Bentley Arnage Mulliner Das Wunschzettelauto

Bentley, die britische Nobelmarke im VW-Konzern, druckst nicht lange herum: "Wir bauen die exklusivste Limousine der Welt", tönt das Unternehmen. 20 Multimillionäre werden wohl demnächst Besuch vom Bentley-Berater bekommen.


Beim Genfer Autosalon im vergangenen März zeigte Bentley eine besonders aufwendig ausgestattete Limousine der Baureihe Arnage, die damals noch als "Konzeptauto" deklariert war. Jetzt gaben die Briten bekannt, dass von diesem oberexklusiven Modell 20 Exemplare gebaut werden. Aber streng genommen ist dieser Satz schon falsch, denn es werden 20 Bentley Arnage Mulliner gebaut, die möglicherweise kaum noch was mit dem Ausstellungsstück und schon gar nichts untereinander gemeinsam haben. Denn die zentrale Botschaft dieses Autos lautet: "Andere Luxushersteller mögen Tausende von Ausstattungsvarianten bieten, unsere Liste von Ausstattungsoptionen ist endlos." Das sagt Derek Davies, Direktor von Bentley Mulliner.

Bentley-Studie Arnage Mulliner: Mit diesem Prototypen lockten die Briten 20 Multimillionäre

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Im Jahre 1959 kauften Rolls-Royce und Bentley (damals gehörten die beiden Marken noch zusammen) den Karosseriespezialisten Mulliner. Heute gehört diese Abteilung zu Bentley und beschäftigt 130 Handwerker, allesamt spezialisiert auf die Verfeinerung von Luxusautomobilen. Einige dieser Experten werden sich demnächst auf den Weg zu den Interessenten für die mindestens 400.000 Euro teure Limousine machen. Kundenberater auf Villenbesuch sozusagen, denn die Nobel-Bentleys entstünden komplett nach den Wünschen ihrer Besteller, sozusagen auf "einem weißen Blatt", wie die Briten mitteilen.

Welches Leder, welches Holz, welches Metall, welcher Stoff? Wie dick und in welcher Farbe? Soll Goldlack zum Einsatz kommen oder besser Chrom, vielleicht auch Sterlingsilber oder gar hie und da einige Brillanten? Wo passt der Plasmabildschirm hin, wo werden die 24 Lautsprecher der Dolby-Sourround-Anlage untergebracht? Und wo das Kühlfach für die Magnumflasche Champagner? Solche Fragen werden wohl erörtert, wenn mit dem eigens für jeden Kunden abgestellten Kundenberater und einem eigenen Designer dann die Einzelheiten der Autoeinrichtung besprochen werden. "Diese Arbeit hat mit Liebe zu tun", sagt Ashley Wickham, die Projektmanagerin bei Bentley Mulliner.

Die Basis für die Luxuslimousine bildet das Modell Arnage, dessen Radstand auf 3,56 Meter gestreckt wird, um den Passagieren möglichst viel Komfort bieten zu können. Unter der Motorhaube steckt der altbekannte 6,75-Liter-V8-Bolzen, der 400 PS (296 kW) leistet und ein Drehmoment von 835 Newtonmeter freisetzt. Die Kraft reicht, um das Millionärsmonstrum in 6,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 zu beschleunigen.

Bentley-Studie Arnage: Für Diskretion im Fond sorgt die extrabreite C-Säule

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Bentley Mulliner rechnet damit, dass bis zu 6000 Arbeitsstunden anfallen können, bis ein Auto tatsächlich genau so dasteht, wie es der Auftraggeber verlangt. "Wir bauen genau das Auto, das der Kunde will. Und nicht das Auto, das wir ihm verkaufen wollen", bekräftigt Derek Davies die Exklusivitätsdevise. Selbst nach dem Kauf möchte Bentley einen besonderen Service anbieten: Jeder Kunde des limitierten Modells erhält einmal im Jahr Besuch aus dem Werk: Dann wird in der heimischen, vermutlich wohl temperierten Garage die fällige Inspektion vorgenommen.



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