Benzinpreis steigt weiter Keine illegalen Absprachen

2,19 Mark mussten Autofahrer am Wochenende für einen Liter Super-Benzin zahlen - und laut Einschätzung der Mineralölbranche bald noch mehr. Das Bundeskartellamt sieht dennoch keine konkreten Verdachtsmomente für illegale Preisabsprachen.


So teuer wie noch nie war das Tanken am Wochenende.
AP

So teuer wie noch nie war das Tanken am Wochenende.

Hamburg - Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte für illegale Preisabsprachen der Mineralölkonzerne im Zusammenhang mit der jüngsten Preisrunde an den Tankstellen. Bei "bloßem Parallelverhalten", also wenn die Tankstellenkonzerne ihre Preise lediglich zum gleichen Zeitpunkt erhöhten, könne seine Behörde nicht tätig werden, sagte Kartellamtssprecher Stefan Siebert am Dienstag auf Anfrage in Bonn. Dafür seien konkrete Verdachtsmomente nötig. "Die haben wir nicht."

Politiker und Automobilclubs hatten das Bundeskartellamt wegen der neuen Preisrunde dazu aufgefordert, das Verhalten der Mineralölkonzerne zu prüfen. Die Mineralölkonzerne hatten kurz vor Ostern die Preise an den Zapfsäulen flächendeckend auf Rekordniveau angehoben.

Nach Erhebungen des Automobilclubs ADAC lag der Spitzenpreis für einen Liter Super-Benzin über Ostern bei 2,19 Mark. Für Super-Plus musste an den meisten Tankstellen mehr als 2,20 Mark bezahlt werden. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hatte am Donnerstag gewarnt, wegen niedriger Benzin-Lagerbestände in den USA sei mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.

Eine weitere Verknappung des Angebots könnte ein Brand in der britischen Raffinerie Killingholme nach sich ziehen, der die Produktion weitgehend lahm legte. Die Raffinerie gilt als eine der wenigen, die von der Kanalzone aus den großen US-Markt versorgt. Auch die Kursschwäche des Euro, beziehungsweise die Stärke des Dollarkurses, werden zur Begründung des Preisanstiegs genannt.

Eine Stichprobe des Automobilclubs von Deutschland (AvD) an den wichtigsten Urlaubsrouten ergab allerdings am Montag, dass die Preise um drei Pfennig je Liter zurückgenommen wurden. Sprecher mehrerer Mineralölfirmen widersprachen dieser Einschätzung: Bundesweit seien die Preise allenfalls um einen Pfennig zurückgegangen. Bei seinen Stichproben habe der AvD wohl einige "Brennpunkte" herausgegriffen, in denen der Benzinpreis auf Grund des lokalen Wettbewerbs gesunken sei.

Die Preiserhöhungen an den Zapfsäulen haben auch die Diskussion über eine Besteuerung von Flugbenzin wieder belebt. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bekräftigte über Ostern, wenn in den nächsten Jahren ein einheitlicher Energiemarkt in der Europäischen Union (EU) entstehe, werde wohl auch das Flugbenzin einheitlich besteuert. Wann es dazu kommen werde, sei aber nicht absehbar.



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