Teleskop-Wohnwagen Beauer 3X Ausziehen!

Es gibt Erfindungen, bei denen man sich fragt, warum keiner früher drauf gekommen ist. Die Caravan-Konstruktion von Eric Beau ist so eine. Der Wohnwagen wächst auf Knopfdruck über sich hinaus.

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Es erinnert ein wenig an das Ikea-Prinzip: auf kleiner Fläche möglichst viel unterbringen. Der Franzose Eric Beau hat diese Philosophie auf die Spitze getrieben und den Wohnwagen 3X konstruiert, der es buchstäblich in sich hat: Drinnen gibt es eine Sitzecke für vier Personen, ein Doppelbett (190 x 140 cm), eine Küchenzeile mit Zweiflammen-Gaskocher und Spülbecken, dazu Kühlschrank, Regale, WC, Waschbecken und Dusche. Okay, das bieten auch andere Caravans. Allerdings hat das Modell 3X eine Fläche von lediglich etwas über vier Quadratmetern. Geht nicht? Doch!

Und das liegt an einer technischen Besonderheit, die sich der 54-jährige Beau ausgedacht hat. Hängt der rund eine Tonne schwere Caravan hinter einem Auto, ist er inklusive Kupplung lediglich 3,50 Meter lang und 1,85 Meter breit. Damit kommt man problemlos selbst durch die engsten Gassen und ist weit weniger schwerfällig unterwegs als ein herkömmliches Wohnwagengespann oder die weißen Wohnmobil-Dickschiffe mit Alkoven über der Fahrerkabine. Rollt man mit dem Mini-Wohnanhänger dann auf einen Campingplatz, wird man wohl mit mitleidigen Blicken begrüßt.

Das allerdings ändert sich sehr schnell.

Denn nur zwei Handbewegungen sind nötig, dann entfaltet der 3X sein wahres Potenzial. Am Heck muss eine Verriegelung gelöst und dann ein Drehschalter betätigt werden - sogleich fahren die Außen- und die darunterliegende Innenhülle des Wohnwagens jeweils nach links und rechts aus. Die sogenannten Slideouts, die innerhalb von 28 Sekunden ihre Endposition erreicht haben, verdreifachen im Handumdrehens die Grundfläche des Wohnwagens - was auch den Modellnamen 3X erklärt. So vergrößert, hat der Campingwagen dann eine Breite von 4,60 Metern und eine Grundfläche von rund zwölf Quadratmetern.

Die Klapptechnik ist der Clou des Konzepts

Die wahre Konstrukteursleistung liegt im Inneren des Campingwagens verborgen. Während die Seitenteile ausfahren und die Eingangstür freigeben, entfaltet sich im Inneren das Bett und die Sitzecke, die während der Fahrt jeweils vertikal gelagert sind - fertig ist das Dreizimmer-Feriendomizil. Geht man nach der wundersamen Verwandlung ins Innere des Caravans, gelangt man zunächst in die Küche. Die bietet einen Zweiflammen-Gaskocher mit Spülbecken, eine Anrichte, zahlreiche Küchenschränke und einen Kühlschrank für den Proviant. An der Küchenzeile in einer Schiene befestigt, ist auch der ausklappbare Tisch untergebracht.

Links befindet sich die zum 2 mal 1,90 Meter großen Bett umbaubare Sitzecke. Zur rechten findet sich, abgetrennt durch ein praktisches Regal, das eigentliche Bett. Dazwischen integrierte Caravan-Tüftler Beau sogar noch einen separaten Waschraum mit Toilette und Waschbecken.

Die Idee zu dem Wohnwagen hatte Eric Beau schon im Jahr 2011. Seitdem plante der hauptberufliche IT-Entwickler an Wochenenden und im Urlaub das Reisegefährt. "Der Einfall kam mir, als ich nach einem Wohnwagen suchte. Ich wollte unbedingt etwas aus den Sechzigerjahren haben, wegen des tollen Designs", sagt Beau über den Anstoß zu seiner Entwicklung. Da er aber nichts Passendes fand, fing er an, sich seinen eigenen Wohnwagen zu konstruierten. "Die Idee, einen erweiterbaren Wohnwagen zu bauen, kam mir erst später."

Im Innenraum des Beauer mit Küche, Bett und Sitzecke.
Beauer

Im Innenraum des Beauer mit Küche, Bett und Sitzecke.

