Autoglas-Technologien Alles klar!

Besonders im Herbst und Winter behindern Dunkelheit, Nässe, Reif oder Eis auf den Autoscheiben die Sicht des Fahrers. Der mangelnde Durchblick ist ein erhebliches Risiko. Speziell beschichtete, neu designte und beheizbare Scheiben sollen für mehr Sicherheit sorgen.


Welcher Autofahrer kennt das nicht? Dunkelheit schon am frühen Abend, mehrspuriger Berufsverkehr und dazu einsetzender Regen. Schnell wird aus dem eben noch entspannten Dahinrollen ein aufreibender "Blindflug". Und die Scheibenwischer können die Situation nicht klären – im Gegenteil, sie verschleiern die Sicht nach vorn noch mehr. Denn die Gummilippen der Wischer verteilen die zahlreichen Partikel auf der Windschutzscheibe – Staub, Reifenabrieb, Insekten oder Rückstände von Chemikalien aus der Waschstraße – zusammen mit dem Regenwaser übers ganze Sichtfeld. Das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge, das Licht von Straßenlaternen oder das der Rückstrahler und Bremsleuchten der Vorausfahrenden wird durch den Schmierfilm vielfach gebrochen und blendet den Fahrer.

Immer wieder kommt es durch solche Sichtbehinderungen zu Unfällen. Daher sollten Autofahrer stets dafür sorgen, eine freie Sicht auf das Verkehrsgeschehen zu haben. Zuerst sollen die Scheiben rundum regelmäßig von außen und innen – auch hier setzt sich bereits nach wenigen Wochen ein Grauschleier aufs Glas – gereinigt werden. Auch die Scheibenwischer verdienen besonderes Augenmerk. Sobald die Gummilippen anfangen zu schmieren, sollten sie ausgewechselt werden. Besonders wirksam sind moderne, permanent gebogene Wischerblätter, da sie auf den meist gewölbten Windschutzscheiben optimal aufliegen.

Manche Pkw-Hersteller bieten ihre Fahrzeuge auch mit wasserabweisenden, sogenannten hydrophoben, Scheiben an. Dabei wird das Glas schon bei der Herstellung mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung versiegelt, die den Lotuseffekt nutzt. Die extrem glatte, teflonartige Oberfläche sorgt dafür, dass die Wassertröpfchen auf der Scheibe sehr klein bleiben und sich nicht zu einem Wasserfilm verbinden.

Nach Angaben des Autoglas-Herstellers Saint-Gobain Sekurit werden die einzelnen Wassertropfen ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h vom Fahrtwind von der Scheibe geblasen. Bislang jedoch werden solche "Aquacontrol"-Scheiben hauptsächlich für die Seitenverglasung verwendet. Als Windschutzscheibe kommt das versiegelte Glas nur in einigen Oberklassemodellen zum Einsatz.

Bessere Sicht senkt die Reaktionszeit erheblich

Dabei gilt der positive Effekt als unstrittig. Eine Studie des Transportation Research Institute der Universität Michigan (UMTRI) ergab, dass solche Glasbeschichtungen die Sicht des Fahrers im Vergleich zu herkömmlichen Autoscheiben um rund ein Drittel verbessern und die Reaktionszeit um bis zu 25 Prozent verbessern können. Jedoch lässt die Wirkung der wasserabweisenden Oberfläche – vor allem an der Frontscheibe – nach etwa 20.000 Kilometern nach, kann aber wieder aufgefrischt werden.

Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Mittel zum nachträglichen Versiegeln herkömmlicher Windschutzscheiben. Experten aber raten von solchen Do-it-yourself-Lösungen ab, weil sich ihre Wirkung rasch ins Gegenteil verkehrt. "Durch die mechanische Beanspruchung durch die Wischerblätter kommt es häufig zu Schlierenbildung und die Gefahr steigt, etwa Fußgänger zu übersehen", sagt Christian Schäfer, Leiter Technik und Verkehr beim Automobilclub ADAC Hansa.

Niemals nur mit Gucklöchern losfahren

Ein typischen Sichtproblem im Winter sind beschlagene oder vereiste Scheiben. In solchen Fällen müssen alle Scheiben des Autos von Schnee oder Eis befreit und auf der Innenseite getrocknet werden. Ein Handbesen zum Freifegen des Wagens sowie ein Eiskratzer und ein Lappen für die Wischarbeit von innen sollten daher in den Wintermonaten griffbereit sein. Wer die frostige Handarbeit scheut, sollte dem Wagen am Abend eine "Mütze" überstülpen oder zumindest die Frontscheibe abdecken. Inaktzeptabel und höchst riskant ist es, lediglich mit freigekratzten Gucklöchern loszufahren. In solchen Fällen müssen Autofahrer zudem mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen.

