Parkplatz-Sharing Die private Einparkhilfe

In allen Städten wird über mangelnde Parkmöglichkeiten geklagt. Eine Lösung für das Problem ist Parkplatz-Sharing: Dabei vermieten Privatleute ihre Stellplätze an andere Autofahrer. Die Idee könnte der nächste Teil-Erfolg werden.
Privatparkplatz: Stellmöglichkeiten werden über Webplattformen vermietet

Privatparkplatz: Stellmöglichkeiten werden über Webplattformen vermietet

Foto: imago

Glücklich ist, wer einen eigenen Parkplatz vor dem Haus oder in Nähe seiner Wohnung hat. Die nervige Sucherei bleibt damit erspart. Während man mit dem Auto bei der Arbeit ist oder länger verreist, liegt der Stellplatz aber brach. Dabei könnte in dieser Zeit bares Geld damit verdient werden - durch sogenanntes Parkplatz-Sharing.

Die Idee ist einfach: Statt die Parkmöglichkeit stunden- oder sogar tagelang verwaist zu lassen, wird sie vermietet. Damit bleibt wiederrum anderen Autofahrern das lästige Rumkurven erspart. In Deutschland gibt es bereits einige Webseiten, die als Plattform für Angebot und Nachfrage dienen. Es sind Marktplätze für Parkplätze: Die Vermieter geben an, wann und für wie lange sie ihre Stellmöglichkeiten - kostenpflichtig - zur Verfügung stellen, und Suchende können bereits im Voraus einen Stellplatz ausfindig machen und reservieren.

Die Geschäftsmodelle der Plattformbetreiber sind meistens gleich - für die Vermittlung einer Parkmöglichkeit erhält der Vermieter seine festgelegte Summe, dem Mieter wird zusätzlich zum Mietpreis eine Gebühr von ein paar Prozent berechnet. Bei dem Geschäft gibt es eigentlich nur Gewinner: Der Vermieter verdient sich etwas dazu, der Kunde muss nicht suchen und sich vor dem Abschleppwagen fürchten und für die anderen Autofahrer bleiben mehr öffentliche Parkplätze übrig. Trotzdem kommt der Handel mit den Stellplätzen in Deutschland gerade erst ins Rolllen.

Eindeutige Rechtslage

Robert Mittl betreibt zwar schon seit ein paar Jahren die Seite parkplace.de , dort bieten laut seinen Angaben aber erst etwa 120 Privatleute verstreut in ganz Deutschland ihre Parkplätze an. Eine ziemlich geringe Zahl, wenn man die große Nachfrage bedenkt, die angeblich nach Parkmöglichkeiten herrscht - gerade in den Großstädten.

"Viele Kommunen haben die Parkplatzvergabe selbst in der Hand, zum Beispiel durch die Vergabe von Anwohnerausweisen", sagt er. Diese werden aber nur auf ein bestimmtes Fahrzeug ausgestellt und können nicht weitergegeben werden. Eine weitere Hürde für das private Parkplatz-Sharing sind die Einschränkungen in einigen Mietverträgen, die die Untervermietung einer Stellmöglichkeit verbieten.

"Grundsätzlich", sagt der ADAC-Rechtsexperte Markus Schäpe, "spricht aber nichts gegen die private Vermietung für einen bestimmten Zeitraum." Als Besitzer eines Parkplatzes braucht man seinen Angaben zufolge keine spezielle Genehmigung, und zum Untervermieten reicht das Einverständnis des Vermieters. Damit rechtlich alles einwandfrei läuft, müssen nur noch die erzielten Einkünfte ordentlich versteuert werden.

Dass in Deutschland trotzdem noch ein mickriges Angebot an privat vermieteten Parkplätzen herrscht, hat nach Ansicht von Fouad Banit einen weiteren Grund: "Hier ist man traditionell zurückhaltender, was die Umsetzung von Internetideen angeht", sagt der Mitbegründer der Plattform parkinglist.de . Aber der Erfolg von entsprechenden Angeboten in Großbritannien und den USA lässt ihn hoffen.

Autokonzerne mischen bereits mit

Die Betreiber der Seite parkatmyhose.com  haben zum Beispiel nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Kunden in England gefunden - und sogar das Interesse der Autokonzerne geweckt. So hat sich BMW bereits Anteile an dem Unternehmen gesichert. Daimler ist gleichzeitig bei gottapark.com  eingestiegen und will noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt in Europa starten. Wie mit den Carsharing-Diensten erweitern die Autobauer damit ihr Geschäft mit der Mobilität.

Die Plattform unserparkplatz.de  bietet bislang nur rund 150 private Stellplätze an - aber laut Unternehmenschefin Denise Schuster lassen sich bei ihr zusätzlich etwa 20.000 Flughafenparkplätze sowie mehr als 2000 öffentliche Stellplätze in Deutschland mieten. Die verstreuten Angebote an Parkmöglichkeiten werden auf ihrer Webseite einfach gebündelt und den Autofahrern damit die Suche erleichtert.

"Die meisten unserer Kunden mieten die Parkplätze einen Monat oder länger und zahlen dabei im Schnitt etwa 100 Euro monatlich", sagt Schuster. Bald will sie auch nach Österreich und in die Schweiz expandieren.

Das Tiefgaragen-Problem

Ein großes Handicap für die spontane Stellplatzvermietung sind die Schranken und Tore vor Privatparkplätzen, zum Beispiel bei Tiefgaragen. Die Sicherheitsmaßnahmen machen eine kurzfristige Mietung kompliziert, weil Vermieter und Autofahrer zuerst einen Schlüssel oder eine Karte austauschen müssen, damit der Zugang frei wird. Denise Schuster nimmt Parkplätze solchen Beschränkungen gar nicht erst in ihr Angebot auf, und auf parkinglist.de soll das erst in Zukunft möglich sein.

Von solchen Hürden wollen sich die Plattformbetreiber aber nicht entmutigen lassen. Bis vor einigen Jahren galt zum Beispiel Carsharing noch als umständlich, und kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, fremde Leute für ein paar Tage in seiner Wohnung hausen zu lassen. Heute ist der Service, den Car2Go, DriveNow oder die Vermittler von Privatwohnungen wie airbnb.com  bieten, eine Selbstverständlichkeit. Die nächste Gelegenheit zum Teilen ist nur ein Knopfdruck in der App entfernt. Fouad Banit reibt sich deshalb schon mal die Hände: "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das auch beim Parkplatz-Sharing klappt."