Umfrage Beim Tempolimit für Autobahnen ist Deutschland gespalten

Gut die Hälfte der deutschen Autofahrer spricht sich in einer ARD-Umfrage für ein Tempolimit aus, der andere Teil ist dagegen. Interessant auch: Gegner wie Befürworter sind meist klar unterschiedlichen Parteien zuzuordnen.
Autobahnschild für Tempo 130 (Archivfoto)

Autobahnschild für Tempo 130 (Archivfoto)

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Beim Tempolimit für Autobahnen ist Deutschland nach wie vor gespalten. Nach dem aktuellen Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin spricht sich die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) für die Einführung eines Tempolimits von 130 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen aus, 47 Prozent der Bürger sind gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Damit habe sich die Stimmung im Vergleich zum November 2007, als das Thema in der Öffentlichkeit ebenfalls diskutiert worden sei, nicht geändert, hieß es weiter. Während Männer eher gegen die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung seien, sprächen sich Frauen eher dafür aus.

Wenig von einem Tempolimit halten der Umfrage zufolge die Anhänger von AfD und FDP, die der Grünen und Linken seien mehrheitlich für ein Tempolimit. In den Reihen der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD seien die Meinungen geteilt.

Video: Die wichtigsten Zahlen zum Tempolimit

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Ende vergangener Woche hatte der SPIEGEL Überlegungen einer von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe zu mehr Klimaschutz im Verkehr bekannt gemacht - darunter ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen, höhere Spritkosten und eine Quote für Elektroautos. Es handelt sich allerdings um einen ersten Vorschlag, "mit dem in keiner Weise Vorfestlegungen verbunden sind", wie es in dem Papier heißt. Dennoch folgte eine heftige Debatte.

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Was Verkehrsexperten sagen

Im Vorfeld des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar hatten Unfallexperten die Forderung nach einem generellen Tempolimit unterstützt. Dadurch soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht und die Zahl der Verkehrstoten gesenkt werden.

"Wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, dass jedes Jahr rund 3200 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen, müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens. "Wenn jemand mit Tempo 180 unterwegs ist und vor ihm schert ein Fahrzeug mit Tempo 90 auf die Überholspur aus, geht das schnell schief." Die Unfallforscher der Versicherer (UDV) sehen das ähnlich. "Die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Fahrspuren nehmen immer mehr zu", sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Das habe oft schlimme Folgen.

Ob ein Tempolimit für mehr Sicherheit sorgt, ist wenig erforscht und daher umstritten. Allerdings ergab eine Untersuchung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Jahr 2016, dass auf Abschnitten mit einem Tempolimit pro Kilometer rund 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückten als auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Zahl der Schwerverletzten sei auf Strecken mit Tempolimit um 17 Prozent geringer.

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Aber es gibt auch andere Stimmen - wie den Stauforscher Michael Schreckenberg. "Ein Tempolimit ist nicht zielführend", sagte der Verkehrsexperte von der Universität Duisburg-Essen der Nachrichtenagentur dpa. Geregelte Geschwindigkeitsbeschränkungen seien nur gerechtfertigt, wenn der Verkehr dichter werde - durch variable Anzeigen. "Das gibt es bereits auf vielen Strecken." Die Entstehung von Staus sei nicht primär davon abhängig, ob Autos 120 oder 160 fahren.

oka/dpa