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Bus-Projekt in Hamburg Bitte einsteigen, heute ohne Fahrer

Es wird ernst: Das Verkehrsministerium hat zwei deutsche Innenstädte zu Teststrecken für computergesteuerte Autos erklärt. In Hamburg rollen ab 2021 sogar fahrerlose Busse durch die Straßen.

In ein paar Jahren soll es in Hamburg fahrerlose Busse geben. "Bis 2021 wollen wir erste Pilotstrecken haben, auf denen der Einsatz von autonom fahrenden Bussen getestet wird", sagte der Vorstandschef der Hamburger Hochbahn, Henrik Falk, dem "Hamburger Abendblatt". "In der Zukunft werden diese Fahrzeuge wahrscheinlich wie selbstverständlich zum Stadtbild dazu gehören."

Auch die neue U-Bahnlinie U5, mit deren Bau 2021 begonnen wird, soll fahrerlose Züge ermöglichen. Falk erklärte dazu, dass die Hochbahn mit einem automatischen System viel leistungsfähiger und flexibler werde. "Das heißt, es kann zum Beispiel auf starke Nachfrage umgehend durch zusätzliche Fahrzeuge reagiert werden."

Auch in Berlin starten Probefahrten mit einem fahrerlosen Bus. In den kommenden Monaten soll auf dem Gelände des Euref-Campus ein autonomer Buslinienbetrieb getestet werden. Dabei setzt die Deutsche Bahn auf den Kleinbus "Olli" mit acht Sitzplätzen, der vom US-Start-up Local Motors gebaut wird. In Leipzig läuft ein ähnliches DB-Projekt mit einem Fahrzeug der Firma Easymile.

Die Testbetriebe seien der Auftakt verschiedener Projekte zum autonomen Fahren bei der Deutschen Bahn. 2017 sind die ersten Pilotprojekte im öffentlichen Raum geplant. Es gelte, Erfahrungen im Einsatz von autonomen Fahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr zu sammeln, um die "Vorreiterrolle in Deutschland" weiter voranzutreiben, so Bahn-Chef Rüdiger Grube.

Braunschweig und Kassel: Computergesteuerte Autos

Auch für die Entwicklung computergesteuerter Autos sollen nun erste Projekte in deutschen Innenstädten starten. Neben einem Testfeld auf der Autobahn 9 in Bayern sind in Braunschweig und Kassel entsprechende Forschungsvorhaben geplant, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte. Ziel sei es, dass Deutschland zum Leitmarkt für automatisierte und vernetze Fahrzeuge werde und als erstes Land einen Regelbetrieb der Technik erreiche.

In Braunschweig fördert das Ministerium mit 5,8 Millionen Euro ein Projekt, bei dem digitale Lösungen für Kreuzungen mit gemischtem Verkehr erprobt werden - also etwa Autos, Radfahrer und Fußgänger. In Kassel soll mit 2,3 Millionen Euro Förderung getestet werden, bestimmte Fahrzeuge für einen besseren Verkehrsfluss mit Ampeln zu vernetzen. Dafür sollen Busse, Straßenbahnen und Rettungsfahrzeuge mit Bordcomputern ausgerüstet werden.

Innerstädtische Versuche sind daneben auch in Ingolstadt, München, Berlin, Dresden, Düsseldorf und Hamburg vorgesehen. Weitere Städte können folgen. Auf dem Testfeld auf der A9 sollen zusätzlich auch Fahrzeugsensoren zum Erkennen von Verkehrssituationen und der künftige Mobilfunkstandard G5 erprobt werden. Insgesamt stellt das Ministerium bis 2020 rund 100 Millionen Euro für solche digitalen Testfelder bereit.

beh/dpa

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