Die ersten Modelle werden komplett in Handarbeit gefertigt

Nach sechs Jahren Entwicklungsarbeit und drei Prototypen geht der 3X jetzt in die Serienfertigung. Gebaut wird der Teleskop-Caravan in einer kleinen, erst im Januar 2017 eröffneten Fabrik nahe der französischen Stadt Nantes. Die Außenhülle besteht aus wiederverwertbarem Polyester und biologischen Materialien, drinnen wird hauptsächlich beschichtetes Sperrholz verwendet. Mit zwei Mitarbeitern will Beau hier bis Jahresende in Handarbeit zehn bis fünfzehn Wohnwagen vom Typ 3X bauen. "Nächstes Jahr soll die Produktion dann verdoppelt werden", so Beau.

6000 Bestellungen

Anfragen hat er dafür laut eigenen Angaben genug. Es seien bereits um die 6000 aus der ganzen Welt, schätzt Beau. Und was kostet der geniale Auszieh-Wohnwagen? In Frankreich müssen Kunden 25.000 Euro für die Basisvariante auf den Tisch legen. Als Sonderausstattung gibt es eine Gasheizung, diverse Duschkonfigurationen und Warmwasseraufbereiter sowie einen Deichselfahrradträger - dann wird es natürlich teurer. Wenn der Wohnwagen wie geplant ab Ende des Jahres 2017 auch in Deutschland zugelassen wird, sollen die Preise bei uns dann ganz ähnlich sein.

Die ersten Teleskop-Wohnwagen sind gerade erst ausgeliefert, da sitzt Eric Beau bereits am nächsten Projekt. Schon bald soll es nämlich eine größere Version geben, den 3X+. Der hat dann in ausgefahrenem Zustand eine Grundfläche von 27 Quadratmetern. Und anschließend möchte Beau auch ein Wohnmobil mit seiner raffinierten Teleskop-Technik ausstatten.

Der Mann fängt gerade erst an, sich zu entfalten.



insgesamt 39 Beiträge
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PaddyO 12.07.2017
1. Warum noch keiner drauf gekommen ist?
Gibts doch ueberall. Hierzulande meist bei Gross-Womos oder "Schausteller" Anhaengern. Slideouts sind anfaellig. Darum wuerde ich mir das nicht hinstellen wollen und lieber einen 2-3 meter laengeren Anhaenger ziehen.
2cv 12.07.2017
2. Von wegen ... gab es noch nicht...
Natürlich gab es das schon mal. Zitat: "Die unvergessliche "Knospe" von Heinz Austermann wurde ursprünglich als Mehrzweckanhänger konzipiert, wie es bis in die 50er Jahre häufig der Fall war. So konnte der Handwerker oder Gewerbetreibende damit unter der Woche das Geld als Transportmittel verdienen, um am Wochenende und in der Urlaubszeit den Anhänger als Domizil zu nutzen. Dazu konnten bei der "Knospe" das Dach und die beiden Seitenteile entfernt werden, um auf dem Fahrgestell mit stabiler Grundplatte die Seitenwände für einen Transportanhänger aufzubauen. Der Luxus eines Anhängers, der nur wenige Wochen im Jahr für die Ferien benutzt wurde, war knapp zehn Jahre nach dem Neubeginn nur von wenigen bezahlbar und auch noch nicht in den Köpfen der Menschen verankert - andere Probleme und Güter des Alltags waren deutlich wichtiger."
HeisseLuft 12.07.2017
3. Das Prinzip ist nicht so neu
Die Grundidee wurde früher schon umgesetzt: http://www.tagesspiegel.de/kultur/ddr-architektur-die-raumerweiterungshalle-eine-fuer-alles/4601592.html "Die Hallen standen ja überall", sagt Klaus Both im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Der 75-Jährige ist der Sohn des Erfinders und hat spätere Modelle mitentwickelt. Als Arbeiterunterkünfte im Tagebau, als Konsumläden, als Ferienlager- hütten, Gaststätten, Kinos, auf Dorfplätzen und Gärten – die REH passte sich an. "In der DDR kannte die jeder", sagt Both. Natürlich ohne aufwendige Tüfteleien.
cortomaltese62 12.07.2017
4. nicht wirlich neu
Das machen die Amis schon lange https://winnebagoind.com/products/class-a-diesel/2017/grand-tour/floorplans
tailspin 12.07.2017
5. Ist das den Aufwand wirklich wert?
Ich fahre nicht mir einem Capingwagen durch enge Gassen und versuche dort rueckwaerte einzuparken, sondern ich fahre direttissima ueber die Autobahn vom Abstellplatz zu Hause auf den Capingplatz . Also welches Problem loese ich hier? Und dieses Fass sieht nicht wirklich ergonomisch aus. Dann schon lieber einen Airstream-Klassiker.
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