Mobilität Berlin nimmt Autos Parkplätze weg - für E-Scooter und Lastenräder

Lastenräder werden immer beliebter, brauchen aber mehr Parkfläche als normale Fahrräder. In Berlin bekommen sie zusammen mit E-Scootern nun eigene Parkplätze zugewiesen - zulasten der Autos.
E-Scooter in einem Mülleimer (in Berlin): Künftig können sie auf ehemaligen Auto-Parkplätzen abgestellt werden

E-Scooter in einem Mülleimer (in Berlin): Künftig können sie auf ehemaligen Auto-Parkplätzen abgestellt werden

Foto: Future Image/ imago images

Lastenräder haben eine hohe Zuladung und sind umweltfreundlich - genau wie bei einem Lieferwagen gestaltet sich das Parken jedoch mitunter schwierig. Denn um so ein Cargobike abzustellen, braucht man ausreichend Platz, der gerade in Innenstädten nicht immer vorhanden ist. In Berlin können die Räder deshalb künftig eigene Parkplätze bekommen.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat nun Planungsvorgaben für solche Parkplätze erlassen. Künftig können an allen Straßen, an denen maximal Tempo 30 gilt, Kfz-Stellplätze in spezielle Parkflächen für Lastenräder umgewandelt werden. Auch für E-Stehroller können künftig solche Parkplätze geschaffen werden.

So sehen die Piktogramme der neuen Parkflächen aus

So sehen die Piktogramme der neuen Parkflächen aus

Foto: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin

Mit den neuen Regeln stelle man einheitliche Vorgaben für das Parken von Lastenrädern und E-Scootern auf der Straße sicher, erklärte der Berliner Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese: "Lastenräder werden immer häufiger eingesetzt und brauchen besondere Plätze." Für E-Scooter und Leihräder wolle man neue Abstellflächen auf der Fahrbahn schaffen, um die Gehwege freizubekommen.

Zuständig für die Auswahl und Umwidmung der Parkplätze sind jedoch die Bezirke der Stadt. Auf einem längs zur Fahrbahn angeordneten Kfz-Stellplatz finden nach der Umwidmung künftig drei schräg gestellte Lastenräder an speziellen Fahrradbügeln Platz.

Zwei Meter-Parklücke für E-Tretroller

Die Bügel sind mit 35 Zentimetern deutlich kürzer als herkömmliche Fahrradbügel, da Lastenräder mehr Platz zum Rangieren benötigen, erklärte die Senatsverwaltung. Die Abstellflächen für E-Scooter sind beim Längsparken zwei Meter breit. Auf ihnen dürfen jedoch auch Fahrräder geparkt werden - sofern das dafür nötige Doppel-Piktogramm am Parkplatz angebracht ist.

Mit den Maßnahmen reagiert der Senat auf den steigenden Platzbedarf der alternativen Mobilitätsangebote. Denn nicht nur die E-Stehroller boomen, auch die Zahl der verkauften E-Lastenräder stieg nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) von 21.600 im Jahr 2017 auf 40.000 im Jahr 2018.

ADFC begrüßt den Plan, ADAC vermisst Gesamtkonzept

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßte deshalb die Entscheidung der Senatsverwaltung. Oft stünde dem Wunsch nach einem Lastenrad der fehlende Parkplatz im Wege. "Lastenräder sind zu schwer und sperrig, um sie in den Keller oder den Fahrradschuppen zu stellen, für normale Fahrradbügel sind sie auch meist zu groß - und sie dürfen auf keinen Fall den ohnehin schon spärlichen Platz der Fußgänger dezimieren", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Da Lastenräder das Autofahren ersetzen und auf einen Autoparkplatz drei bis vier Lastenräder passen, sei dies auch platzökonomisch die richtige Entscheidung.

Der ADAC verwies dagegen auf ein fehlendes Gesamtkonzept des Senats. So seien die Parkplatzkapazitäten in Berlin schon jetzt erschöpft, während die Pkw-Zulassungszahlen weiter stiegen, sagte eine Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg.

"Bevor Parkflächen für E-Stehroller und Lastenräder geschaffen werden und dem Autoverkehr dadurch noch mehr Parkraum genommen wird, muss daher evaluiert werden, an welchen Stellen es wirklich Sinn machen könnte." Ansonsten würde nur der Park-Such-Verkehr verstärkt, was wiederum der Umwelt schade, so die Sprecherin.

ene