Bequemer ist die freie Sicht bei Winterwetter mit beheizbaren Scheiben zu haben. An den Heckfenstern zählt diese Technik mittlerweile fast schon zum Standard bei modernen Autos. Und auch beheizbare Frontscheiben sind bei einigen Marken und Modellen inzwischen erhältlich. Allerdings sollte man auch hier zumindest die gröbsten Schneewehen per Hand von den Scheiben kehren. Denn bei laufendem Motor abzuwarten, bis die dünnen Heizdrähte im Glas die Eiskristalle aufgeweicht haben, schadet nicht nur der Maschine, sondern vor allem auch der Umwelt – und ist aus diesem Grund verboten.



insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
everlast_11, 06.11.2006
1.
---Zitat von sysop--- Die Autohersteller bringen immer neue Sicherheits-Raffinessen auf den Markt. Welche Technologien sind sinnvoll, welche nicht? Was sind Ihre Erfahrungen mit der Verkehrssicherheit? ---Zitatende--- Alle Technik dieser Welt bringt nichts, wenn der Fahrer bzw. die Fahrerin nicht Auto fahren kann! Ein guter, umsichtiger Fahrer trägt wesentlich mehr zur Straßensicherheit bei als ein hochgezüchtetes, mit Technik volgestopftes Auto.
DJ2002dede, 06.11.2006
2.
Ich habe mal folgende Situation mit erleben dürfen: Ein Mercedes überholte mich auf der Autobahn. Wenig ppäter hab ich ihn wieder eingeholt, da war er nämlich über die Leitplanke "gesprungen" und ist in der Böschung hängen geblieben. Unverletzt fragte er dann verwundert, wie das dann hätte passieren können. "Das Auto ist doch neu, das hat ABS, ESP, TSC ..." (2, 3 Sachen kamen dann noch)" Ich achte bei meinem Fahrzeugkauf darauf, das nicht zu viele Sachen mein Gefühl behindern. Irgendwann ist die Technik machtlos gegenüber der Physik, und ich möchte spüren wann dieses der Fall ist. Technischer Schnickschnack zögert beispielsweise das "Abfliegen" von der Straße lange heraus, wenn es denn soweit ist hat man keine Chance mehr dagegen zu wirken. Die sinnigste Sicherheitsvorkehrung ist immer noch ein vorsichtig fahrender Mensch, der sicherstellt das alle seine Technik auch hundertprozentig einsatzbereit ist. Zumindest ABS und einige andere Sachen sind aber zumindest gute ZUSÄTZE.
Polar, 06.11.2006
3.
---Zitat von sysop--- Was sind Ihre Erfahrungen mit der Verkehrssicherheit? ---Zitatende--- ABS kam mir mal zugute, in einer Situation, in der ich mit einer herkömmlichen Bremsanlage (nasses Laub in der Kurve) wohl in die Botanik gerauscht wäre.
Muffin Man, 06.11.2006
4.
---Zitat von sysop--- Welche Technologien sind sinnvoll, welche nicht? Was sind Ihre Erfahrungen mit der Verkehrssicherheit? ---Zitatende--- Sinnvoll kann jede Technologie sein, solange man ihr nicht blindlings vertraut... ich möchte als Fahrer schon noch selbst das Auto lenken und bremsen können; völlig "bevormundende" Technik (die ja längst im Gespräch ist, und wahrscheinlich in wenigen Jahren serienreif sein könnte) lehne ich ab. Breitreifen verbessern den Fahrbahnkontakt - außer bei Nässe oder Schnee... Einzelradaufhängung vorn verbessert die Spurtreue, innenbelüftete Scheibenbremsen sollten sich anständig dosieren lassen, allerdings rosten sie gern, und sie können bei Regenfahrten "wirkungslos" sein, wenn man eine Vollbremsung einleitet. Daher bremse ich - auch ohne elektronisches ABS - "stotternd". Und versuche, Situationen zu vermeiden, wo der zu erwartende Bremsweg eine Kollision nicht zu vermeiden imstande ist. Schlupfregelungen halte ich für überflüssig (obwohl übermotorisierte Fronttriebler ja gern mal die Räder durchdrehen lassen), ESP ist nur bei Fehlkonstruktionen wie dem Smart oder der A-Klasse obligatorisch... HELFEN tut es im Bedarfsfall übrigens dann doch nicht (mit dem Smart habe ich schon einige Dreher um die Hochachse erlebt, wie man sie sonst nur aus Carl-Barks-Comics kennt)
Veroly, 06.11.2006
5. Gehirn ausschalten und Gas!???
Wir haben vor einiger Zeit alle etwas erlernt und aufbauend auf unserem neuen Wissen eine Prüfung abgelegt. Und nachdem wir diese bestanden hatten, haben wir ihn erhalten, den Führerschein. Sinn des Ganzen ist natürlich, dass man dieses Wissen nicht verliert, umsichtig fährt, mit Abstand, dem Verkehrsfluss angepasst etc pp Hierfür kann es auch hilfreich sein, ab und an ein Fahrsicherheitstraining zu machen. Z.B. im Winter, damit man lernt, mit Glatteis umzugehen oder im Herbst, weil dann die ganzen Blätter auf der nassen Fahrbahn liegen. Das ganze technische Klimbim, wie es auch immer heißen mag, soll uns nur dabei unterstützen, sicher ans Ziel zu kommen. Solange es das tolle Auto aus Knight Rider (hatte das eigentlich einen Namen?)nicht in Serienbau gibt, müssen wir die Arbeit schon selber machen: Also schalten, walten, lenken, schauen, denken (ganz wichtig, vergessen manchmal einige!) In diesem Sinne, Veroly
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