Bentley Brooklands Der graue Star

Auf den Tischen flackerten Bentley-Kerzen, auf dem Wasser schimmerte eine hell erleuchtete Bentley-Boje – nur in der Vitrine am Eingang glänzte es nicht. Die feine "Société Nautique de Genève" hatte den "Admiral's Cup" vorsichtshalber weggeräumt. Es ging ja um ein Auto.

Von Jürgen Pander


"Dies ist die ultimative Fahrmaschine für den Gentleman-Driver", sprach Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen, und die Gäste lauschten beinahe andächtig, als er weiter ausführte, dass der Motor des Wagens 530 PS leiste und ein Drehmoment von 1050 Newtonmeter entwickle. "Es ist der stärkste Achtzylinder-Motor, den Bentley je gebaut hat, und der stärkste Serien-Achtzylinder der Welt obendrein", erläuterte Paefgen. Dann wurde das Luxus-Coupé von vier ebenso verführerisch wie leicht bekleideten Damen enthüllt – und damit war die erste Überraschung des Genfer Automobilsalons bereits am Vorabend des ersten Pressetages geglückt.

Bentley Brooklands heißt das neue Modell, das die Briten in ihrer Traditionsfarbe "Gun Metal Grey" lackiert hatten, einem seidig schimmernden Grauton, der wenig sportlich, dafür aber überaus seriös wirkt. Immerhin deutet der Name an, dass in diesem Auto zumindest die Erinnerung an die Rennsporttradition der Marke auf die Straße gebracht werden soll: Denn die im Südosten Englands gelegene Rennstrecke Brooklands, nach der das Coupé benannt ist, wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und gilt als Wiege des britischen Motorsports.

Im Laufe des kommenden Jahres sollen die ersten Exemplare des Bentley Brooklands an die Kunden ausgeliefert werden. Noch nehmen die Briten keine Bestellungen an, denn es fehlen noch ein paar Spezifikationen für das Auto, doch allzu lange dürfen potenzielle Interessenten ihre Entscheidung auch wieder nicht hinauszögern. Denn rund 300.000 Euro sind zwar eine Menge Geld, doch werden von dem großkalibrigen Zweitürer auch lediglich 550 Exemplare gebaut.

Nutzlos wie Lippenstift für ein Schwein

Die anderen Debütanten des Messevorabends in Genf haben da völlig andere Zahlen im Visier. Opel zum Beispiel präsentierte die Studie GTC Concept im "Hotel du Parc des Eaux Vives" und zeigte damit erstmals die von Designchef Bryan Nesbitt entworfene Formensprache, die dem für nächstes Jahr avisierten neuen Vectra auf einen knackigeren Auftritt bescheren soll. Der Wagen soll die Rüsselsheimer endlich wieder stark machen in der Mittelklasse. "Wir haben die richtigen Autos, und wir werden noch besser in unserem Design", sagte Europa-Marketingchef Alain Visser. Dann schob er Lektion eins seines Fachgebiets nach: "Marketing ohne die passenden Produkte ist nämlich ähnlich nutzlos wie Lippenstift für ein Schwein."

Apropos Lippenstift: Rote Linien zieren bei der Opel Studie nicht nur die schwarzen Ledersitze, sondern auch das Lenkrad und die Reifen. Das ist ein hübscher Kontrast zum außerordentlich attraktiv aussehenden Mattlack namens "Liquid Grey", den Opel gemeinsam mit dem Lackhersteller DuPont entwickelt hat. Die Spezialfarbe musste von Hand in vier Schichten auf den Prototypen gesprüht werden. Eine aufwendige Prozedur, die aber nun das Auto überaus massiv erscheinen lässt.

Lachs statt Business-Plan

Ohnehin ziemlich massig sind auch die beiden Volvo Neuheiten, der Kombi V 70 und der von diesem Modell abgeleitete Allradler XC 70, die ebenfalls bereits am Vorabend des ersten Messe-Pressetages vorgestellt wurden. Die Schweden hatten dazu das "Expo Lac" ganz schlicht in Schwarz und Weiß ausstaffiert und mit coolem blauem Neonlicht erhellt. Nur um die Ecke feierte der Mutterkonzern Ford im "Hotel Président Wilson" seinen "Eve of Show"; und wiederum nur ein paar Minuten entfernt hatte BMW ins "Batiment des Forces Motrices" geladen.

Auch andere Autohersteller nutzen die Gunst des Vorabends, um auf sich aufmerksam zu machen. Skoda lud die Pressevertreter zum Fondue-Essen in die Altstadt von Genf, Chevrolet hatte gleich am Flughafen eine Lounge für die ankommenden Motorjournalisten eingerichtet, und Nissans Edelmarke Infiniti kündigte während eines Dinners im "Hotel d'Angleterre" seinen Europastart für das kommende Jahr an. Zwar fehlen noch etliche Details des Business-Plans, doch bei gefülltem Lachs, kandierten Kalbskoteletts und süßen Crêpes zum Dessert konnte man darüber locker hinwegsehen.



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