Automanager-Umfrage Das Problem Überkapazität

Zum Start der größten amerikanischen Automesse, der Detroit Motor Show, hat das Wirtschaftprüfungsunternehmen KPMG eine Umfrage unter weltweit 110 Managern der Automobilbranche veröffentlicht, bei der vor allem zwei Resultate hervorstechen: eine pessimistische Grundeinstellung und zugleich eine fast schon naive Sorglosigkeit.


So glaubt inzwischen fast jeder Vierte der befragten Auto-Manager (22 Prozent), dass sich 2005 als das schwächste Geschäftsjahr der Periode von 2003 bis 2008 herausstellen wird. Ungefähr ebenso viele der Umfrageteilnehmer (23 Prozent) erklärten, sie seien zuversichtlich, im Jahr 2006 wieder die volle Profitabilität zu erreichen.

Das klingt erst mal recht optimistisch, doch wenn man weiß, dass der Anteil der Hoffnungsvollen im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr nur noch halb so groß ist, dann wird eine gewisse Skepsis gegenüber dem vielfach prognostizierten Aufschwung deutlich. Hans-Dieter Krauss, Segmentleiter Automotive bei KPMG in Deutschland, sagt: "Auch für den deutschen Markt sind die Prognosen für die nächsten zwölf Monate wesentlich zurückhaltender als in der jüngeren Vergangenheit. Absatzsteigerungen sind - wenn überhaupt - nur durch neue, attraktive Modelle, kostengünstige Fertigung und weiterhin hohe Rabatte zu erzielen."

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Die Branche, so ergab die Umfrage weiter, unterschätzt offenbar das Problem der weltweiten Überkapazitäten in der Automobilindustrie. Heute glauben rund drei Viertel der Befragten und damit erheblich mehr als früher, dass die globalen Überkapazitäten unter 20 Prozent liegen. Besonders bei der Beurteilung des chinesischen Automarktes liegen die Manager nach Einschätzung von KPMG kräftig daneben. 37 Prozent der Führungskräfte sagen, in China gebe es überhaupt keine Überkapazitäten. "Diese Aussage weicht dramatisch von unseren Marktanalysen ab. Das Problem der Überkapazitäten zu unterschätzen könnte für die Automobilindustrie fatale Folgen haben", sagt Krauss. Global gebe es Überkapazitäten von rund 25 Prozent. Auch in China seien "schon jetzt deutliche Überkapazitäten vorhanden", und dieser Trend werde sich "eher noch verstärken".

Zutrauen fassen die Manager allerdings wieder in die nordamerikanischen Marken. Mehr als die Hälfte aller Befragten (55 Prozent) sind sicher, dass die US-Hersteller ihren Marktanteil über die nächsten fünf Jahre halten oder gar ausbauen werden. Dagegen werde der weltweite Marktanteil der europäischen Autohersteller sinken - das glauben zumindest 25 Prozent der Führungskräfte.

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Schließlich deutet die Umfrage ein Comeback der klassischen Limousine an. 56 Prozent gaben an, dass der Anteil dieser Karosserieform unter den Neuwagen in den kommenden fünf Jahren wieder zunehmen werde. Zugleich sagten die Automanager, dass nach ihrer Einschätzung das größte Wachstumspotenzial bei Hybrid-Fahrzeugen (diese Klasse nannten 74 Prozent), sogenannten Crossover-Modellen (48 Prozent), Geländewagen (42 Prozent) und bei Minivans (40 Prozent) liege. Die Kaufentscheidung der Kunden, so glauben die Auto-Entscheider, werde vor allem von vier Faktoren beeinflusst: Qualität (82 Prozent), Benzinverbrauch (77 Prozent), Sicherheit (75 Prozent) und dem Kaufpreis (67 Prozent).



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