Berlin Tausende Autofahrer sollen Fahrlehrer bestochen haben

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat offenbar einen bislang beispiellosen Fall von Bestechung bei der Vergabe von Führerscheinen aufgedeckt. Nach Informationen des SPIEGEL sollen ein TÜV-Mitarbeiter und ein Fahrlehrer gegen Geld in großem Umfang Theorieprüfungen manipuliert haben.


Für Führerschein-Prüflinge mit schlechten Deutschkenntnissen ist der Theorietest eine oft unüberwindliche Hürde. Das nutzten ein TÜV-Mitarbeiter und ein Fahrlehrer in Berlin offenbar aus. Dem SPIEGEL zufolge durchsuchten Ermittler Mitte des Monats 39 Objekte, darunter mehrere Berliner Fahrschulen und die örtliche TÜV-Zentrale, und verhafteten den in der Hauptstadt tätigen TÜV-Prüfer Norbert F., 55, sowie den 41-jährigen Ali Hasan T., Inhaber einer Fahrschule in Berlin- Kreuzberg.

Die Strafverfolger hatten den Prüfungsraum verwanzt und mitgehört, wie der TÜV-Mann an zwei Tagen jeweils 27 Kandidaten mit meist mageren Deutschkenntnissen beim Ausfüllen der Fragebögen anleitete. Der TÜV-Angestellte bekam dafür, wie laut dem SPIEGEL aus einer abgehörten Geldübergabe hervorgeht, von dem Fahrschulinhaber pro manipulierter Theorieprüfung 200 Euro in bar. Ali Hasan T. wiederum soll von den Prüflingen bis zu 2000 Euro kassiert haben.

Das geschäftstüchtige Gespann, dessen Kundschaft offenbar aus ganz Deutschland anreiste, hat mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren zu rechnen. Bei den Verdächtigen wurden 64.000 Euro Bargeld sichergestellt. Mehr als 4000 Führerscheinvergaben aus den Jahren 2004 bis 2006 müssen überprüft werden; ermittelt wird bislang gegen mehrere Dutzend Beschuldigte.

abl



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