Bentley Greenpower Azubis in der Karbonkiste

Die zum VW-Konzern gehörende Automarke Bentley ist bekannt für starke, schwere und luxuriöse Karossen. Die Azubis der Briten am Firmensitz Crewe verstoßen gegen all diese Traditonen und haben einen Rennwagen gebaut - leicht, spartanisch und nur ein halbes PS stark.


Aus der Ferne wirkt das Vehikel wie eine Seifenkiste, doch wer den Einsitzer genauer ansieht, erkennt: Dies ist das Werk von Profis. Neun Auszubildende von Bentley, vier Frauen und fünf Männer, haben den Flitzer konzipiert, der in der britischen Nachwuchs-Rennserie Greenpower an den Start geht. Das Wägelchen ist im klassischen British Racing Green lackiert und trägt an der Flanke den Namen Bentley, das "B"-Logo auf den Radnaben und die Startnummer 8.

Die wesentlichen Elemente des Fahrzeugs sind genormt. So etwa der 24-Volt-Elektromotor mit 240 Watt Leistung und die beiden Zwölf-Volt-Batterien. Die werden von der Firma Greenpower gestellt, die diverse Nachwuchsrennserien organisiert. Der Rest des Wagens ist Improvisation, Erfindergeist und Kreativität – eingehalten werden müssen lediglich die Grundmaße, denn das Auto darf nicht länger als 2,80 Meter sein und nicht breiter oder höher als 1,20 Meter. Ach ja, und vier Räder muss der Wagen haben. Der Bentley Continental DC – die Abkürzung steht für "direct current" – entspricht all diesen Vorgaben.

Gebaut hat den Wagen ein Azubi-Team aus dem Bentley-Werk in Crewe - und zwar aus allen Abteilungen der Firma, denn die jungen Leute kümmern sich nicht nur um die Technik, sondern auch um Organisation, Finanzierung und Sponsoren. "Das Programm wird den jungen Menschen für ihren Berufsweg sehr helfen", sagt Margaret Cheshire, Personalchefin bei Bentley. Vor allem trägt es schon jetzt dazu bei, dass die neun Azubis einen großen Teil ihrer Freizeit in der Firma und mit dem Thema Fahrzeug verbringen. Denn der Continental DC ist ja nicht nur ein Gesellenstück, sondern ein Rennwagen.

Der startet in der britischen Greenpower-Rennserie, die dazu beitragen soll, Ingenieurnachwuchs zu rekrutieren. Der Bentley-Nachwuchs ist in der Klasse "F24+" aktiv, wo die Rennautos die oben beschriebenen technischen Grundzüge erfüllen und die Fahrer zwischen 16 und 21 Jahre alt sein müssen. Eine Saison umfasst acht Rennen über je 90 Minuten. Bei mindestens zwei Läufen sowie beim Finale im Herbst in Goodwood muss ein Auto mitfahren, um in die Wertung zu kommen. Im ersten Rennen, an dem die Bentley-Truppe teilnahm, erreichte der Wagen an Position drei das Ziel, jedoch erhielt das Team aufgrund seiner aufopferungsvollen Arbeit an der Box den Sonderpreis "Spirit of Greenpower".

Ein Rennwagen, so leicht wie nur möglich

Um trotz des sehr zahmen Motors ausreichend flott unterwegs sein zu können, ist neben einer ausgefeilten Aerodynamik vor allem das Gewicht die entscheidende Größe. Für den Bentley-Renner gibt es daher keine Angaben zu diesem heiklen Punkt. Allerdings betonen die Verantwortlichen, dass nicht nur die Karosserie aus Kohlefaser geformt ist, sondern auch vier 16-Zoll-Räder aus Karbon zum Einsatz kommen sowie Radaufhängungen aus dem Hightech-Material. Ein ABS-System für das Auto, so heißt es, sei gerade in Vorbereitung.

Als Höchstgeschwindigkeit für den nicht einmal kniehohen Renner werden rund 64 km/h angegeben. Gefahren werden kann bei vollen Batterien rund zwei Stunden – es gibt also genügend Reserven für die geforderte Renndistanz. Allerdings dürfen bei den Boxenstopps nicht nur die Fahrer wechseln, sondern auch die Batterien ausgetauscht werden, so dass immer möglichst viel Energie zur Verfügung steht. Im Juni, zum nächsten Rennen im Castle Combe, ist das System vielleicht schon einsatzbereit.



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