Autohändler Gebrauchtwagen auf Halde

Trotz der relativ stabilen Autokonjunktur blickt das deutsche Kfz-Gewerbe skeptisch in die Zukunft. Vor allem der Gebrauchtwagenhandel entwickelt sich zu einem Problem für die Branche.


München - "Unsere 48.000 Betriebe mit über einer halben Million Beschäftigten geraten zunehmend in Bedrängnis", sagte der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Rolf Leuchtenberger, am Dienstag vor Beginn der Internationalen Handwerksmesse (16. bis 22. März) in München. Vor allem der schwierige Gebrauchtwagenhandel mache den überwiegend mittelständischen Betrieben zu schaffen.

Fahrzeuge beim Gebrauchtwagenhändler: "Betriebe geraten zunehmend in Bedrängnis"
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Fahrzeuge beim Gebrauchtwagenhändler: "Betriebe geraten zunehmend in Bedrängnis"

Immer mehr deutsche Autofahrer kaufen nach Beobachtung des Verbands ihren Gebrauchtwagen von Privatpersonen. "Wir haben es zunehmend mit Kunden zu tun, die eine ausgesprochene Preissensibilität haben", sagte Leuchtenberger. Der Anteil des Privatmarkts am Gebrauchwagengeschäft kletterte so 1999 von 48 auf 52 Prozent. Gleichzeitig wuchsen die Gebrauchtwagenhalden bei den Händlern auf 1,4 Millionen Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 26 Milliarden Mark an. "Diese Kapitalbindung, die sechs bis sieben Milliarden Mark höher ist als normal, ist ein Alarmzeichen ersten Ranges", sagte Leuchtenberger.

Im vergangenen Jahr steigerte das deutsche Kfz-Gewerbe den Umsatz um gut ein Prozent auf rund 261 Milliarden Mark. Knapp die Hälfte davon entfiel auf den Neuwagenhandel. "Das Jahr 1999 war quantitativ in Ordnung, qualitativ war es unbefriedigend", sagte Leuchtenberger. Die Umsatzrendite vor Steuern der Betriebe habe bei lediglich 1,2 Prozent gelegen. Die Zahl der Beschäftigten sank um 6000 auf 531.000 Mitarbeiter.

Einen Gebrauchtwagen ließen sich die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich 16.400 Mark kosten, 500 Mark mehr als 1998. Der Durchschnittspreis für Neuwagen sank in den alten Bundesländern um 600 Mark auf 37.900 Mark, während er in Ostdeutschland um 1800 Mark auf 34.200 Mark zulegte. Der Gesamtmarkt der Autokäufe stieg Leuchtenberger zufolge im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf rund 11,5 Millionen Pkw. Dabei wechselten rund 7,7 Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer. Die Zahl der Neuwagenverkäufe legte leicht auf 3,8 Millionen zu.

Zufrieden ist der Verband mit der Entwicklung des Werkstattgeschäfts. Der Umsatz nahm leicht auf 43,4 Milliarden Mark zu. Für eine Werkstattstunde mussten im vergangenen Jahr die Autofahrer 115,65 Mark zahlen, gut ein Prozent mehr als 1998. Allerdings werde sich auch im Autoservice der Wettbewerb verschärfen, sagte Leuchtenberger. Die immer längeren Wartungsintervalle und die steigende Qualität der Fahrzeuge würden laut einer Studie zu einem Rückgang der durchschnittlichen Servicestunden pro Auto und Jahr von derzeit 4,7 auf rund drei Stunden im Jahr 2010 führen.

Im Internet sieht Leuchtenberger nicht die große Zukunft des Autohandels. "Ich habe meine großen Zweifel daran, ob Autokäufe durch das Netz in der Größenordnung erfolgen, die uns vielfach eingeredet werden sollen."



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