einem neuen undd unverbrauchten Planeten machen, denn dieser macht es nicht mehr lange.
W. Robert 22.12.2008
2. Zausel
Sieh an, ein zeitgemäßes Auto mit einem Design, wo man nicht gleich ausgelacht wird. Es geht also, wenn auch nicht in Deutschland. Das Ding heißt IQ und stammt von Toyota. Da sieht der Smart sehr alt aus. Deutschland macht die selben Fehler wie die USA: Zu billig-protzig (Mercedes E-Klasse), zu spießiges, pseudomodernes Design (Polo, Insignia, Audi), völlig missglückt (Porsche Panamera). Alle deutschen Autohersteller müssen dringendst ihre Designabteilung austauschen, endlich die Design-Depression der 80er Jahre überwinden. Nur das vielgescholtene BMW-Design kann sich noch halbwegs sehen lassen. Wer mutwillig die Autos auf silbergrauen Einheitsbrei im Plastiklook reduziert bekommt die Quittung früher als er denkt. Nach Lektüre des Artikels rate ich dazu, genau das Gegenteil von 911-Zausel Professor Wickenheiser zu machen;-)
Michael Giertz, 22.12.2008
3. Mein "Arbeitsauto" ...
Zitat von sysopSelten waren die Prognosen für den Automarkt in Deutschland derart düster wie zu diesem Jahreswechsel. Trotzdem wird die Industrie 2009 mehr als hundert neue Modelle vorstellen. Vier Experten erklären, welche Karossen Hit-Potenzial haben. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,597865,00.html
Forderungen meinerseits: - Ein Kleinwagen, der tatsächlich nicht mehr als 3 Liter Sprit / 100km verbraucht, und zwar Stadtkilometer. - Das Modell sollte nicht teurer als 12.000 Euro sein, mit allen Extras (aber ohne Klimaanlage - brauch ich nicht.) - Das Gewicht des Kleinwagens darf 800 kg nicht übersteigen. - Kleiner Wenderadius, gutes Handling - Effizienzgeschwindigkeit: 130 km/h - Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h Ich bin Single, von daher reicht mir ein Kleinwagen vorerst völlig aus. Er soll aber sowohl Stadt- wie auch Autobahntauglich sein, d.h. möglichst günstigen Spritverbrauch in beiden Situationen aufweisen, solange man vernünftig fährt (Stadt: 30/50, Autobahn: 130) Nun sprech ich nur für mich ... trotzdem kann ich mir vorstellen, dass ein entsprechendes KFZ durchaus ankommt. Wozu also die tonnenschweren Monster-Autos, die 50.000 und mehr Euro kosten, aber letztendlich nicht mehr können als wesentlich kleinere KFZ?
tblock 22.12.2008
4. Inkonsequentes Genöhle...
Zitat von PinarelloTja, die Maschinerie des Konsumierens sowie das haltlose Verschwenden von Ressourcen geht einfach munter weiter und ist offenbar mit friedlichen Mitteln nicht aufzuhalten. Für die Zukunft der Menschheit sowie des Trabanten keine schönen Aussichten. Man sollte sich so langsam auf die Suche nach einem neuen undd unverbrauchten Planeten machen, denn dieser macht es nicht mehr lange.
Jammer, jammer! Dann aber bitte so konsequent sein und schnell den Rechner ausmachen, wegwerfen und den Kauf bereuen! Und: Finger weg von Südfrüchten! Und: Keinen Urlaub mehr! Und, und, und... Und: Was hat denn der Trabant (ich vermute, der der Erde) damit zu tun? Kommt der durch die Klimaerwärmung etwa runter? Oder hat das Artensterben da auch schon begonnen? Sorry für off-topic...
janvetter, 22.12.2008
5. sie können mehr
Zitat von Michael GiertzForderungen meinerseits: - Ein Kleinwagen, der tatsächlich nicht mehr als 3 Liter Sprit / 100km verbraucht, und zwar Stadtkilometer. - Das Modell sollte nicht teurer als 12.000 Euro sein, mit allen Extras (aber ohne Klimaanlage - brauch ich nicht.) - Das Gewicht des Kleinwagens darf 800 kg nicht übersteigen. - Kleiner Wenderadius, gutes Handling - Effizienzgeschwindigkeit: 130 km/h - Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h Ich bin Single, von daher reicht mir ein Kleinwagen vorerst völlig aus. Er soll aber sowohl Stadt- wie auch Autobahntauglich sein, d.h. möglichst günstigen Spritverbrauch in beiden Situationen aufweisen, solange man vernünftig fährt (Stadt: 30/50, Autobahn: 130) Nun sprech ich nur für mich ... trotzdem kann ich mir vorstellen, dass ein entsprechendes KFZ durchaus ankommt. Wozu also die tonnenschweren Monster-Autos, die 50.000 und mehr Euro kosten, aber letztendlich nicht mehr können als wesentlich kleinere KFZ?
Große Fahrzeuge können mehr als kleine, sonst wären sie nicht groß und so beliebt. sogenannte "Monster-Autos" wären in der lage schwere Akkus zu transportieren, damit endlich mal elektro-suv´s entwickelt werden. ich allerdings will auch mich verkleinern.. von Opel Astra auf Opel Corsa.... ...OPC :-D in kleinen Fahrzeugen wie Smart oder Yaris fühle ich mich nicht sicher, hab da nen ganz schlechtes Gefühl. Ich bin Single, allerdings nehme ich häufig leute mit, daher brauche ich ein Fahrzeug mit 5 Sitzen und nen Kofferraum. So nun meine Forderungen: - Ein Kleinwagen, verbrauch nicht mehr als 6 Liter - Das Modell sollte nicht teurer als 16.000 Euro sein, mit allen Extras - Das Gewicht des Kleinwagens darf 800 kg nicht übersteigen. (für schnelle Beschleunigungen ;-)) - Kleiner Wenderadius, gutes Handling - Effizienzgeschwindigkeit: 150 km/h - Höchstgeschwindigkeit: über 200 km/h
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