Autos auf Mailänder Designwoche Elastische Diamanten

Miele, Maggi, Mini: Während der Mailänder Designwoche präsentieren Firmen aus aller Welt Kreationen und Produkte. Auch etliche Autohersteller sind in der Zona Tortona vertreten - SPIEGEL ONLINE hat sich umgeschaut.

Aus Mailand berichtet Jürgen Pander


Keine tradierten Formen, keine historischen Verpflichtungen - so etwas lieben Designer, weil sie frisch von vorne anfangen können. Bei Automarken ist so etwas eine Seltenheit, und so ist die Designphilosophie der Toyota-Luxusmarke Lexus besonders interessant. Lexus gibt es erst seit 1989, und so konnte Chefdesigner Wahei Hirai etwas gänzlich Neues schaffen. Die Lexus-Formensprache nennt er L-Finesse getauft. "Wir sind hier, um unsere Botschaft zu verkünden", so Hirai. Das aber ist nicht ganz einfach. "L-Finesse ist schwierig zu erklären", sagt Hirai. Man müsse sich die aktuellen Fahrzeuge ansehen, dann gewinne man am ehesten einen Eindruck. "Die drei Pfeiler des Lexus-Designs sind Einfachheit, Eleganz und Zuvorkommenheit", erläutert Hirai. Er tut dies wortreich und fügt stets an, dass man der dahinterstehenden Idee mit Worten nur schwer beikommen könne. Genau das ist ein Grund dafür, warum Lexus nun schon zum vierten Mal an der Designwoche in Mailand teilnimmt.

Das Stelldichein der internationalen Kreativszene hat sich um den Möbelsalon Mailand gebildet, der wie gewohnt in den Messehallen der Stadt stattfindet. In der sogenannten Zona Tortona aber, einer von hippen Aufsteigern entdeckten Ex-Industriebrache im Südwesten der Stadt, gibt es seit einigen Jahren parallel zur Möbelmesse eine große Show unter dem alles überwölbenden Motto Design. In Hinterhöfen, Lofts, Zeltkonstrutionen, Museen oder In-Läden präsentieren Firmen wie BASF und Birkenstock, Miele, Nespresso oder Dolce & Gabbana Installationen, Kreationen, Produkte. In diesem Jahr sind auch die Autohersteller Alfa Romeo, Citroën, Fiat, Lexus und Mini vertreten.

Wenn Designer Diamanten zum Vorbild nehmen

Lexus beispielsweise arbeitete für die Designwoche bereits zum vierten Mal mit einem japanischen Künstler zusammen. In diesem Jahr ist es Oki Sato, der jugendliche Chef des Designhauses Nendo, der für den Autohersteller zwei große Räume im Museo della Permanente gestaltet hat. "Elastic Diamond" heißt die Arbeit, und das Paradox des Titels deutet schon an, worum es geht: Um die Vereinbarkeit von eigentlich gegensätzlichen Eigenschaften. Das nimmt auch der Autohersteller Lexus für sich in Anspruch, wenn etwa Hightech wie der Hybridantrieb so leicht und unmerklich funktioniert als wäre das gar nichts Besonderes. Oder wenn sehr einfache Formen zugleich eine gewisse Mystik und Komplexität ausstrahlen.

Sato hat, um dies zu verdeutlichen, die überaus harten, kristallinen Strukturen eines Diamanten mit einem speziellen Laserverfahren aus Nylonpulver nachgebildet - und daraus Stühle (Diamond Chair), Raumobjekte (Diamond Bubble) und Lampen (Diamond Lamp) geformt, die zugleich sehr stabil, extrem leicht und sogar nachgiebig und bis zu einem gewissen Grad verformbar sind. Im zweiten Raum, wo das schwarze Modell der Lexus-Studie LF-Xh steht, gibt es mehrere sieben Meter hohe, bewegliche "Diamond Pillars", die ebenfalls das Gitternetz eines Diamanten nachahmen.

Zu sphärischen Klängen und dumpfen Bässen entsteht in diesen Räumen ein Eindruck von erfrischender Klarheit und Präzision. Es gibt nur die Farben Schwarz und Weiß und die Objekte sind tatsächlich sehr einfach und zugleich doch so interessant, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit verfliegt, während man die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Mini mit Alcantara-Dach, Citroën als Teilelieferant

Ganz so künstlerisch geht es bei den anderen Autoherstellern nicht zu. Fiat zeigt in Zusammenarbeit mit der Firma Fratelli Guzzini Alltagsobjekte, die von der Form und der Ausstrahlung des neuen Kleinwagens Fiat 500 inspiriert sind. Alfa Romeo präsentiert einen Reise-Fotoband zu 60 unvergesslichen Design-Destinationen der Design-Expertin von Ambra Medda - und die schon hinlänglich präsentierten Supersportwagen 8c Competizione und 8c Spider.

Mini wiederum lobt den "Mini Design Award 2008" aus, zeigt im Mailänder BMW-Autohaus Ambros Saro Designobjekte unter dem Titel "Made in Italy" und bietet eine Flotte von Shuttlefahrzeugen an deren Dächer von der Firma Alcantara mit dem gleichnamigen Stoff überzogen sind.

Eine nette Aktion hat Citroën vorbereitet. Die Franzosen zeigen im 31. Stock des Pirelli-Hochhauses eine Reihe von Alltagsgegenständen - Stuhl, Schirmständer, Schlitten - die von Designern aus Citroën-Autoteilen fabriziert wurden. Und zwar so, dass es nicht nach Schrottplatz-Kreativität aussieht, sondern nach sehr schicken, sehr erfrischenden Designobjekten.



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