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26. April 2010, 10:29 Uhr

Autostar für einen Tag

Die dicke BMW-Überraschung

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Auf der Auto China in Peking enthüllte BMW die Studie Gran Coupé, die nur kurz im Rampenlicht stand und dann gleich wieder versteckt wurde. Die Masche hat Methode beim bayerischen Autobauer. SPIEGEL ONLINE zeigt die vergessenen Raritäten aus der geheimen BMW-Garage.

BMW drängt in die Nischen des Automarkts. Beinahe im Jahresrhythmus präsentiert die Marke neue Modelle, für die Kunden und Gattungsbegriffe erst gefunden werden müssen. Jüngste Beispiele sind der BMW X6 und der 5er GT, demnächst folgt der Mini Countryman. Nun enthüllte das BMW-Designteam um Adrian van Hooydonk bei einer Überraschungsparty in Peking die Studie Gran Coupé, einen eleganten Viertürer, der demnächst Modellen wie Mercedes CLS oder dem kommenden Audi A7 Konkurrenz machen soll.

Nun ist die Idee eines viertürigen Coupés nicht neu. Vor drei Jahren schon zeigte BMW bei einer Messe in China das Konzeptauto CS. Dieser Wagen wurde jedoch von der Wirtschaftskrise gestoppt. Mit der Studie Gran Coupé erfolgt jetzt der Neustart.

Der Wagen ist zehn Zentimeter flacher als die beiden Limousinen BMW 5er und 7er, fast fünf Meter lang und wirkt auf der Showbühne sehr elegant und rasant. LED-Scheinwerfer an Bug und Heck, eine besonders betonte BMW-Niere an der Frontpartie, feine Chromstreifen um die rahmenlosen Seitenscheiben - das Auto wirkt optisch erfrischend.

Und es ist so konzipiert, dass auch die Wirtschaftlichkeit stimmt. "Die gemeinsame Architektur der Modelle 5er und 7er lässt auch diese Variante zu", sagt ein Firmensprecher bei der Premiere. Vermutlich läuft das künftige Coupé dann als BMW 6er - die Baureihe wird im kommenden Jahr ohnehin neu aufgelegt. Offiziell gibt es dafür noch keine Bestätigung, erst recht aber auch keine Dementis. BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson sagt: "Diesmal ziehen wir die Sache durch."

Vorerst jedoch verschwindet das Gran Coupé wieder in den gut gesicherten Garagen der Designabteilung. Das kurze Aufblitzen neuer Autoideen hat bei BMW Tradition. Immer wieder stellten Designer und Entwickler überraschende Fahrzeuge vor, die scheinbar nur in der Öffentlichkeit präsentiert um sogleich wieder weggeschlossen zu werden. Zehn der aufregendsten Typen hat SPIEGEL ONLINE noch einmal zusammengestellt.

Studie BMW Z2

Dieses grüne Ungetüm aus dem Jahr 1991 war einer der Vorboten des legendären Sportwagens Z1. Das Serienauto jedoch sah ungleich eleganter und stimmiger aus als dieses doch ziemlich vergurkte Modell. Doch neben dem Roadster Z1 entwickelten die Bayern auch ein Coupé, das allerdings - wen mag es angesichts dieser Formgebung wundern - nie in Serie ging. Und so blieb dieser unkonventionelle "Off-Roadster" eine nicht fahrbare Studie aus Holz, Gips und Kunststoff.

Studie BMW E1

Dieses Auto rückt BMW gerade wieder ins Rampenlicht. Denn für die Bayern gilt der 1991 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt präsentierte E1 als Vorreiter der elektrischen Revolution. Wenn in drei Jahren des neue Mega-City-Vehicle auf den Markt kommen wird, dann auch, weil BMW schon damals "die Vor- und Nachteile eines rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugs im praktischen Einsatz" erforscht habe, wie das Unternehmen mitteilt.

Studie BMW Z13

Ungewöhnliche Raumkonzepte hat BMW schon früher auf die Räder gestellt. Etwa 1993 die Studie Z13. Der Wagen hat vorne nur einen Sitz, der zum Zwecke des größtmöglichen Unfallschutzes in die Mitte gerückt wurde. Im Heck gibt es einen riesigen Kofferraum oder zwei Notsessel zum Ausklappen. Aus Aluminium gebaut und deshalb nur 830 Kilo schwer, reichten dem 82 PS starken Benziner im Heck sechs Liter Sprit für 100 Kilometer. Das Design sprengte nach Ansicht von BMW die damaligen Vorstellungen von einem Auto. Doch technisch lagen die Entwickler offenbar richtig: Schon damals wurde am Armaturenbrett neben einem Telefon und einem Faxgerät auch ein Satellitennavigationssystem installiert.

Studie BMW Z18

Dieser Prototyp stammt aus dem Jahr 1995 und sollte die damals sehr beliebte Idee des Enduro-Motorrades aufs Auto übertragen. So entstand der bislang wahrscheinlich einzige Offroadster , der potenten Fahrspaß versprach. Immerhin steckte unter der Haube ein V8-Motor, und Allradantrieb gab es auch. Dass das Auto recht schnell wieder in Vergessenheit geriet, lag vielleicht auch daran, dass eigentlich kein Mensch so ein Fahrzeug braucht.

