Autobahn-Raststätten für Kinder Wo Pausen Spaß machen - und wo nicht

"Wie lange noch?" Wenn Kinder kurz nach Antritt der Urlaubsfahrt mit dieser Frage nerven, lautet die erste Regel: Ruhe bewahren. Und die zweite: Nach einem netten Rastplatz suchen. Doch wie ein aktueller Test beweist, sieht es dort für Familien oft miserabel aus - aber zum Glück nicht überall.
Von Lasse Hinrichs
Autobahn-Raststätten für Kinder: Wo Pausen Spaß machen - und wo nicht

Autobahn-Raststätten für Kinder: Wo Pausen Spaß machen - und wo nicht

Foto: AUTOBAHN TANK & RAST

Sachen zusammenraffen, flugs das Auto beladen und ab in die Ferien? Wer so in den Familien-Urlaub startet, für den ist Stress programmiert: Spätestens im Stau auf der Autobahn wird darüber gestritten, wessen Aufgabe es war, an Mutters Illustrierte, Vaters Sonnenrille und Sohnemanns MP3-Spieler zu denken - Dinge, die jetzt bis zur Rückkehr aus den Ferien im Flur warten werden. Doch auch wer seine Koffer penibel und vorausschauend packt, ist vor einem Stressfaktor nicht geschützt: dem kurzen Geduldsfaden der Kinder.

Die Nörgelei von den Rücksitzen lässt sich am sichersten mit einer Pause abstellen. Doch selbst dabei ist gute Planung sinnvoll - denn viele Raststätten bereiten eher Verdruss als Freude. "Noch immer sind zu viele Rastanlagen in Deutschland zu teuer, wenig familienfreundlich und kaum tauglich für Fußgänger", lautet das Fazit des aktuellen Raststättentests des ADAC. Die Tester des Autoclubs haben 50 Rastanlagen und Autohöfe an Bundesautobahnen nach Kriterien wie Verkehrsführung, Gastronomie, Sanitäranlagen, Service und eben auch Familienfreundlichkeit getestet - das Ergebnis ist niederschmetternd.

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Stressfrei in den Urlaub: Die kinderfreundlichsten Raststätten

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Lediglich eine Rastanlage, nämlich Recknitz-Niederung West an der A19, erhielt die Gesamtnote "sehr gut" - der Rest ist allenfalls Durchschnitt. Das gilt umso mehr, je stärker man die Familien- und Kinderfreundlichkeit gewichtet. "Unsere Tester achten hier vor allem auf die sichere Abgrenzung der Spielplätze zum Verkehrsbereich, auf die Ausstattung der Spielanlagen und zum Beispiel darauf, ob es einen Außenbereich mit ausreichend Picknicktischen und -bänken gibt", sagt Simone Saalmann, die Leiterin des ADAC-Raststättentests.

Inzwischen hält die Mehrzahl der Rastanlagen zwar gewisse Mindeststandards ein, etwa dass es Kinderstühle gibt, eine Spielecke oder einen Wickelraum. Allerdings wirkt es manchmal so, als seien das lediglich Alibi-Einrichtungen. Die Raststätte Seesen Ost an der A7 etwa hat zwar einen umzäunten Außenspielplatz, doch während an den Restauranttischen gleich daneben Sonnenschirme stehen, gibt es für die Kleinen keinerlei Sonnenschutz. Die Spielecke im Restaurant wiederum ist so mickrig, dass bei mehr als drei Kindern Überfüllung herrscht. Und der Wickelraum ist zugleich auch Behindertentoilette, was bei Hochbetrieb zu zermürbenden Wartezeiten führen kann. Das ist kein Einzelfall, an vielen Raststätten in Deutschland sieht es ähnlich aus.

Mehrere Zwischenstopps machen

Das spiegelt sich auch im ADAC-Test wieder, bei dem lediglich fünf Anlagen die Bestnote in der Kategorie Familienfreundlichkeit erhielten. Neben dem schon erwähnten Testsieger waren dies die Raststätten Buckowsee West (A11), Freienhufener Eck West (A 13). Oberlausitz Süd (A4) und Hochfelln Nord (A8). Zugleich erhielten aber auch fünf der kontrollierten Rasthöfe in diesem Punkt die schlechteste Wertung "sehr mangelhaft", nämlich die Anlagen Rabensteiner Wald (A4), Trave (A1), Allgäuer Tor Ost (A7), Remscheid West (A1) und Peppenhoven West (A61). Bei letzterer Anlage gibt es für Kinder weder außen noch innen eine Spielmöglichkeit.

"Wer mit Kindern verreist, sollte bereits die Hinfahrt gut vorbereiten", resümiert ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Dazu gehörten vor allem "bequeme Kleidung, ausreichend Essen und Trinken an Bord, ein paar Spiele für die Fahrt und - ganz wichtig - regelmäßige Pausen". Damit die nicht ausgerechnet dort einlegt werden, wo für Kinder überhaupt keine oder nur dürftige Einrichtungen vorhanden sind, gibt nicht nur der ADAC-Test eine Orientierungshilfe.

Hilfreich könnte auch ein Blick auf die Webseite von Tank & Rast sein. Das 1998 privatisierte Unternehmen herrscht über mehr als 90 Prozent der insgesamt rund 370 deutschen Rastanlagen, betreibt aber nur drei davon in Eigenregie. Für die anderen sind unabhängige Pächter verantwortlich, die die vorgegebenen Mindeststandards mehr oder weniger gut umsetzen. Die Webseite gibt einen Überblick über die Ausstattung der einzelnen Raststätten, geordnet nach Bundesland, Autobahn oder Region.

Eine konkrete Planung der ersten Pause noch vor dem Reiseantritt ist auch deshalb sinnvoll, weil dann alle Beteiligten ein Ziel vor Augen haben. Bei längeren Autofahrten mit Kindern sind ohnehin mehrere kürzere und ein längerer Zwischenstopp ratsam. Als Faustregel empfiehlt der ADAC-Experte, etwa alle eineinhalb Stunden anzuhalten und den Kinder Gelegenheit zu geben, sich auszutoben. Der längere Halt könne ruhig eine Stunde dauern. "Umso leichter ist die nächste Etappe zu ertragen", sagt Hölzel, dessen Empfehlung sich mit den Erkenntnissen der Verkehrspsychologie deckt. Denn in Lektion eins steht dort, doppelt unterstrichen: Der Urlaub beginnt bereits auf der Hinfahrt!

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