Studie BMW Just 4/2

Dieser Prototyp von 1995 war ein weiterer Versuch einer Symbiose von Auto und Motorrad. Der offene Zweisitzer, der nur kurz auf der damaligen Motorshow in Peking zu sehen war, hatte frei stehende Räder, war ohne Dach und Scheiben so luftig wie ein Zweirad und mit einem 100 PS starken Vierzylinder im Heck auch beinahe so schnell.

Studie BMW Z22

Vor allem als Technologieträger war der doch recht unförmig geratene Konzeptwagen Z22 aus dem Jahr 1999 gedacht. Ihn ihm steckten 70 Innovationen und 61 angemeldete Erfindungen aus den Bereichen Karosseriekonzept, Leichtbau, Antrieb, Sicherheit, Mechanik und Bedienung. So war der Wagen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff konstruiert, besaß eine elektrische Lenkung sowie Kameras anstelle von Außen- und Rückspiegeln und Kurvenlicht; dazu ein Head-Up-Display und eine frühe Form des Bediensystems iDrive.

Studie BMW Z29

Leicht und schnell - das waren die wichtigsten Kriterien für den gemeinsam mit der M GmbH entwickelten Konzeptwagen Z29 aus dem Jahr 2001. Als Motor diente der Reihensechszylinder des damaligen BMW M3, die Fahrgastzelle wurde aus kohlefaserverstärktem Kunststoff gefertigt, die Hinterachse sowie das Front- und Heckmodul aus Aluminium. Ergebnis dieser Kombination von Leichtbaumaterialien: Ein Leistungsgewicht von 3,4 Kilogramm pro PS und ein Sprintwert von 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Studie BMW Gina Light

Vor allem neue Material- und Fertigungskonzepte wollte BMW mit der Studie GINA Light aus dem Jahr 2001 ausprobieren. Den Reiz des Roadsters macht weniger seine Form aus, sondern es geht um die Konstruktion, für die statt Einzelteilen aus Stahl, Kunststoff oder Blech ein Spezialgewebe gewählt wurde. Das spannt sich wie eine Haut über das Metallskelett und besteht aus nur vier Elementen. Karosseriefugen gehören damit der Vergangenheit an, und zudem auch noch ein paar lieb gewordene Details aus mehr als 100 Jahren Automobilbau. Klassische Türen zum Beispiel sind nicht mehr vorgesehen. Und wo Autos wie Corvette, Opel GT oder Mazda MX-5 mit Klappscheinwerfern experimentierten, verschwinden die Scheinwerfer hier hinter Lidern, die sich nur bei Dunkelheit öffnen. Seitenblinker und Rückleuchten strahlen einfach durch die teilweise transparente Karosserie. Und wer einen Blick auf den Achtzylindermotor über der Vorderachse werfen möchte, der klappt die Motorhaube entlang einer längs verlaufenden Fuge auf.

Studie Concept Coupé Mille Miglia

Mit gewaltigem Gebrüll fuhr diese Studie 2006 im Prolog der Mille Miglia durch Brescia und erinnerte damit an den Sieg des legendären 328 Touring Coupé bei der berühmten italienischen Langstreckenrallye im Jahr 1940. 66 Jahre nach dem Erfolg haben Designer mit diesem Showcar eindrucksvoll demonstriert, wie ein Mille-Miglia-Auto heute aussehen könnte. Die Kohlefaser-Karosserie sieht ebenso schnittig wie elegant und konturiert aus. Als Reminiszenz an den alten Renner gibt es markante Kiemen an der Seite und Scheinwerfer von der Größe einer Langspielplatte, die mit jeweils einer Hundertschaft LED bestückt sind. Was der in sechs Monaten aufgebauten Studie fehlt, sind Türen. Wer tatsächlich hinter dem Sportlenkrad Platz nehmen möchte, muss die gesamte Kanzel des Wagens öffnen, über die Brüstung klettern und sich dann am Überrollkäfig vorbei auf den Sitz fädeln.

Studie BMW Simple

Die Studie aus dem Jahr 2006 kombiniert die Vorzüge von Auto und Motorrad. Vom Pkw übernimmt der Zweisitzer die Idee der Fahrgastzelle, die vor Wind und Wetter schützt, den Fahrer von Außengeräuschen abschirmt und bei einem Unfall Sicherheit bietet. Und dem Motorrad verdankt das Konzeptmobil "Simple" die schlanke Form mit nur 1,10 Metern Breite sowie die beiden hintereinander angeordneten Sitze. Außerdem legt sich die Karosserie bei Kurvenfahrten zur Seite. Im Notfall oder zum Aufrichten im Stand und beim Drift nutzt die Neigetechnik die Hilfe einer Hydraulik. Konzipiert wurde der 450 Kilogramm schwere Zweisitzer wahlweise für einen Benzinmotor mit 50 PS oder einen Elektromotor. Beide würden den Wagen in weniger als zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Für die Elektrovariante nennt BMW einen Verbrauch von umgerechnet 0,7 Litern, der Benziner wäre mit weniger als zwei Litern zufrieden.

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